10.10.2013
aero.de

Verlust eines Großabnehmers"Boeing hat bei der 777X zweimal die Snooze-Taste gedrückt"

John Leahy hat Japan Airlines tatsächlich geknackt. Am Montag gab der Airbus-Verkaufschef einen Auftrag für 31 A350-900 und A350-1000 von Japan Airlines (JAL) bekannt.

Airbus A350-900 Japan Airlines

Airbus A350-900 im Design von Japan Airlines. Grafik und Copyright: Airbus S.A.S.  

 

Die Nachricht vom abtrünnigen Stammkunden JAL sorgt für lange Mienen in Seattle - Japan Airlines war in den letzten Jahren eine sichere Bank für die Amerikaner. Selbst Schuld, meint Luftfahrtanalyst Richard Aboulafia von der Teal Group und sagt Boeing den Verlust eines weiteren Großabnehmers voraus.

"Es ist nachvollziehbar, dass japanische Airlines nach dem 787-Desaster vorsichtig geworden sind, was ihr Vertrauen in Boeing angeht", schreibt der Analyst in einem sehr lesenswerten Kommentar.

In erster Linie sei es Japan Airlines beim Airbus-Auftrag um Risikomanagement gegangen, ordnet Aboulafia das Geschäft ein. Boeing habe es - in voller Konzentration auf die Probleme mit den ausgelieferten Dreamlinern - verpasst, der A350 rechtzeitig die passenden Wettbewerber in Form der 787-10 und 777X entgegenzusetzen.

"Boeing hat bei der 777X zweimal die Schlummertaste gedrückt, bevor sie Japan Airlines (an Airbus, Red.) verloren haben", geht Aboulafia hart mit den Boeing-Verantwortlichen ins Gericht. "Wäre die 777X vor sechs Monaten an den Start gegangen, wäre die IAG Boeing treu geblieben. Bei einem Programmstart 2012 hätten sie auch Cathay Pacific halten können." Jetzt starte die 777X ihr Leben jetzt als "vertane Chance".


All Nippon Airways dürfte nachziehen

Boeing wird nach der Schockmeldung vom Montag vermutlich alles daransetzen, in Japan zumindest All Nippon Airways (ANA) von einer Bestellung bei Airbus abzuhalten. "Wenn ANA auf die 777X vertraut, laufen sie Gefahr, dass ihr direkter Wettbewerber Japan Airlines seinen 777-Ersatz A350 Jahre vor ihnen hat", schreibt Aboulafia. Daher sei ein A350-Auftrag von ANA wahrscheinlich.

Sichtbare Fortschritte im A350-Programm und der zeitliche Vorsprung vor Boeing münzen sich für Airbus seit Monaten in Neugeschäft um. Nachdem im letzten Jahr nur 27 A350 bestellt wurden, zeigt die Verkaufskurve 2013 steil nach oben: von Januar bis September meldeten die Europäer 147 neue A350-Aufträge. Der Auftrag von JAL hebt das A350-Programm über die Marke von 750 Bestellungen.

aero.de / Dennis Dahlenburg


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