27.04.2016
aero.de

Verhandlungspoker vor ÜbernahmeAlaska Airlines kaufte Virgin America mit hohem Aufschlag

Am Morgen des 04. April gab Virgin America ihre Übernahme bekannt. Alaska Airlines hatte die verdeckte Auktion mit JetBlue Airways für sich entschieden und am Abend des 01. April den Zuschlag erhalten. Doch der eigentliche Gewinner im Verhandlungskrimi ist Virgin America.

Boeing 737-900ER Alaska Airlines

Boeing 737-900ER im Design von Alaska Airlines. Foto und Copyright: Boeing  

 

Am Ende sei JetBlue der Preis für Virgin America schlicht zu hoch gewesen, sagte JetBlue-Chef Robin Hayes am Dienstag. Bei 55 US-Dollar pro Aktie stieg JetBlue Airways aus, Alaska Airlines waren die Aktien 57 US-Dollar wert. Ein "Must Have" sei Virgin America nicht gewesen, erklärte Hayes.

Als Virgin America sich Ende 2015 erstmals nach Käufern umsah, zeigten vier Airlines Interesse. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Pflichtmitteilung des börsennotierten Unternehmens hervor. Neben Alaska Airlines verhandelte Virgin America mit den nicht namentlich identifizierten Firmen A, B und C.

Man darf davon ausgehen, dass es sich bei "Firma A" mit ziemlicher Sicherheit um JetBlue Airways handelt. Die Firmen "B" und "C" zogen sich frühzeitig wieder zurück.

Im November 2015 trat Alaska-Airlines-Chef Brad Tilden an Virgin America heran, um eine Übernahme auszuloten - am 11. Dezember 2015 unterzeichneten Virgin America und Alaska Airlines eine Geheimhaltungsvereinbarung.

Drei Tage später, am 14. Dezember 2015, traf sich Virgin-America-Chef David Cush mit "dem CEO der Firma A" - allem Anschein nach also mit JetBlue-Chef Robin Hayes - zu einem gemeinsamen Abendessen. Noch vor den Feiertagen eröffnete aber Alaska Airlines die Auktionsrunde, in der sich der Wert von Virgin America verdoppelte:

  • 17. Dezember 2015: Alaska Airlines bietet 44,75 US-Dollar pro Aktie, der Schlusskurs von Virgin America lag an diesem Tag bei 36,07 US-Dollar.

 

  • 15. Januar 2016: Kursverluste an den Aktienmärkten belasten auch die Papiere von Virgin America - die Aktie fällt auf 28,41 US-Dollar.

 

  • 12. Februar 2016: "Firma A" bietet 43,00 US-Dollar pro Virgin-Aktie. Der Börsenkurs an diesem Tag: nur noch 27,87 US-Dollar.

 

  • 16. Februar 2016: Alaska Airlines ist sich nicht mehr sicher, ob sie Virgin America noch haben will. Ihr Dezember-Angebot von 44,75 US-Dollar pro Aktie empfindet sie jetzt zumindest als zu hoch.

 

  • 29. Februar 2016: Der Börsenkurs von Virgin America hat sich etwas erholt, das Papier notiert an der NASDAQ bei 31,19 US-Dollar. Jetzt bietet Alaska Airlines 45,00 US-Dollar.

 

  • 02. März 2016: "Firma A" legt einen Dollar drauf, neues Höchstgebot: 46,00 US-Dollar.

 

  • 28. März 2016: Verkaufsgerüchte machen die Runde und treiben die Virgin-Aktie auf 37,70 US-Dollar.

 

  • 31. März 2016: Alaska Airlines erhöht auf 48,00 US-Dollar, "Firma A" auf 50,00 US-Dollar.



Am 01. April 2016 kommt es zum Showdown:

  • Morgen des 01. April 2016: Alaska Airlines ist bereit, 53,50 US-Dollar pro Aktie zu bezahlen. Virgin America informiert "Firma A", JetBlue.

 

  • Nachmittag des 01. April 2016: JetBlue gibt ihr "bestes und letztes Gebot" ab: 55,00 US Dollar. Virgin America informiert Alaska Airlines.

 

  • Abend des 01. April 2016: Alaska Airlines bietet 57,00 US-Dollar unter der Bedingung, dass ein Deal "noch am selben Abend" unterzeichnet wird.

 

  • Abend des 01. April: Cush telefoniert mit Hayes, JetBlue steigt aus der Auktion aus, Alaska Airlines gewinnt.


Jetzt muss Alaska Airlines 2,6 Milliarden US-Dollar in bar an die Virgin-Aktionäre überweisen - rund 560 Millionen US-Dollar mehr, als sie anfänglich bot. Einschließlich Schulden und kapitalisierter Leasingverträge beläuft sich sich die Transaktion Unternehmensangaben zufolge auf etwa 4,0 Milliarden Dollar.

 

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aero.de/Dennis Dahlenburg/flugrevue.de/as


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