25.01.2016
Erschienen in: 01/ 2016 FLUG REVUE

RaketenentwicklungNASA: Mit neuer Technik ins All

Sechs Mann zum Mond, vier in Richtung der Asteroiden oder des Mars – die NASA hat Großes vor in der Zukunft. Selbstverständlich braucht sie dafür auch eine große Rakete, und diese übertrifft sogar die legendäre Saturn.

Nicht mehr lange soll es dauern, bis die erste SLS zum Jungfernflug abheben wird: Die NASA hat den November 2018 als Termin für die sogenannte „Exploration Mission-1“ angesetzt, bei der die neue US-Trägerrakete nicht nur erstmals fliegen, sondern zugleich die Raumkapsel Orion in ihrer endgültigen Form auf eine hohe Mondumlaufbahn und sicher wieder zurück zur Erde bringen soll. Dieses „sicher wieder zurück“ geht auf die legendäre Rede Präsident Kennedys zurück, mit der er am 25. Mai 1961 den Wettlauf zum Mond eröffnete, und aus diesen Tagen stammt auch der anfeuernde Schlachtruf „Moonward, ho!“ – es scheint fast, als kehre der alte Pioniergeist zurück, der einst ein ganzes Volk erfasste.

Weniger als zwei Jahre also noch bis zum ersten, unbemannten Testflug, und es scheint derzeit, als könnten alle Beteiligten tatsächlich die ehrgeizigen Zeit- und Kostenpläne einhalten. Entwicklung, Bau und Tests verliefen bis jetzt erstaunlich unaufgeregt, denn der einstige Zeitdruck fehlt, als man unbedingt vor den Russen als Erster auf dem Mond sein wollte.

Erst jüngst haben Forscher des Ames Research Centers der NASA und der University of California am Pleiades-Supercomputer eine umfangreiche Testserie abgeschlossen, bei der sie in tausenden verschiedenen Szenarien die Trennung der beiden riesigen Feststoffbooster von der Grundstufe simulierten. Damit erhielten die Ingenieure bislang unbekannte Einblicke in das Wirken der Kräfte, welche auftreten, wenn nach dem Verbrauch des Festtreibstoffs die Zusatzraketen abgestoßen werden.

Gleichzeitig haben die NASA und die beteiligte Industrie die Bauphase eingeläutet. So erhielt Aerojet Rocketdyne im kalifornischen Sacramento den Auftrag, die SLS-Haupttriebwerke RS-25 zu modifizieren. Als SSME (Space Shuttle Main Engine) trieben sie einst die US-Raumgleiter an, nun sollen sie leichter und mit weniger Bauteilen, dafür aber einem größeren Schub die neue Großrakete der USA in den Weltraum schicken. Diese erste Order hat einen finanziellen Umfang von 1,6 Milliarden Dollar und ist vorerst bis zum 30. September 2025 terminiert. Derzeit verfügt die NASA über 16 Flug- und zwei Testtriebwerke.

Währenddessen lieferte die AMRO Fabricating Corporation in South El Monte, Kalifornien, die ersten Schalen der Rakete aus, welche die Außenhaut diverser Tanks und Adapter bilden, und auf dem Teststand A-1 des Stennis Space Centers, Mississippi, wird derzeit das Triebwerk mit der Nummer 2059 installiert. Im Frühjahr 2016 soll es eine umfangreiche Testserie absolvieren. Dann werden auch die vier Triebwerke der Erststufe für die Exploration Mission-1 in einem neu errichteten Teststand gezündet.

Gut zu tun hat auch die Gruppe von Astronauten und Ingenieuren, welche sich mit der Kapsel und deren Lebenserhaltungssystemen oder den Raumanzügen beschäftigen. Zu ihren jüngsten Aufgaben zählten beispielsweise Erprobungen des Kapseldesigns und der Schutzanzüge während einer ausgedehnten Serie von Parabelflügen. In der Schwerelosigkeit wurde unter anderem geprüft, wie die Crews im All ein- und aussteigen können, und um den Ausstieg, nämlich nach erfolgter Wasserung, ging es auch bei Tests im großen Wasserbecken in Houston, Texas. Wie gesagt, alles sehr unaufgeregt und nicht ganz so medienhektisch wie zu Apollo-Zeiten. Insgesamt aber ist wieder einmal das ganze Land an einem Raumfahrtprogramm beteiligt.

FLUG REVUE Ausgabe 01/2016

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