26.02.2015
FLUG REVUE

Quo vadis, ISS?Russen kündigen langfristig internationale Kooperation

Keine guten Nachrichten für die internationale Zusammenarbeit im Weltraum: Ab 2024 will Russland offenbar wieder eine eigene Raumstation betreiben.

russische Raumstation

Unity, Swjesda und Sarja (v.o.n.u.). Die beiden russischen Module könnten den Kern einer eigenen russischen Raumstation bilden. © NASA  

 

Die USA hatten den Anfang gemacht und gesagt, sie wollten ihren Anteil am ISS-Betrieb bis 2024 sicherstellen, und spätestens bei der ESA-Ministerratskonferenz im vergangenen Spätherbst zogen auch die Europäer nach. Nur die Russen ließen noch eine ganze Weile auf ihre Entscheidung warten. Nun aber berichten verschiedene Quellen, dass auch Russland sich bis 2024 an die Verträge halten, diese aber nicht noch einmal verlängern will.

Das bedeutet dann praktisch das Ende der Internationalen Raumstation. Diese müsste aufgegeben und zum Absturz gebracht werden, doch auch für das Endzeitszenario haben die Russen andere Pläne. Sie sind nämlich überzeugt, dass ihre Module, vor allem Swjesda und Sarja, auch darüber hinaus noch arbeitsfähig sind. Weil die riesige Station sowieso nicht im Ganzen abstürzen kann und darf, muss sie vorher wieder in ihre Einzelteile zerlegt werden, und wenn zum Schluss nur noch die russischen Module übrig sind, will das Land diese weiter betreiben und als Kern einer neu aufzubauenden nationalen Station nutzen. Allerdings steht dabei mit Sicherheit Streit ins Haus, denn die Russen müssten Swjesda den Amerikanern abkaufen, weil diese das Modul einst bezahlt haben.

Eine Begründung für die russische Vorgehensweise gibt es nicht, wie ohnehin noch die offizielle Entscheidung des Kremls aussteht. Denkbar wäre jedoch der Ablauf durchaus, denn derzeit sind die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen auf einem Tiefpunkt angelangt, der an die finstersten Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Wenn also tatsächlich in der Erdumlaufbahn wieder die „Kleinstaaterei“ einzieht und die internationale Kooperation ablöst, dann wäre das ein in den nächsten Jahrzehnten kaum zu verkraftender Tiefschlag für die Beziehungen.

flugrevue.de/Matthias Gründer


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