15.06.2016
aero.de

GDS-GebührLufthansa droht Ärger mit der US-Kartellbehörde

Lufthansa muss sich möglicherweise mit der US-Kartellbehörde auseinandersetzen. Eine Bemerkung von Vorstandschef Carsten Spohr vor mehr als einem Jahr ruft drei US-Senatoren auf den Plan. Sie fordern das US Justiz- und Verkehrsministerium zu Ermittlungen gegen Lufthansa auf.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Foto und Copyright: Lufthansa  

 

Was war passiert? Spohr nahm am 08. Juni 2015 während der Jahrestagung der Linienluftfahrt-Organisation IATA in Miami am "CEO Insight Panel" teil. In der Vorwoche hatte Lufthansa die Erhebung einer Gebühr für Ticketsverkäufe beschlossen, die über Buchungssysteme (GDS) abgewickelt werden.

CNN-Moderator Richard Quest, der die Runde leitete, hakte nach: "Wenn andere Ihrem Beispiel nicht folgen und Sie am Ende mit dieser Gebühr alleine dastehen, dann haben Sie sich doch ins eigene Bein geschossen?" In diesem Fall werde er eben "eine andere Airline bitten, uns zu übernehmen", entgegnete Spohr scherzhaft.

Inzwischen beschäftigt die Podiumsdiskussion die Rechtsabteilung der Lufthansa. Denn die US-Senatoren legen Spohr den Auftritt vor der in Florida versammelten Airlineprominenz als Versuch aus, andere CEOs für Preiserhöhungen ins Boot zu holen und sich dem Beispiel der Lufthansa in Sachen GDS anzuschließen. Hier zum Nachlesen.

Spohr habe beim IATA CEO Insight Panel keine Werbung für die GDS-Gebühr betrieben, heißt es von Lufthansa. Immerhin sei das Thema ja vom Moderator und nicht von Spohr angeschnitten worden. Trotzdem könnte die Angelegenheit brenzlig werden - bekanntlich versteht die US-Justiz bei Kartellverstößen überhaupt keinen Spass.

Die Senatoren untermauern ihre Position noch mit einer zweiten Bemerkung aus dem Lufthansa-Vorstand. "Das ist ein erster Schritt und ich glaube, dass sich andere (Airlines, Red.) anschließen werden", habe sich Lufthansa Finanzvorständin Simone Menne am 30. Juli gegenüber Investoren zur GDS-Gebühr geäußert.

Passagiere buchen öfter direkt über Lufthansa

Lufthansa führte am 01. September eine "Distribution Cost Charge" (DCC) von 16 Euro pro Ticket ein. Der Konzern beziffert seine jährlichen GDS-Kosten auf einen "hohen dreistelligen Euro-Millionenbetrag" und verteidigt den Aufschlag gegen den Aufschrei aus dem Reisevertrieb.

Lufthansa wertet die Einführung der DCC übrigens als großen Erfolg. Der Anteil von Buchungen, die über die eigenen Portale eingehen, habe sich von 32 auf 40 Prozent erhöht, berichtete "DMM" im März. Auch habe Lufthansa durch die Gebühr keine Passagiere an die Konkurrenz verloren.

aero.de/Dennis Dahlenburg


Weitere interessante Inhalte
Verkehrspilot Arbeitsplatz mit bester Aussicht

14.09.2018 - Da viele Airlines ihre Flotten erneuern und erweitern, sind Piloten gefragte Fachkräfte. Fluggesellschaften investieren wieder in die Ausbildung des Cockpitnachwuchses. … weiter

Transatlantikflüge 2017 Top 10: Die treibstoffeffizientesten Airlines

12.09.2018 - Der International Council on Clean Transportation hat untersucht, welche Fluggesellschaften am sparsamsten über den Atlantik fliegen. … weiter

Nahtlose Bahn-Anschlussfahrt für LH-Passagiere Lufthansa baut Express Rail aus

05.09.2018 - Die Deutsche Lufthansa erweitert ihr Kooperationsangebot mit der Deutschen Bahn. Künftig können Lufthansa-Fluggäste irdisch zu 20 deutschen Express Rail-Zielen weiterreisen. … weiter

Verkehrsminister trifft sich mit Branchenvertretern Lotsengewerkschaften wollen am Luftfahrtgipfel teilnehmen

30.08.2018 - Die Gewerkschaft der Flugsicherung und die Trade Union Eurocontrol Maastricht wollen an einem Treffen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit Branchenvertretern teilnehmen, das der Hamburger … weiter

Konzeptauto BMW Vision iNEXT reist um die Welt BMW nutzt 777 als fliegende Showbühne

29.08.2018 - Die BMW Group stellt ihr neuestes Konzeptfahrzeug iNEXT im Rahmen einer spektakulären Weltreise an Bord einer gecharterten Boeing 777F von Lufthansa Cargo vor. Starten wird der Flug am 9. September in … weiter


FLUG REVUE 11/2018

FLUG REVUE
11/2018
08.10.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Airbus A380 im Chartereinsatz: Ferienflüge statt Verschrottung
- Breitling-Team: Passagier im Kunstflug-Jet
- Cockpit-Innovationen: Smarte Avionik hilft Piloten
- Diamanten-Airline in Sibirien
- Satellitennavigation: Galileo für die ganze Welt