06.10.2015
Erschienen in: 09/ 2015 FLUG REVUE

Tauchfahrt ins AllRaumflugtraining unter Wasser

Regelmäßig schickt die NASA Astronauten zu NEEMO (NASA Extreme Environment Mission Operations) als Vorbereitung auf den Weltraum.

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Bei NEEMO 16 mit dabei: Tim Peake, ESA (links), und JAXA-Astronaut Kimiya Yui (2. von rechts). Foto und Copyright: NASA  

 

Am 20. Juli 2015 übernahm ESA-Astronaut Luca Parmitano das Kommando über die Station – bei dieser Meldung würden sich manche die Augen reiben und denken, sie hätten sich verhört. Dennoch stimmt sie, denn Parmitano arbeitete 14 Tage lang nicht als Astro-, sondern als Aquanaut und befehligte die Crew von NEEMO 20 an Bord der Unterwasserstation „Aquarius“ vor der Küste Floridas. Mit an Bord waren die NASA-Astronautin Serena Aunon, Ausstiegsexperte David Coan und der japanische Raumfahrer Norishige Kanai. Die Namen verraten schon, dass es sich um fertig ausgebildete Astronauten handelt, die aber noch nicht ‚oben‘ waren und sich gerade auf ihre jeweils erste Raumflugmission vorbereiten.

Jeweils vier Astronauten und zwei Tauchassistenten bilden eine solche Crew an Bord der Unterwasserstation, die 1986 gebaut worden ist. Betreiber ist die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), deren Undersea Research Center an der Universität von North Carolina den Betrieb sicherstellt. Nachdem der Standort des Labors von den Jungferninseln in das Florida Keys National Marine Sanctuary verlegt wurde, interessiert sich auch die NASA für die Möglichkeit, bestimmte Arbeitsabläufe unter extremen Situationen, ähnlich der an Bord der Raumstation, zu trainieren.

Enge Röhre für Leute ohne Platzangst

Schon die Lebensbedingungen in der 13 Meter langen und sechs Meter hohen Röhre sollen die Enge an Bord der ISS simulieren, wobei dort oben für eine Sechs-Mann-Stammbesatzung inzwischen mehr Gelegenheiten existieren, sich aus dem Weg zu gehen. Andererseits hocken sich die Astronauten in der Regel sechs Monate lang auf der Pelle, während der Aufenthalt in „Aquarius“ nach 18 Tagen beendet ist.

Das Tauchlabor ist spartanisch eingerichtet. Der Ein- und Ausstieg geschieht durch eine Luke am Boden, die wegen des hohen Innendrucks immer offen steht. In diesem sogenannten Nassbereich befinden sich auch Regale für die Taucherausrüstung und Werkzeuge. Dem folgt eine schmale Sektion, in der sich unter anderem die Toilette befindet. In die Decke ist eine Luke eingelassen, durch welche die Insassen im Notfall die Station verlassen können. Anschließend gelangt man in den Aufenthaltsbereich mit der Kombüse, einem Tisch und Sitzgelegenheiten. Zum Schluss erreicht man die Schlafecke mit sechs schmalen Kojen, je drei übereinander. Hier findet man im Boden eine weitere Notausstiegsluke. Alles in allem darf man dort unten nicht unter Platzangst leiden – doch das sollte man ja an Bord der Raumstation auch nicht. Der Tagesablauf wird natürlich vor allem von ausgedehnten Tauchgängen bestimmt, während derer die Astronauten das „Schwimmen“ in der Schwerelosigkeit trainieren und bestimmte Montagearbeiten durchführen, die solchen in der Erdumlaufbahn ähneln. Überwacht werden sie dabei von zwei Mitarbeitern auf Key Largo, welche die Rolle der Missionskontrolle spielen. Die beiden Tauchassistenten sind auch für den technischen Betrieb des Labors zuständig.

Im Oktober 2001 schickte die NASA erstmals Astronauten zum Tauchen; mittlerweile war nun schon die 20. Crew unter Wasser. Mit Timothy Peake, Andreas Mogensen, Thomas Pesquet und nunmehr Luca Parmitano konnten bereits vier ESA-Raumfahrer Unterwasser-Erfahrung sammeln, wobei Mogensen sogar schon zweimal abtauchen durfte.

Eines der Hauptziele der 20. Mannschaft war die Arbeit bei künstlich verlängerter Kommunikationszeit mit Mission Control, ähnlich wie bei einem Flug zum Mars. Außerdem wurden „Brillen“ getestet, auf welche Informationen projiziert werden können, damit die Astronauten bei der Arbeit die Hände frei haben. Parmitano jedenfalls war hellauf von dieser Art Training begeistert.

FLUG REVUE Ausgabe 09/2015

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