12.03.2015
FLUG REVUE

Hoffen auf PhilaeRosetta wartet auf Lander-Signal

Viel Glück wäre im Spiel gewesen, wenn heute, am 12. März um 05:00 Uhr MEZ direkt ein Signal vom Landegerät Philae zu hören gewesen wäre - schließlich steht es an einem recht schattigen Platz auf dem Kometen und muss erst genügend Energie tanken, bevor er aufwachen und sich melden kann.

Philae

So stellte man sich zu Projektbeginn den Lander auf der Kometenoberfläche vor. Tatsächlich steht er allerdings in einer ziemlich dunklen Ecke. © DLR  

 

Ungeachtet dessen wurde heute die Kommunikationseinheit an Rosetta eingeschaltet, die den Lander rufen soll. „Philae erhält zur Zeit ungefähr doppelt so viel Sonnenenergie wie im November vergangenen Jahres“, erläutert Lander-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom DLR. Immerhin sind der Komet und sein Begleiter Philae nur noch 300 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. „Wahrscheinlich wird es noch zu kalt für den Lander sein, um aufzuwachen – aber ein Versuch ist es wert. Die Chancen steigen mit jedem Tag.“

Gleich mehrere Bedingungen müssen passen, damit Philae wieder in Betrieb geht und im Kontrollzentrum des DLR die Arbeit aufgenommen werden kann. Zunächst muss es im Inneren des Landers wärmer als minus 45 Grad Celsius werden, bevor er aus seinem Winterschlaf erwachen kann. An seinem neuen Landeplatz Abydos erreicht ihn nur wenig Sonne, und so waren die Temperaturen bisher deutlich niedriger als notwendig. Zudem muss Philae über seine Solarpaneele mindestens mit 5,5 Watt versorgt werden, damit er aufwacht. Untätig bleibt er dennoch nicht in seinem Winterschlaf: „Philae ist so konstruiert, dass er seit November 2014 jedes bisschen Sonnenenergie dafür nutzt, sich aufzuheizen“, sagt Dr. Koen Geurts vom DLR-Kontrollzentrum. Sobald er „merkt“, dass er mehr als 5,5 Watt Energie erhält und seine eigene Temperatur über minus 45 Grad Celsius liegt, schaltet Philae sich ein, heizt sich weiterhin auf und versucht zusätzlich, seine Batterie zu laden.

Einmal aufgewacht, schaltet Philae alle 30 Minuten seinen Empfänger ein und lauscht, ob er Rosettas Signale hört. Auch dies kann er bei einem noch sehr niedrigen Energiestand durchführen. Zu diesem Zeitpunkt wissen die Experten aber noch nicht, dass er wach ist. Um eine Antwort zu schicken, muss er nämlich auch seinen Sender einschalten, und dafür benötigt er zusätzliche Energie. Es könnte also sein, dass der Lander zwar in 500 Millionen Kilometern Entfernung bereits aus seinem Winterschlaf aufgewacht ist, seine Kraft aber noch nicht ausreicht, um das Team auf der Erde darüber zu informieren. Insgesamt 19 Watt benötigt Philae, damit er in Betrieb gehen und die Kommunikation aufnehmen kann. Zunächst einmal bis zum 20. März wird Rosetta den Lander anfunken und auf eine Reaktion horchen. Am wahrscheinlichsten ist der Kontakt bei elf Vorbeiflügen, bei denen der Orbiter in einer besonders günstigen Konstellation zum Lander während eines Kometentages seine Bahn zieht – denn nur dann steht Philae im Sonnenlicht und wird über seine Solarpaneele mit Energie versorgt. Versucht wird die Kommunikation trotzdem kontinuierlich, weil die Umgebung sich seit der Landung im November 2014 geändert haben könnte.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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