16.02.2016
Erschienen in: 02/ 2016 FLUG REVUE

NASA-Fotos ausgewertetApollo 16: Einschlag auf der Mondoberfläche

Bei der Auswertung von Fotos der NASA-Mondsonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) fanden Wissenschaftler endlich den Einschlagkrater der Saturn-Endstufe S-IVB von Apollo 16. Jetzt sind alle Spuren komplett dokumentiert.

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Einen Krater von 400 Metern Durchmesser hat die Raketenstufe im Mondboden verursacht. Foto und Copyright: NASA  

 

Auch dieses Mal werden die Verschwörungstheoretiker wieder empört reagieren und behaupten, die jüngsten Fotos seien ebenso gefälscht wie alle früheren, denn: Niemals hat ein Mensch einen Fuß auf den Mond gesetzt, und das gesamte Apollo-Programm der sechziger und siebziger Jahre war nur ein riesiger Medienschwindel! Indessen ist diesen Leuten vor allem dank der gestochen scharfen Bilder des LRO schon einiger Wind aus den Segeln genommen worden, denn da waren nicht nur die Landestufen der Lunar Modules, sondern auch einzelne Gerätekomplexe, Fahrspuren der Mondautos LRV (Lunar Roving Vehicle) und schließlich sogar breite Trampelpfade zu erkennen, welche die Astronauten schufen, indem sie bestimmte Strecken mehrfach zurücklegten.

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Edwin „Buzz“ Aldrin am Seismometer vor der Landefähre Eagle der Mission Apollo 11. Foto und Copyright: NASA  

 

Nicht zuletzt konnten alle Einschlagkrater geortet werden, die entstanden, als nach erfolgreicher Arbeit auf dem Mond, dem Aufstieg, der Kopplung mit dem jeweiligen Raumschiff und dem  Umstieg die „Spinnen“, also die Landefähren, abgetrennt und gezielt auf der Mondoberfläche zum Absturz gebracht wurden. Die infolgedessen künstlich erzeugten Mondbeben wurden mit den zurückgelassenen Seismometern gemessen und die Daten zur Erde übertragen. Daraus konnten Wissenschaftler bestimmte Eigenschaften des Gesteins am Aufschlagort und die innere Struktur des Erdtrabanten ermitteln.

Ab der Mission Apollo 13 nutzte man dafür auch die Endstufen S-IVB der Saturn-Trägerraketen, welche die Astronauten und ihre Fahrzeuge aus der Erdumlaufbahn in die Übergangsbahn zum Mond befördert hatten. Diese 17 Meter langen und sechseinhalb Meter durchmessenden Zylinder mit je einem fast anderthalb Tonnen schweren J-2-Triebwerk am Ende brachten, auch wenn sie bei der Abtrennung der Mondflugkombination aus Kommando- und Landemodul praktisch leer waren, immer noch eine weit größere Masse auf die Waage als die „Spinnen“. Dementsprechend waren auch die Mondbeben viel stärker, die beim Einschlag erzeugt wurden.

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Diese Karte zeigt die Punkte auf der Mondoberfläche, an denen künstliche Raumflugkörper aus verschiedenen Ländern weich landeten. Foto und Copyright: NASA  

 

Dieses Verfahren wurde allerdings erst ab Apollo 13 angewendet; bis dahin hatte man die Raketenstufen in eine solare Umlaufbahn gebracht, um mögliche Kollisionen mit der Mondflugkombination zu vermeiden. Im Jahre 2002 entdeckten Astronomen einen vermeintlichen Asteroiden und gaben ihm die Bezeichnung J002E3, doch stellte sich später heraus, dass es sich um die S-IVB der Mission Apollo 12 handelte. Die Endstufen von Apollo 13 bis 17 brachten ihre jeweiligen Raumschiffe auf eine Endgeschwindigkeit von rund 38 900 Stundenkilometern, und dank der Trägheit folgten sie ihnen auf der Mondflugbahn. Das heißt, dass beim Einschlag enorme Kräfte wirkten und praktisch den ganzen Mond zum Erzittern brachten.

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Auf dem Bild der Landestelle von Apollo 15 sind besonders viele Fahr- und Fußspuren als sichtbare Zeichen reger Tätigkeit der Mondastronauten zu erkennen. Am rechten Bildrand steht das Mondauto LRV. Foto und Copyright: NASA  

 

Die von den Seismometern übertragenen Daten wiesen zur Überraschung der Experten nach, dass die Bebenwellen den Mond mehrfach mit abnehmender Intensität umliefen, bevor sie schließlich ganz verebbten. Einige der Apollo-Messgeräte funktionieren bis in die heutige Zeit, und sogar die infolge des Absturzes von LRO entstandenen Erschütterungen wurden zur Erde übertragen. Dass die Endstufe von Apollo 16 mit dem erwarteten Rumms eingeschlagen war, wurde also registriert, nur der Einschlagsort blieb bis heute unbekannt, weil die Funkverbindung zur Stufe auf dem Weg in Richtung Mond abgebrochen war.

43 Jahre dauerte die Suche, bis der Einschlagskrater nun endlich im Mare Insularum, 260 Kilometer südwestlich des Kraters Kopernikus, entdeckt wurde. Die anderen vier Einschlagstellen konnten bereits kurz nach dem Missionsbeginn von LRO identifiziert werden. Sie wichen fast 30 Kilometer von den ungefähr berechneten Daten ab, was bei der Kraterlandschaft auf dem Mond mit der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen vergleichbar war. Nun weiß man es also genau. Nicht dass dieses Wissen wirklich wichtig wäre, aber man hat eben gern Ordnung. Das Wörtchen „unbekannt“ mögen die Experten nicht sonderlich.

FLUG REVUE Ausgabe 02/2016

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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