11.11.2016
aero.de

Zwischenbilanz 2016Turkish Airlines sieht rot

Lange kannte Turkish Airlines nur den Steilflug nach oben, umso härter wird nun die Landung. Angebot und Passagierzahlen entwickeln sich 2016 asynchron und hebeln die Probleme der von politischen Unruhen gebeutelten Airline. Nach neun Monaten ist die Bilanz dunkelrot.

Turkish Airlines Airbus A320

Airbus A320 von Turkish Airlines. Foto und Copyright: Turkish Airlines  

 

Über den Sommer war Turkish Airlines ziemlich mit sich selbst beschäftigt und sortierte gehorsam Mitarbeiter aus, die augenscheinlich nicht mehr ins aktuelle politische Lagebild eines leicht reizbaren Präsidenten Erdogan passten. Immerhin ist Turkish Airlines noch zu 49 Prozent in staatlicher Hand.

Zuletzt ging Temel Kotil von Bord. Wie freiwillig der langjährige Airlinechef, der Turkish Airlines in zehn Jahren von 12 auf 60 Millionen Passagiere navigierte, das Unternehmen am Ende verlassen hat, ist nicht überliefert. Kotil, so heißt es in der Branche, hielt zu lange eine schützende Hand über ungenehme Mitarbeiter.

Von Juli bis September war Kotil jedenfalls noch im Amt und erlebte die Entzauberung von Turkish Airlines hautnah mit. Ein Rückgang der Passagiererlöse um 11,6 Prozent zeitigte einen Gewinneinbruch um 66,9 Prozent und demontierte das Sommerquartal.

Ein kurzzeitiges Einflugverbot, das die Vereinigten Staaten im Juli überraschend gegen Turkish Airlines verhängt hatten, stand an der Spitze der Verwerfungen, mit denen Turkish Airlines nach dem gescheiterten Putschversuch des Militärs in der Türkei fertig werden musste.

Nach neun deströsen Monaten belasten 260 Millionen US-Dollar operativer Verlust die Zwischenbilanz. Zum Vergleich: vor einem Jahr begann Turkish Airlines das traditionell schwächere Schlussquartal noch mit einem bärenstarken Gewinnpolster von 732 Millionen US-Dollar im Rücken.

Das Nettozwischenergebnis von Januar bis Ende September fällt mit einem Verlust von 463 Millionen US-Dollar gar 1,34 Milliarden US-Dollar schlechter aus als im selben Zeitraum des Vorjahres. Dabei profitierte Turkish Airlines sogar noch von einer deutlich geringeren Treibstoffrechnung als 2015.

Turkish Airlines wird zunehmend das Opfer ihrer eigenen Rasanz. Zwischen Angebotsausbau (ASK) und Mehrabsatz (RPK) klafft eine Kerbe von 6,1 Prozentpunkten, die vor allem der internationale Verkehr schlug. Auf der Langstrecke ging die Auslastung binnen eines Jahres um 4,6 Punkte auf 73,6 Prozent zurück.

Das Jahr 2016 ist für Turkish Airlines bisher ein einziger Stresstest, der sich in der aktuellen Wintersaison weiter verschärfen könnte. Kotils Nachfolger Bilal Eksi muss gegensteuern und dünnt den Flugplan aus. Turkish Airlines trat außerdem an Airbus und Boeing heran - 39 A320neo und 737 MAX sollen nun später ausgeliefert werden.

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
aero.de/Dennis Dahlenburg


Weitere interessante Inhalte
Zweiklassenbestuhlung mit großen Monitoren Turkish Airlines übernimmt erste A321neo

01.08.2018 - Turkish Airlines hat in Hamburg ihre erste A321neo übernommen. Der Zweistrahler der neuen Generation ist bei THY mit 182 Plätzen in zwei Klassen bestuhlt. … weiter

Turkish Airlines Täglich von Friedrichshafen nach Istanbul

27.07.2018 - Von Ende März 2019 an fliegt Turkish Airlines jeden Tag vom Bodensee-Airport zum neuen Flughafen in Istanbul. … weiter

Befeuerungstest am neuen Flughafen Licht an in Istanbul

28.02.2018 - Istanbuls neuer Flughafen nähert sich mit großen Schritten seiner Fertigstellung. Nun wurde erstmals die neue Unterflur-Befeuerungsanlage der neuen Startbahn 34 eingeschaltet. … weiter

Weniger Flüge mit größeren Flugzeugen Medien: Turkish Airlines erwägt 747-8-Beschaffung

07.09.2017 - Laut Medienberichten der türkischen Zeitungen "Hürryet" und "Daily Sabah" aus Istanbul verhandelt Turkish Airlines derzeit mit Boeing über die mögliche Beschaffung von bis zu acht Boeing 747-8 … weiter

Neuer Service in der Business Class Turkish Airlines: Leih-Laptops auch nach Großbritannien

08.05.2017 - Wegen verschärfter Sicherheitsvorschriften dürfen Passagiere auf Direktflügen aus der Türkei in die USA und nach Großbritannien keine Laptops im Handgepäck mehr mitführen. Damit die Passagiere bei … weiter


FLUG REVUE 12/2018

FLUG REVUE
12/2018
05.11.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Raumfahrt Extra
- Wettbewerb: Spar-Jets für Übermorgen
- Neuer britischer Träger: F-35B auf der "Queen Elizabeth"
- Piloten: Die neue Lufthansa-Ausbildung
- A400M in Wunstorf: Erste Einsatzerfahrungen