13.01.2016
Erschienen in: 01/ 2016 FLUG REVUE

Lufthansa-TochterEurowings auf Langstrecke

Direktflug statt umsteigen, Wahlpreis statt Linientarif, Economy statt Business und First Class. Mit der neuen Eurowings baut Lufthansa einen Gegenentwurf zur eigenen Netzwerkairline auf. Auch Langstrecken werden jetzt bedient.

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Über 50 Prozent der Kunden sagen uns, nur der Preis entscheidet. Die Kunden nutzen Direktangebote, sobald es die gibt. Das kann man nicht ignorieren. Wir wollen damit wieder Wachstumsperspektiven für die Lufthansa-Gruppe schaffen und neue Marktsegmente erobern, bevor es andere tun. Euro­wings reagiert auf eine Marktentwicklung, die offensichtlich ist. Das ist ein großer Tag für uns alle. Wir haben ein Jahr lang daran gearbeitet.“ Mit diesen Worten umriss Lufthansa-Konzernvorstand Karl Ulrich Garnadt, er leitet auch den Vorstand der Sparte Lufthansa Passage,  sein neuestes Konzept. Die als besonders kaufkräftige, reiselustige und schneller als die Geschäftsreisenden wachsende Kundengruppe der Privatreisenden soll hier ein maßgeschneidertes Angebot finden. Für sie wird die Lufthansa-Tochter Eurowings unter erneuerter Marke nicht nur Germanwings auf den Mittelstrecken beerben, sondern auch zu völlig neuen Ufern aufbrechen: Am 2. November startete am Köln Bonn Airport mit dem Airbus A330-200 (D-AXGA) das neue Flaggschiff im Niedrigpreisbereich des Lufthansa-Konzerns zur Langstreckenpremiere nach Varadero auf Kuba.

Die neue Eurowings bedient ab Köln/Bonn auch die Langstreckenziele Punta Cana und Puerto Plata in der Dominikanischen Republik, Phuket und Bangkok in Thailand sowie Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ab Mai 2016 sollen außerdem die US-Destinationen Las Vegas, Miami und Boston angeboten werden. Besonders Boston könnte auch für Geschäftsreisende interessant sein. Im Sommer 2016 folgen schließlich mit Muscat, Mauritius und Teheran die nächsten  Ziele. Sieben A330-200-Langstreckenflugzeuge sind für Eurowings schon für die Aufbauphase bis 2017 vorgesehen, weiteres Wachstum nicht ausgeschlossen. In den kommenden drei Winterhalbjahren, also 2015/2016, 2017/2018 und 2019/2020, hilft zudem die früher bei Thomson Airways in England eingesetzte und für die jetzigen Einsätze eigens ins deutsche Register aufgenommene Boeing 767-300ER, D-ATYE, von TUI saisonal im Linienflugbetrieb. Die ersten vier Flugzeuge für die neuen Eurowings-Langstrecken werden ab Köln eingesetzt. Zweiter  Langstreckenflughafen von Eurowings könnte aber, noch ist es nicht amtlich, schon ab dem Winterflugplan 2016/2017 Berlin-Schönefeld werden.

Die maximal 310 Passagiere der Eurowings-A330 finden an Bord ein reinrassiges Angebot der Economy Class vor. Allerdings ist auch dieses, nach dem bereits von Germanwings her bekannten Muster dreistufig unterteilt: Im Bug befindet sich ein Abteil mit 21 Sesseln des „Best“-Bereichs (Sitzanordnung 2-3-2), diese Plätze entsprechen den neuen Premium-Economy-Sesseln bei Lufthansa und haben satte 115 Zentimeter Sitzabstand. Dahinter folgen 46 reguläre Economy-Class-Sitze in einem gesonderten Abteil mit auf 86 Zentimeter erhöhtem Abstand, dem sogenannten „More-Comfort-Bereich“  (Sitzanordnung 2-4-2), und schließlich folgt die ganz normale „Basic“-Economy Class mit 243 Sitzen und 76 Zentimetern Sitzabstand (Sitzanordnung ebenfalls 2-4-2).  Die niedrigsten Preise gibt es, wenig überraschend, im „Basic“-Bereich.

Wer es nur auf „Sitz, Handgepäck und Wasser“ (Garnadt) anlegt, wird hier zum Beispiel bei einem Angebot Richtung Dubai schon ab 99,95 Euro pro Platz und Richtung fündig. Wer zusätzliche Wünsche hat, etwa Mahlzeiten und andere Getränke als Wasser, kann diese hinzukaufen. Dafür sind im etwas höheren „Smart“-Tarif bereits Aufgabegepäck und das Essen mitsamt Getränken inkludiert. Auch hier können als aufpreispflichtige Extras zum Beispiel Unterhaltungspakete im Filmprogramm (ab 9,99 Euro) und der Internetzugang (ab 3,90 Euro für das kleinste Paket) an Bord hinzugebucht werden. Immer kostenlos ist übrigens das Kinderprogramm an Bord. Die Mischung aus Sitzklasse, dem fest zugehörigen Komfortpaket und einzeln zubuchbaren Leistungen soll jedem Passagier eine maßgeschneiderte Versorgung an Bord ermöglichen und im Gegenzug der Airline, die am Markt nur durch die Werbung mit möglichst niedrigen Einstiegspreisen wahrgenommen wird, zusätzliche Einnahmequellen bescheren.

Mit 50 Prozent wird der Kostenvorteil gegenüber den klassischen Lufthansa-Linienflugangeboten angegeben. Zum Sparrezept gehört neben dem Direktvertrieb über das Internet eine nur geleaste, „sortenreine“ Flotte (Garnadt) aus zu günstigen Mietpreisen verfügbaren und technisch zur A320-Flotte passenden Airbus A330-200. Betrieben wird die A330 bei Eurowings durch SunExpress Deutschland. Weil Eurowings auf Business Class und First Class verzichtet, passen relativ viele Fluggäste an Bord. Zudem beschäftigt Eurowings Personal, dessen Entlohnung deutlich unter dem Gehaltsniveau des klassischen Lufthansa-Konzerntarifvertrages (KTV) liegen wird. Einzelne Erste Offiziere bei Germanwings, die teilweise nach Lufthansa-KTV bezahlt werden, erhalten ein Angebot, künftig entweder zum Eurowings-Kapitän aufzusteigen, dann aber ohne KTV, oder aber, weiter im KTV bleibend, zu Lufthansa als Copilot zurückzuwechseln.


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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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