11.11.2015
FLUG REVUE

Raumfahrtkonferenz in StuttgartZum Mond, zum Mars und noch viel weiter

Wie sieht die Zukunft der bemannten Raumfahrt aus? Darüber haben Wissenschaftler, Astronauten und Ingenieure bei der Raumfahrtkonferenz in Stuttgart diskutiert.

Apollo 15 Mondmission

Mondlandung von Apollo 15 1971. Foto und Copyright: NASA  

 

Al Worden war 1971 schon an dem Ort, auf den sich derzeit wieder verstärkt der Fokus der alten und neuen Raumfahrtnationen richtet: auf dem Mond, oder zumindest im Mondorbit. Bei Apollo 15 steuerte Worden das Kommandomodul, während sich seine Kollegen David Scott und Jim Irwin drei Tage auf dem Erdtrabanten aufhielten. Von Einsamkeit keine Spur, dafür endlich etwas Platz und Ruhe im beengten Raumfahrzeug. „Das war die beste Zeit des ganzen Fluges“, sagte der heute 83-Jährige bei der Raumfahrtkonferenz von DLR und DGLR am Dienstag und grinste.

Mit seinen Anekdoten von der Apollo-15-Mission war der US-Amerikaner der Publikumsliebling, aber nicht der einzige Astronaut auf dem Podium. Reinhold Ewald, Professor für Astronautik und Raumstationen an der Universität Stuttgart, und dessen Vorgänger Ernst Messerschmid diskutierten mit Worden und dem neuen ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner über die Zukunft der bemannten Raumfahrt.

Der Mond könnte künftig die Internationale Raumstation ISS als Außenposten der Menschheit ablösen, zumindest wenn es nach ESA-Chef Wörner geht. In Stuttgart bekräftigte er seine Vision einer dauerhaften internationalen Bodenstation auf dem Mond. Daneben sei der Mars das nächste Ziel. „Natürlich werden Menschen zum Mars fliegen. Die Frage ist nur: wann?“, so Wörner.

Auch unbemannte Missionen liefern wichtige Erkenntnisse

Denn eine der Herausforderungen für die Zukunft sieht Wörner darin, die Politik von der Bedeutung der Raumfahrt zu überzeugen. Reine Neugier werde als Antrieb unterschätzt. „Sie bringt einen riesigen Return on Investment – aber eben nicht gleich am nächsten Tag“, sagte Wörner.

Die Frage, ob Menschen ins All reisen sollten oder nicht doch besser Roboter, wurde von den Astronauten eindeutig beantwortet: Menschen könnten von ihren Erlebnissen berichten und eine Botschafter-Funktion einnehmen, hob Ewald hervor. Und: „Sie können Probleme lösen“, sagte Worden. 

Neben den Perspektiven der bemannten Raumfahrt ging es bei der Konferenz auch um aus europäischer Sicht wichtige unbemannten Mission der vergangenen Jahre. Zu den bedeutendsten Projekten zählt sicher die Rosetta-Mission. Gerhard H. Schwehm (bis zum Ruhestand Manager der Rosetta-Mission bei ESA-ESAC) und Stephan Ulamec (Philae-Projektleiter beim DLR) gaben Einblicke in die Kometenforschung und die technischen Herausforderungen der 2004 gestarteten Raumsonde Rosetta und des Landers Philae.

Ein Jahr nach der erfolgreichen Landung auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko stehen die Chancen gut, dass sich Philae noch einmal meldet. Im September 2016 geht Rosetta die Energie aus – dann soll auch sie auf dem Komenten landen. Doch die nächste Langzeitmission der ESA steht schon in den Startlöchern: 2022 soll die Raumsonde JUICE zu ihrer acht Jahre dauernden Reise zum Jupiter und seinen Monden aufbrechen.



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