10.02.2017
FLUG REVUE

Neuer Airbus-ZweistrahlerSo fliegt es sich in der Lufthansa-A350

Seit dem 10. Februar ist der erste Airbus A350 der Lufthansa im Liniendienst. FLUG REVUE hat sich beim Sonderflug München-Hamburg einen Tag zuvor die Kabine des neuen Langstrecken-Flugzeugs angesehen.

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Ihr erster Passagierflug führte die Lufthansa-A350 D-AIXA von München nach Hamburg. Foto und Copyright: Ebner  

 

Bei Erstbetreiber Qatar Airways ging der Airbus A350-900 bereits Anfang 2015 in Dienst, seit kurz vor Weihnachten 2016 nennt auch Lufthansa das erste Exemplar des modernen Zweistrahlers ihr eigen. Am 24. Februar soll die zweite A350 nach München kommen, wo die ersten zehn von insgesamt 25 Maschinen stationiert werden. Die neuen Flugzeuge sollen sukzessive die älteren Airbus A340-600 ersetzen.

Lufthansa setzt bei ihren A350 auf eine Drei-Klassen-Konfiguration mit insgesamt 293 Sitzen, davon 48 in der Business Class, 21 in der Premium Economy und 224 in der Economy-Klasse. Auf eine First Class wie in der A380 und der Boeing 747-8 wird verzichtet, der Kundenkreis sei zu limitiert für das teure Produkt.

Die erste A350-Destination ab München ist die indische Hauptstadt Dehli, ab März kommt Boston an der US-Ostküste hinzu, im April folgt die indische Wirtschaftsmetropole Mumbai.

Business Class

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Die Business Class in der A350 folgt einer 2-2-2-Anordnung. Foto und Copyright: Ebner  

 

Bei der Business Class bleibt (fast) alles beim Alten: 2-2-2-Layout und die bereits vor zwei Jahren in alle Langstrecken-Flugzeuge eingebauten Sitze von B/E Aerospace. Neu ist hingegen das größere Display des Bordunterhaltungssystems. Die Monitore haben übrigens in allen Klassen an Größe zugelegt.

Ebenfalls neu in der Business Class ist ein Selbstbedienungsbereich mit Snacks und Getränken, an denen sich die Passagiere bedienen können, wenn gerade kein Service ist. Grundsätzlich ist die Lufthansa-Business-Class solide und unaufgeregt, aber eben auch ohne echte Raffinessen.

Premium Economy

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Je zwei Premium Economy-Sitze sind an den Fenstern, in der Mitte sind es drei. Foto und Copyright: Ebner  

 

Auch bei der Klasse zwischen Business und Economy setzt Lufthansa auf Bewährtes: die Premium-Economy-Sitze des deutschen Herstellers ZIM. In einer 2-3-2-Anordnung bieten sie mehr Beinfreiheit als in der Economy-Klasse, zudem gibt es durch eine breitere Mittelkonsole für jeden Passagier eine Armlehne.

Neu in der A350 ist ein Sichtfenster zwischen Business Class und Premium Economy. Es soll laut Lufthansa das Raumgefühl verbessern. Bei Start und Landung ist es geöffnet, mit Beginn des Services an Bord wird es geschlossen.

Economy Class

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Der Kabinendurchmesser von 5,61 Metern gibt der A350 auch in der Economy ein gutes Raumgefühl. Foto und Copyright: Ebner  

 

Wirklich neu in der Lufthansa-A350 sind die Sitze in der Economy-Klasse von Zodiac Seats France mit weicheren Schaumstoffbezügen als bisher. Bei der Farbgebung hat sich Lufthansa anstelle von grau für blau entschieden. Colorbreeze nennt die Airline den Farbverlauf von hellerem Blau in der Mitte zu dunklerem Blau an den Fenstern. Das mag fürs Auge angenehm sein, dennoch bleibt der klassenübliche Sitzabstand gerade für größere Menschen ein Problem.

Wie in den anderen Klassen an Bord der A350 ist auch in der Economy das Display des Inflight-Entertainment-Systems größer als bisher. In den Bildschirm integriert ist auch ein USB-Anschluss, mit dem man sein Smartphone oder Tablet laden kann. Zudem gibt es einen Becherhalter in der Lehne, der unabhängig vom Tisch benutzt werden kann. Der Becher sitzt recht satt darin, man sollte also vorsichtig beim Herauslösen des Getränks sein.

LED-Beleuchtung

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Die LED-Beleuchtung in der Lufthansa-A350 kann 24 verschiedene Lichtstimmungen erzeugen. Foto und Copyright: Ebner  

 

Lufthansa nutzt in der A350 erstmals ein Beleuchtungssystem, das verschiedene Lichtstimmungen erzeugen kann und damit den Biorhythmus der Passagiere unterstützen soll. Das soll bei Langstreckenflügen über mehrere Zeitzonen den Jetlag vermindern. Das Design stammt von Kardorff Ingenieure Lichtplanung - Berlin und basiert auf dem wissenschaftlichen Konzept des Hamburger Start-ups jetlite.

Insgesamt 24 verschiedene Lichtszenarien gibt es, beispielsweise fürs Boarding, für Start und Reiseflug, für das Abendessen und für die Landung. Schick sieht es auf jeden Fall aus, ob es wirklich dazu führt, dass man ausgeruhter am Ziel ankommt, müssen die Passagiere selbst beurteilen. Lufthansa will jedenfalls auch ihre Boeing 747-8 mit dem System ausrüsten.


Bordunterhaltung und Connectivity

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Die Displays in der Economy sind angenehm groß. Foto und Copyright: Ebner  

 

In allen drei Klassen an Bord der A350 sind die Bildschirme größer als in anderen Lufthansa-Langstreckenflugzeugen. Als Bordunterhaltungssystem kommt  das eX3 von Panasonic zum Einsatz. Die Bedienung ist intuitiv, die Auswahl gut: rund 100 Kinofilme, 200 TV-Programme, Musikalben, Hörbücher, Spiele, Live-TV, Moving Maps zum Reiseverlauf, drei verschiedene Kameras am Flugzeug.

Bei der Bordunterhaltung der A350 berücksichtigt Lufthansa auch stärker als bisher das Bedürfnis der Passagiere, ihre Smartphones und Tablets als zweiten Bildschirm zu benutzen. Mit der kostenlosen Lufthansa Companion App können sich Fluggäste schon sechs Wochen vor dem Flug ihr persönliches Programm zusammenstellen und dann an Bord mit dem Bildschirm in der Rückenlehne synchronisieren. So kann das persönliche Gerät als Fernbedienung benutzt werden. Wenn der Passagier einen Internet-Tarif im Lufthansa-eigenen FlyNet dazubucht, kann er parallel auch im Internet surfen und Messenger-Dienste nutzen.

Bei unserem Test fiel die Lufthansa Companion App (in diesem Fall für Android) allerdings durch extrem lange Ladezeiten auf. Auch das Pairing mit dem Bildschirm scheiterte. Das kann aber natürlich auch am Smartphone oder am Benutzer liegen.





FLUG REVUE 1/2019

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