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Helikopter in der Schweiz

Hubschrauber: Fliegerische Herausforderung in den Alpen

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Die Schweiz ist ein Helikopterland. Ohne Hubschrauber könnten keine Seilbahnen gebaut, Berghütten nicht versorgt und viele Verletzte nicht transportiert werden. Entsprechend viele Hubschrauberbetreiber und Helikopter gibt es in dem Land.

Die puren Zahlen spiegeln nicht die Faszination des Helikopterfliegens in der atemberaubenden Landschaft der Schweiz wider. Aber sie zeigen, dass der Hubschrauber in der Schweiz ein absolut notwendiges Arbeits- und Transportmittel in der herausfordenden Geographie des Landes darstellt. Nur dort, wo Hubschrauberbetreiber durch Arbeits- und Sightseeingflüge auch Geld verdienen können, wird es eine solche Vielfalt an Betreibern und Hubschraubermustern wie in der Schweiz geben. Mit Datum 30. September 2013 listet das Luftfahrtregister des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) 304 Einträge in der Katgeorie "Helicopter" auf. Die Mustervielfalt ist groß und reicht von der zweisitzigen Robinson R22 über etliche Bell-, Eurocopter-, MD Helicopters- und Enstrom-Muster bis zu Exoten wie dem Koaxialrotor-Hubschrauber Kamow Ka-32. Gerade letztgenannter Helikopter ist aufgrund seiner Außenlastkapazität ein gefragtes Arbeitstier, nicht nur in der Schweiz, sondern auch im benachbarten Ausland.

Schweizer Piloten waren die Pioniere in der Gebirgsrettung mittels Luftfahrzeug. Setzten sie zunächst auf kleine Flächenflugzeuge wie die Piper PA-18 Super Cub als Rettungsflugzeug, so schwenkten sie schnell auf den Hubschrauber um, als entsprechend leistungsfähige Muster zur Verfügung standen. Die Schweizer Luftrettung hat weltweit Vorbildcharakter, und in der Bergrettung per Hubschrauber dienen Schweizer Hubschrauberbetreiber weltweit als Berater, wenn irgendwo eine neue Organisation aufgebaut werden soll.

Hubschrauber, die in der Schweiz gewerblich im Einsatz erfolgreich sein wollen, müssen hochgebirgstauglich sein. Deshalb sind auch heute noch zahlreiche Aerospatiale SA 315 Lama im Register zu finden. Dieses leichte Muster wurde Ende der sechziger Jahre extra für Hochgebirgseinsätze gebaut. Erstflug der SA 315 war 1969, die Indienststellung erfolgte 1970.
Auf 43 Gebirgslandeplätzen in der Schweiz dürfen Helikopter landen, rund die Hälfte von ihnen sind nur für Hubschrauber, aber nicht für Flächenflugzeuge zugelassen. Fliegerisch ist die Schweiz für Hubschrauberpiloten eine Herausforderung, wenn sie auch im Gebirge fliegen wollen. Auf- und Abwinde, Seilbahn- und Versorgungsbahn-Kabel, mit der Höhe abnehmende Leistung des Helikopters sowie fehlende Landespots für Notfälle sind Bedingungen, die den Besatzungen das Leben nicht einfach machen. Eine gründliche theoretische und praktische Gebirgsflugeinweisung ist deshalb unabdingbar, wenn man auch als Helikopterpilot den Flug in der Gebirgslandschaft genießen will.

Rega: Schnelle Hilfe aus der Luft

Die Rega genießt hohes Ansehen. Nach ihrem Vorbild fliegen Luftretter auf der ganzen Welt. Die Luftrettungsorganisation wird getragen von den Bürgern der Schweiz und finanziert sich aus deren Beiträgen. Laut einer Umfrage rangiert die Rega in der Bekanntheit bei den Eidgenossen auf Platz eins, noch vor der weltbekannten Swatch-Uhr.

Unter dem Namen "Schweizerische Rettungsflugwacht" wurde die organisierte Luftrettung der Schweiz am 27. April 1952 ins Leben gerufen. In der Anfangszeit wurden Fallschirmspringer eingesetzt, um Unfallopfer in den unwegsamen Bergen zu versorgen und dann ins Tal zu transportieren. Der erste Einsatzhubschrauber wurde 1953 sechsmal in Anspruch genommen, heute fliegen die roten Rega-Helikopter im Durchschnitt 30 Einsätze pro Tag. Der Name Rega ist übrigens ein Wortgebilde des deutschen Wortes Rettungsflugwacht und des französischen Begriffs Garde Aérienne.

Die Rega ist heute eine der weltweit fortschrittlichsten Luftrettungsorganisationen, die ihre Arbeit bei Tag und Nacht, an 365 Tagen im Jahr, mit hochmodernen Helikoptermustern und Flugzeugen ausübt. Die Rega setzt auf ihren so genannten Mittellandbasen in Dübendorf, Basel, Bern und Lausanne das vielseitige Muster EC145 von Eurocopter ein. Auf den acht Hochgebirgsbasen Untervaz, Locarno, St. Gallen, Erstfeld, Samedan, Wilderswil, Mollis und Zweisimmen fliegt die AgustaWestland Grand Da Vinci; in Genf steht der Rettungshelikopter eines Partnerunternehmens zur Verfügung. Alle Landesteile der Schweiz sind binnen 15 Minuten per Helikopter erreichbar. Darüber hinaus sind die drei Ambulanzflugzeuge vom Typ Bombardier Challenger CL-604 in Zürich stationiert. Von der Zürcher Zentrale aus werden auch alle Rega-Einsätze weltweit koordiniert.

Im Jahr 2012 verbuchte die Rega so viele Ambulanzjet-Einsätze wie nie zuvor in ihrer Geschichte. 847 Missionen wurden geflogen, ein Plus von 21,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (698 Einsätze). Dabei wurden 855 Patienten mit Rega-Jets repatriiert. Bei den Primäreinsätzen mit Helikoptern gab es 2012 nach dem großen Anstieg aus dem Jahr 2011 leicht rückläufige Zahlen, die die Rega auf Schlechtwetterperioden an zahlreichen Wochenenden zurückführt. 2012 waren die Helikopter 13966 mal im Einsatz. Jeder fünfte Helikoptereinsatz der Rega erfolgt heute bei Nach beziehungsweise nach Einbruch der Dunkelheit. Erkrankungen stehen auf Platz eins aller Primäreinsätze, dahinter rangieren Einsätze bei Wintersport-, Verkehrs- und Arbeitsunfällen. Bergunfälle, ursprünglich einmal Anlass zur Gründung der Luftrettung in der Schweiz, liegen heute auf dem fünften Platz in der Rettungsstatistik.

"Gönner" werden die Rega-Mitglieder genannt, die das System seit vielen Jahren finanziell unterstützen. Mittlerweile zählen nahezu zweienhalb Millionen Bürger zur Gönnergemeinde der Rega, das ist fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes. Tendenz steigend! Allein 2012 konnte die Rega 65000 neue Gönner gewinnen.   

Ein großes Ärgernis für die Rega und ihre Gönner ist eine Entscheidung des Bundesgerichts, das 2011 bestätigte, dass die Rega Mehrwertsteuer-pflichtig ist. Abzuführen sind rund 5,5 Millionen Franken pro Jahr, Geld, das für die Rettung nicht genutzt werden kann. Die Rega nimmt keinerlei staatliche Unterstützung in Anspruch und finanziert sich, ihre Flotte und ihre 320 Mitarbeiter aus den Gönnerbeiträgen. Mit 470 Millionen Franken Investitionsreserve ist die Rettungsorganisation allerdings auch gut aufgestellt und künftig in der Lage, den hohen Standard der Luftrettung zu gewährleisten.

Marenco Swisshelicopters

Marenco Swisshelicopter aus Pfäffikon schickt sich an, den ersten in der Schweiz entwickelten Turbinenhubschrauber auf den Markt zu bringen. Sein Name: Sky SH09. Drei Jahre wurde der Sechs- bis Achtsitzer unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickelt und erstmalig auf der Heli-Expo 2011 in Orlando präsentiert.

Die extrem leichte Zelle des Helikopters, dessen MTOW bei 2,5 t liegt, ist komplett aus Kohlefaser gefertigt. Der Fünf-Blatt-Composite-Rotor ist lagerlos, den herkömmlichen Heckrotor ersetzt ein ummantelter Fan. Als Antrieb hat man sich für das HTS900-Triebwerk von Honeywell entschieden, es hat eine Startleistung von 610 kW (820 shp) und eine Dauerleistung von 559 kW (750 shp). Die avisierte Reiseleistung soll bei 140 kts (260 km/h) liegen, die Reichweite gibt marenco mit 800 km an. Die maximale Flugdauer soll fünf Stunden betragen. Für Hochgebirgstauglichkeit und gute Hot & High-Performace spricht die errechnete Schwebeflughöhe von mehr als 15.000 Fuß (4600 m).

Ausladende Schiebetüren führen in die Kabine, die für einen Helikopter dieser Gewichtsklasse ungewöhnlich geräumig ist. Die schnelle Umrüstung erfolgt je nach Einsatzprofil. Dem Piloten steht ein modernes Glascockpit zur Verfügung. Interessant für Außenlastflüge ist auch der Glasboden zwischen den beiden vorderen Sitzen. Der leichte Hubschrauber eignet sich gleichermaßen für Personentransporte wie für Luftarbeit und Rettungseinsätze. Der Basispreis soll bei rund 1,9 Mio. Euro liegen.

Die marenco-Ingenieure sind überzeugt, dass ihr Helikopter sicher, lärmarm, umweltfreundlich und kostengünstig betrieben werden kann. marenco Swisshelicopter lagen nach der jüngsten Heli-Expo im März in Las Vegas 40 Aufträge für die einmotorige SH09 vor. Der Erstflug des Kohlefaser-Hubschraubers lässt allerdings noch auf sich warten, weil es laut Geschäftsführer Martin Stucki viel Arbeit an der Hardware gegeben habe, wie beispielsweise an der selbst entwickelten, redundanten Hydraulik.

Erste Bell 407GX in die Schweiz geliefert

Bell hat im September 2013 die erste Bell 407 mit Garmin-Cockpit in die Schweiz geliefert. Foto und Copyright: Bell Helicopter

Die Schweizer Alpinlift Helikopter AG aus Buochs ist der erste schweizerische Betreiber einer Bell 407GX. Diese Version des Helikopters zeichnet sich durch ein integriertes Glascockpit aus, das von Garmin International hergestellt wird. Das G1000H ist eine Variante des Avioniksystems G1000, das bereits in Tausenden von Flächenflugzeugen in der Allgemeinen Luftfahrt eingebaut ist.

Die Alpinlift Helikopter AG nutzt ihre Hubschrauberflotte für eine Vielzahl von Missionen, von Holztransport über Hüttenversorgung bis zu Sightseeing-Flügen in der Zentralschweiz. "Nach einer intensiven Evaluierung haben wir uns für die Bell 407GX entschieden, die sich unter anderem durch ihre fortschrittlichen Sicherheitseinrichtungen in Form der integrierten Instrumentierung anbietet. Außerdem schätzen wir den unangefochten guten Kundendienst und den Support von Bell", sagte Sascha Kempf, Geschäftsführer bei Alpinlift Helikopter, anlässlich der Übergabe der Maschine mit dem Kennzeichen HB-ZNW am 18. September in Prag. "Die Auslieferung der ersten Bell 407GX in der Schweiz ist ein Durchbruch für Bell Helicopter im europäischen Segment der einmotorigen Arbeitsfliegerei. In einem so von Wettbewerb geprägtem Markt wie der Schweiz, ist die Auswahl der Bell 407GX durch Alpinlift ein weiterer Beweis, dass dieses Fluggerät eine und kosteneffiziente Lösung darstellt", sagte Patrick Moulay, Managing Director für Bell Helicopter in Europa.

Alpinlift Helikopter betreibt neben der Bell 407GX auch eine SA 315B Lama sowie zwei Eurocopter EC120.

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