29.09.2015
aero.de

7 zu 1Lufthansa schwört Multi-Hub-Strategie ab

Lufthansa bricht alte Strukturen auf, um das Zusammenspiel ihrer Airlines und Service-Gesellschaften zu straffen. "7 zu 1" nennt Frankfurt das mit Hilfe externer Expertise entwickelte Verzahnungs-Programm. Lufthansa-Lenker Carsten Spohr wagt Anfang 2016 seinen bisher mutigsten Schritt.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Foto und Copyright: Lufthansa  

 

"Die Zitrone ist noch nicht ausgequetscht, uns fällt immer noch etwas Neues ein", verabschiedete sich Spohrs Vorgänger Christoph Franz letztes Jahr aus dem Amt.

Vielen Lufthanseaten stieß der Zitronen-Vergleich zum Abtritt sauer auf - auch, weil die franzsche Fruchtpresse "Score" zwar tausende Einzelprozesse optimierte, die komplexe und teure Konzernorganisation aber kaum antastete. Im Juni räumte Lufthansa ein, dass Score seine hochgesteckten Ziele verfehlen wird.

Vier Führungsgremien im Konzern blockierten die "Entscheidungsspielräume der einzelnen Führungskräfte", gab Lufthansa diesen Monat den Befund einer mit Hilfe der Unternehmensberatung McKinsey durchgeführten Selbstdiagnose bekannt. Man stand sich also zu oft selbst im Weg.

Die Segmentierung des Airlinekonzerns in der seit Wolfgang Mayrhuber gelebten Multi-Hub-Strategie hebt Spohr jetzt auf. Das Wort "Multi" entfällt. Dafür rückt Swiss-Chef Harry Hohmeister enger an Spohrs Seite und soll im neuen Schlüsselressort "Hub Management" zaubern.

Noch ist Hohmeister im Vorstand für Verbund-Airlines und Logistik zuständig. In der neuen Rolle erstarkt er zum einflussreichsten Ressortchef im Konzern. Die Fäden Netz- und Flottenplanung, Produkt und vor allem der globale Vertrieb laufen 2016 zentral für die Premiummarken Lufthansa, Swiss und Austrian bei Hohmeister zusammen.

Eigenes Ressort für Eurowings

Ihren Günstigsektor grenzt Lufthansa zeitgleich sauber vom Hub-Geschäft ab. Karl-Ulrich Garnadt wird im Konzernvorstand mit dem Aufbau europäischer Punkt-zu-Punkt-Verkehre im Ressort "Eurowings und Aviation Services" betraut. Eurowings werde "so eigenständig wie möglich" entwickelt, erklärte Lufthansa.

Die organisatorische Trennung von Netz- und Günstigflug entzieht dem Passagevorstand die Daseinsberechtigung - Spohr löst das Gremium, das bisher über Lufthansa und Germanwings wachte, ersatzlos auf. Aus vier Führungsebenen im Konzern werden am 01. Januar 2016 schlankere drei.



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