15.02.2016
FLUG REVUE

Forscher geben Kometen-Lander aufPhilae geht in den ewigen Winterschlaf über

Die Chancen auf einen weiteren Kontakt mit dem Lander Philae auf dem Kometen "Tschuri" gehen "gegen Null", wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitteilte.

Philae Landung Komet 2014 Artist

Der Lander Philae setzte am Nachmittag des 12. November 2014 auf dem Kometen "Tschuri" auf (Foto: ESA).  

 

15 Monate nach seiner spektakulären Landung auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko erklären die europäische Raumfahrtagentur ESA und das DLR den Kontakt zu Philae für beendet. "Die Chancen, dass Philae noch einmal Kontakt zu unserem Team im Lander-Kontrollzentrum des DLR aufnimmt, gehen leider gegen Null, und wir senden auch keine Kommandos mehr - es wäre sehr überraschend, wenn wir jetzt noch ein Signal empfangen würden", sagt Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom DLR.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Lander zwar sehr wahrscheinlich eisfrei, aber voraussichtlich mit Staub bedeckt an seinem schattigen Platz auf Komet Churuymov-Gerasimenko in den ewigen Winterschlaf übergeht und sich in der Kälte nicht mehr einschaltet. Die Sonde Rosetta der europäischen Weltraumorganisation ESA wird hingegen noch bis September 2016 um den Kometen kreisen und weiterhin mit ihren wissenschaftlichen Instrumenten Messungen durchführen. Auch die Kommunikationseinheit auf Rosetta wird noch nicht abgeschaltet - sie wird in den nächsten Monaten solange weiterhin auf Signale des Landers horchen, bis die dafür notwendige Energie nicht mehr zur Verfügung steht.

"Es war eine einzigartige Mission mit Philae - es war nicht nur das erste Mal, dass man jemals mit einem Lander auf einer Kometenoberfläche aufgesetzt hat, wir haben auch faszinierende Daten erhalten, mit denen wir noch viele Jahre arbeiten können", sagt Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR und beteiligte Wissenschaftlerin an der Mission.


Mehr als  60 Stunden forschten die Wissenschaftler mit Philaes Instrumenten, nahmen Fotos auf, schnüffelten nach Molekülen oder versuchten, sich in den unerwartet harten Untergrund zu hämmern. Mit seinen aufgeladenen Batterien konnte der Lander auch an seinem nur wenig von der Sonne beschienenen Standort arbeiten. Alle gemessenen Daten konnte Philaey sicher zur Erde senden. Nach dem Erreichen des sonnennächsten Punkt am 13. August 2015 verabschieden sich Komet, Rosetta und Philae nun wieder aus dem Inneren des Planetensystems. Churyumov-Gerasimenko sei inzwischen wieder mehr als 350 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, schreibt das DLR in einer Pressemitteilung. 

"Dass Philae sich jetzt sehr wahrscheinlich nicht mehr melden wird, liegt auch daran, dass seine Energie nicht mehr ausreicht und die Elektronik zu kalt ist", sagt Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec. Auch in den letzten Monaten gab es keine Funksignale von Philae. Sein Schweigen im August 2015 hatte jedoch einen anderen Grund: Während des sonnennächsten Punktes befand sich die Rosetta-Sonde in einer zu großen Entfernung, um Signale des Landers empfangen zu können und zur Erde weiterzuleiten.

Es gab im vergangenen Jahr auch Zeiten, in denen die Funkstille von Philae den Forschern Rätsel aufgegeben hat. Philae meldete sich zwar am 13. Juni 2015 und sendete Daten über seinen Gesundheitszustand. Insgesamt nahm er auch sieben weitere Male Kontakt zum Bodenteam auf - doch blieb dies unregelmäßig und relativ unvorhersagbar. Am 9. Juli 2015 sendete er zum letzten Mal Informationen. Die Ingenieure des Projekts halten es für möglich, dass Kurzschlusse an den Sendern der Grund für die unregelmäßigen Kontakte und das anschließende Schweigen sein könnte.

Dennoch ziehen die beteiligten Ingenieure und Wissenschaftler eine größtenteils positive Bilanz für die Mission mit dem Lander. "Einige Messungen konnten zwar leider nicht wie geplant durchgeführt werden, aber insgesamt war Philae ein Erfolg", betont DLR-Planetenforscher Dr. Ekkehard Kührt. "Wir sind in einer völlig unbekannten Umgebung gelandet, haben erstmals wissenschaftliche Daten auf einer Kometenoberfläche gesammelt und konnten mit diesen die Messungen des Orbiters ergänzen." Die Mission mit Rosetta und Philae habe gezeigt, dass die Aktivität eines Kometen deutlich komplexer abläuft als gedacht. "Wir haben viele neue Hinweise gewonnen, aber von einem endgültigen Verständnis sind wir noch weit entfernt."

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