15.11.2013
FLUG REVUE

Satellitenreise zum Mittelpunkt der ErdeStartvorbereitungen für Swarm laufen auf Hochtouren

Die Vorbereitungen für den Start der von Astrium entwickelten und gebauten Satellitenflotte Swarm laufen am russischen Weltraumbahnhof Plessezk (ca. 800 km nordöstlich von Moskau) auf Hochtouren. Die drei Satelliten sind bereit, auf die Raketenoberstufe montiert zu werden. Das Satellitentrio soll am 22. November 2013 mit nur einer einzigen Trägerrakete von Eurockot Launch Services gestartet werden.

Swarm

Alle drei Satelliten werden mit nur einer Trägerrakete gestartet. © Astrium  

 

Die Swarm-Mission (engl. für Schwarm) soll das Erdmagnetfeld und seine Entwicklung mit einer bisher nicht erreichten Genauigkeit untersuchen. Die Erkenntnisse werden unser Verständnis des Erdinnern und seiner Wechselwirkung mit dem Weltraum verbessern. Die drei identischen Satelliten sollen in eine polare Umlaufbahn in 490 Kilometern Höhe gebracht werden und die bislang genaueste Vermessung des Erdmagnetfeldes und seiner Veränderungen vornehmen. Die Swarm-Mission wird Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde indirekt nachvollziehen. Um neue Einblicke in die Zusammensetzung und die Prozesse im Erdinneren zu erhalten, braucht man heute nicht immer zu graben oder zu bohren, man kann auch in die Erdumlaufbahn fliegen. Direkte Einblicke in das Erdinnere vermitteln  nämlich das Schwere- und das Magnetfeld der Erde, deren orts- und zeitabhängige Variationen mit dynamischen Vorgängen im Erdkern in Verbindung gebracht werden.

Sehr präzise und hochauflösende Messungen von Stärke, Ausrichtung und Schwankungen des Erdmagnetfelds, ergänzt durch präzise Navigation, Beschleunigungsmessungen und Messungen der elektrischen Feldstärke, liefern die notwendigen Beobachtungsdaten, um verschiedene Quellen des Erdmagnetfelds unterscheiden und in Modellen erklären zu können. Die hoch auflösenden Magnetfeldmessungen von Swarm werden auch der Kartierung von magnetisierten Gesteinen und Sedimenten dienen und zum Auffinden von Mineralien und Erzlagerstätten nützlich sein. Neben dem Magnetfeld untersucht das Swarm-Trio zudem die obere, zum Teil ionisierte und elektrisch leitende Atmosphäre. Schwankungen in der Elektronendichte können Funkwellen streuen und Navigations-Signale stören oder unterbrechen. Die Dreierkonstellation kann Gebiete mit solchen Störungen aufzuspüren und somit einen Beitrag zur Sicherung des Flugverkehrs leisten.

Eine weitere, große Herausforderung ist die Beobachtung von Ozeanströmungen. Die Bewegung von elektrisch leitendem Salzwasser erzeugt ein schwaches Magnetfeld. Die Swarm-Mission soll es ermöglichen, die großräumigen Meeresströmungen räumlich und zeitlich zu verfolgen. Die Dynamik der Ozeane spielt für das Klimageschehen eine wichtige Rolle. Die Satelliten können also mit der Aufdeckung der Muster der globalen Ozean-Zirkulation einen wesentlichen Beitrag zur Klimaforschung leisten.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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