04.03.2010
FLUG REVUE

BFU Untersuchungsbericht zu Hamburger OrkanlandungBFU Abschlußbericht zu Hamburger Orkanlandung

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat die Untersuchung der sogenannten "Schweren Störung" bei der Landung eines deutschen Airbus A320 am ersten März 2008 in Hamburg während des Sturmtiefs „Emma“ abgeschlossen und den Untersuchungsbericht veröffentlicht.

Die Untersuchung habe ergeben, dass die "Schwere Störung", auf mehrere Ursachen zurückzuführen sei:

Bei einer im Endanflug vom Tower gemeldeten Windangabe mit Böen bis 47 Knoten sei der Anflug fortgesetzt worden, obwohl bei Berücksichtigung der maximal von Airbus demonstrierten Seitenwindstärke, laut BFU, ein Durchstarten angemessen gewesen wäre. Die Cockpitbesatzung habe diese Windangabe jedoch nicht als flugbetrieblichen Grenzwert oder Betriebsgrenze des Flugzeuges interpretiert und den Landeanflug fortgesetzt.

Eine Erklärung, warum dieser Wert nicht als Grenzwert gesehen wurde, sieht die BFU in einer unzureichenden Definition und Erklärung in der flugbetrieblichen und technischen Dokumentation für den Betrieb des Flugzeuges. Durch ein BFU-Befragung von mehr als 80 aktiven Verkehrsflugzeugführern verschiedener Luftfahrtunternehmen sei deutlich geworden, dass es sich hier nicht nur um ein Informationsdefizit des Kapitäns und der Copilotin des betroffenen Fluges handele, sondern um allgemeine Unsicherheit in der Interpretation bei vielen Piloten.

Nach dem Aufsetzen mit dem linken Fahrwerk habe das Flugzeug wieder abgehoben und unmittelbar danach eine abrupte Schräglage mit Bodenberührung des äußeren Endes der linken Tragfläche erreicht. Die  Besatzung habe ein Durchstartverfahren durchgeführt und das Flugzeug sei mit Radarführung auf den Gegenanflug der Piste 33 geführt worden und um 13.52 Uhr gelandet. Keiner der Insassen des Flugzeuges sei bei dem Ereignis verletzt worden. Am Flugzeug sei ein Schaden an der linken Tragfläche entstanden.

Die Untersuchung habe gezeigt, dass nicht eine einzige Fehlhandlung von beteiligten Personen oder eine Fehlfunktion des Flugzeuges zu der Berührung der Tragfläche mit dem Boden geführt habe, sondern eine Kombination mehrerer Faktoren und Ereignisse. Durch den starken und böigen Seitenwind sei die Landung in ihrem Ablauf hochdynamisch und fliegerisch anspruchsvoll gewesen. Die Wahl der Landerichtung 23 nach dem Verlassen der Reiseflughöhe sei aufgrund der im Reiseflug vorliegenden Windinformation richtig gewesen.

Ein weiteres Defizit sei durch die BFU bei der Beschreibung der Landetechnik bei Einfluss durch starken Seitenwind erkannt worden. Die angewendete Landetechnik der Copilotin habe der Vorgabe und Beschreibung des Flugzeug-Herstellers entsprochen. Allerdings sei diese Technik nach Auffassung der BFU für Landungen bei starkem Seitenwind weniger geeignet und in den verschiedenen Unterlagen für den Betrieb des Flugzeuges unterschiedlich beschrieben.

Einen beitragenden Einfluss bei der Landung habe das Systemverhalten der Steuerung des Flugzeuges gehabt. Es sei der Besatzung nicht bekannt gewesen und in den flugbetrieblichen Unterlagen und technischen Beschreibungen für das Flugzeug nicht beschrieben worden, dass die Querruderausschläge bei der Steuerung des Flugzeuges um die Längsachse bei bestimmten Rahmenbedingungen auf die Hälfte der maximalen Ausschläge reduziert würden. Diese Situation sei bei dieser Landung eingetreten. Das Systemverhalten der Steuerung des Flugzeuges sei in den flugbetrieblichen Unterlagen nicht beschrieben worden und den Piloten nicht bekannt gewesen.

Aus der Sicht der BFU sei es bei dieser Landung ein Nachteil gewesen, dass die Lateral-Steuerung des Flugzeugs nach dem ersten Aufsetzen mit dem linken Hauptfahrwerk vom Flight Mode in den Ground Mode schaltete, obwohl das Flugzeug sich wieder in der Luft befunden habe.

Die Windbedingungen am Ereignistag seien signifikant aber nicht ungewöhnlich. Die herrschenden Wetterbedingungen hätten im Wesentlichen mit den vorhergesagten Werten überein gestimmt.



Weitere interessante Inhalte
Neue Airline stößt in airberlin-Lücke Thomas Cook plant Balearentochter

18.10.2017 - Der Reisekonzern Thomas Cook plant, nach übereinstimmenden Medienberichten, die Gründung einer neuen Fluggesellschaft mit der Heimatbasis Mallorca, seinem wichtigsten Ferienziel. … weiter

Insolvente Airline Lufthansa und easyJet bieten für Alitalia

17.10.2017 - Kaum ist die Übernahme von Teilen der insolventen airberlin in halbwegs trockenen Tüchern, stehen sich Lufthansa und easyJet in Sachen Alitalia wieder gegenüber. … weiter

Bestseller aus Europa Top 10: Die größten Kunden der A320-Familie von Airbus

17.10.2017 - Mit mehr als 13000 verkauften Flugzeugen ist die A320-Familie der größte Erfolg von Airbus. … weiter

Airline-Riese will seine Tochter Eurowings ausbauen Air-Berlin-Aufsichtsrat genehmigt Verkauf an Lufthansa

12.10.2017 - Air Berlin hat sich mit der Lufthansa-Group über den Verkauf von Teilen des Unternehmens geeinigt. Die Lufthansa-Group will die Air Berlin-Tochtergesellschaften Luftverkehrsgesellschaft Walter (LGW), … weiter

Jumbo-Jet-Kunden Top 10: Airlines mit der größten Boeing 747-Flotte

12.10.2017 - Viele Jahrzehnte war die Boeing 747 das größte Passagierflugzeug der Welt. Fast jede internationale Airline auf der Welt setzte auf den Jumbo Jet aus Seattle. Wer kaufte die meisten Exemplare der … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 11/2017

FLUG REVUE
11/2017
09.10.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- US-Firma Boom: Nachfolger der Concorde?
- Verhandlungen: Das Ende von airberlin
- Swiss: C Series im Liniendienst
- RAF & USAF: „Red Air“ mit zivilen Jets
- X-37B: Geheimer Raumgleiter der USAF