03.06.2013
FLUG REVUE

Zehn Jahre im All, fünf Jahre am Mars

Die erste Nachricht vom Roten Planeten erscheint als gelbe Linie. Sie verläuft auf dem Monitor schräg nach rechts unten, macht dann einen Knick nach oben und zeigt den Ingenieuren im Darmstädter Kontrollzentrum, dass Mars Express erfolgreich in die Umlaufbahn eingeschwenkt ist.

Es ist kurz vor fünf Uhr am Morgen des ersten Weihnachtstages 2003. Europa ist am Mars! Das ist jetzt fünf Jahre her - Marsjahre natürlich. Mehr als 12.000-mal hat der Orbiter seitdem unseren Nachbarplaneten umkreist und vollendete am 21. Mai 2013 die fünfte gemeinsame Umrundung der Sonne. Vor genau zehn Erdjahren schließlich, am 2. Juni 2003, begann die Reise der ersten rein europäischen interplanetaren Mission an Bord einer Sojus-Rakete.

Inzwischen empfängt die Bodenkontrolle weit mehr als das Signal der Rundstrahlantenne. Fast sieben Stunden täglich wird die stärkere X-Band-Antenne auf die Erde ausgerichtet und sendet pro Sekunde bis zu 230 Kilobit Daten. Stärkster Nutzer ist die hochauflösende Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera). Die Bilder der im Auftrag des DLR entwickelten Kamera machen allein 40 Prozent des Datenvolumens aus. Ungefähr 90 Prozent der Marsoberfläche hat sie bisher aufgenommen, zwei Drittel in besonders hoher Auflösung von wenigen Metern pro Pixel. Die detaillierte Erfassung der Marsoberfläche, des Untergrunds wie auch der Atmosphäre erlauben den Forschern, sich von der Geschichte des Planeten ein immer besseres Bild zu machen. Innerhalb der letzten 300 Millionen Jahre können mittlerweile drei verschiedene Phasen unterschieden werden. Dabei haben insbesondere Gletscherspuren im Bereich des Äquators, wo es sie eigentlich nicht geben dürfte, zu der Vermutung geführt, dass Schwankungen der Rotationsachse dramatische Klimaveränderungen auf dem Mars bewirkt haben könnten.

Astrium Toulouse war Hauptauftragnehmer der ESA für die Entwicklung und Fertigung des Orbiters, der Flugsoftware sowie des Orbit-Kontrollsystems. Astrium Friedrichshafen war für die Stereokamera HRSC verantwortlich und lieferte auch die Massenspeicher sowie die Solargeneratoren. Astrium Stevenage steuerte das Antriebssystem des Raumfahrzeugs bei, und von Astrium Aquitaine kamen das Hitzeschild und der Thermalschutz der Landesonde.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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