16.06.2015
Erschienen in: 06/ 2015 FLUG REVUE

Gegenwind für Etihad und DarwinRückschlag für Etihad Regional

Unter der Marke Etihad Regional sollte die Darwin Airline aus der Schweiz zum Zubringer für die Golf-Airline werden. Jetzt sind die hochgesteckten Ziele auf Eis gelegt.

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Die Feuewehr begrüßt die ATR 72 von Etihad Regional bei ihrer ersten Landung auf dem Flughafen Dresden. Foto und Copyright: Flughafen Dresden GmbH/Michael Weimer  

 

Gemäß Charles Darwin und seinem Werk „Über die Entstehung der Arten“ überleben nur die Stärksten. In der Schweiz muss die jetzt nach dem Forscher benannte Darwin Airline um ihre Zukunft bangen. Die 2003 gegründete Fluggesellschaft hatte nach dem Rückzug der Swiss aus Lugano dort eine Nische gefunden. Mit der Übernahme von Baboo wuchs die Regionalfluglinie, brauchte aber einen starken Partner. Den fanden die Schweizer mit Etihad Airlines aus Abu Dhabi. Die Golf-Airline hatte sich Ende 2013 überraschend an Darwin Airline mit einem Anteil von 33,3 Prozent beteiligt und wollte die Gesellschaft zu einem Hub-Feeder umbauen. „Dies bedeutet einen großen Wandel für Etihad Airways. Mit unserem neuen Partner schaffen wir einen einzigartigen Ansatz zur Netzwerkentwicklung für globale Airlines. Reisende aus Europa können nun an einer weit, weit größeren Zahl europäischer Orte in Flugzeuge der Etihad-Marke umsteigen, um über Abu Dhabi zu unseren weltweiten Destinationen zu gelangen“, freute sich damals Etihad-Präsident James Hogan.

Die nun unter der Marke Etihad Regional fliegende Airline sollte als Modell für den weiteren Ausbau des Regionalnetzes der arabischen Gesellschaft dienen, die im Juni 2014 die Verbindung von Abu Dhabi nach Zürich aufnahm. Daher konzentrierte sich das neue Streckennetz von Darwin vor allem auf Zubringerflüge nach Zürich. Ein rasanter Aufbau der Routen folgte, ebenso die Erweiterung der Flotte: Vier geleaste ATR 72-500 kamen ab April 2014 hinzu.

Bereits am 23. Januar 2014 erfolgte der erste Flug unter der neuen Marke von Genf nach Rom. Wieder war Hogan optimistisch: „Diese Partnerschaft wird einen positiven Einfluss haben und den regionalen Wettbewerb in Europa stimulieren.“ Doch mit der steifen Brise, die ihm bei den Eidgenossen um die
Nase wehte, hatte der Australier nicht gerechnet. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt der Schweiz (BAZL) winkte die Beteiligung an Darwin Airline nicht durch, da es einen zu großen finanziellen Einfluss von Etihad auf das Schweizer Unternehmen befürchtete.

Auf Konfrontationskurs gingen auch die Lufthansa und Swiss. So nahm Swiss die Strecke von Lugano nach Zürich auf, die zuvor von Darwin in Kooperation mit ihr bedient wurde, und setzte dabei größere Flugzeuge von Austrian Arrows ein. Auch auf anderen Strecken kam es laut Etihad Regional zu einem „aggressiven Verhalten der Wettbewerber“, das sich nachteilig auf die Geschäftstätigkeit von Darwin ausgewirkt habe.

Im vergangenen Oktober hatte Etihad Regional noch einen Sommerflugplan mit 37 Zielen präsentiert. Mit acht Saab 2000 und vier ATR 72 sollten 492 Flüge pro Woche absolviert werden.

Etihad Regional Saab 2000

Etihad Regional Saab 2000. Foto und Copyright: Etihad Airways  

 

Dann kam im Februar der Kahlschlag: Von neun Strecken ab Zürich blieb nur die Verbindung nach Genf. Die deutschen Destinationen Dresden, Düsseldorf und Leipzig/Halle fielen komplett weg. Die Zahl der Flüge pro Woche beträgt nun nur noch etwas weniger als ein Drittel. Aufgrund der fehlenden BAZL-Genehmigung konnte Etihad Airways seinem Partner kein Kapital zuführen.

Nun will Darwin Airline ihr Geschäftsmodell ändern und die Aktivitäten als Wet-Lease-Dienstleister ausbauen, und zwar für Airlines der Etihad Airways Partners, aber auch für andere Flug­gesellschaften. „Auf diese Weise entsteht auch ein nachhaltiges Beteiligungsmodell, von dem Investoren, Fluggäste und Mitarbeiter profitieren, und das gleichzeitig alle Zweifel in Bezug auf die Eigentums- und Beherrschungsverhältnisse der Airline ausräumt, welche fest in Schweizer Hand bleibt“, sagte Maurizio Merlo, CEO der Darwin Airline. Infolge der Umstellung fallen 28 Arbeitsplätze und eine Saab 2000 weg. Zwei ATR 72-500 fliegen bereits im Wet-Lease für Alitalia.

Damit schienen die Hoffnungen von Etihad auf einen Zubringer in Europa zunichte. „Unser Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit Darwin Airline bleibt bestehen und wird nicht von aggressiven Handlungen der Wettbewerber kompromittiert“, ließ James Hogan dennoch verlauten. Gute Nachrichten gab es schließlich Anfang April: Das BAZL genehmigte den Einstieg, da das neue Geschäftsmodell die Abhängigkeit von Etihad verringere. Sollten sich die Bedingungen ändern, behält man sich aber eine Neubeurteilung vor.  Darwin will jedenfalls  am aktuellen Plan festhalten.

FLUG REVUE Ausgabe 06/2015



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