06.09.2016
FLUG REVUE

Landeunfall in DubaiZwischenbericht zum Emirates-Unfall veröffentlicht

Die Luftfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate hat den Zwischenbericht zum Landeunfall einer Boeing 777 der Emirates in Dubai veröffentlicht. Demnach lässt sich menschliches Versagen nicht ausschließen.

Emirates Boeing 777 Unglück Dubai

Emirates veröffentlichte dieses Foto, das die in Dubai verunglückte Boeing 777-300ER zeigt. Alle Insassen konnten den Zweistrahler verlassen. Foto und Copyright: Emirates  

 

Die zivile Luftfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate (GCAA) hat am Dienstag ihren Eröffnungsbericht in den Untersuchungen des Landeunfalls einer Boeing 777-300 in Dubai vorgestellt. Das Flugzeug war am 3. August aus Trivandrum in Indien kommend bei starken Scherwinden im Landeanflug auf den Flughafen von Dubai nach einem missglücktem Durchstartmanöver auf der Landebahn aufgeschlagen. Anschließend brannte das Flugzeug vollständig aus, unter den 282 Passagieren und 18 Besatzungsmitgliedern gab es nur Verletzungen. Ein Feuerwehrmann kam bei den Löscharbeiten ums Leben.

Im jetzt vorgestellten Untersuchungsbericht ist zu lesen, dass die Crew von den starken Scherwinden wusste. Der Kapitän flog das Flugzeug während des letzten Teils des Anfluges von Hand mit Unterstützung der automatischen Schubkontrolle. Nach mehreren Windrichtungswechseln im Anflug erfuhr die Boeing ab einer Höhe von 700 Fuß (210 Meter) einen Rückenwind von 16 Knoten (30 km/h). In einer Höhe von 35 Fuß (11 Meter) begann der Pilot das Flugzeug zum Aufsetzen abzufangen, weswegen auch die Triebwerke in den Leerlauf gingen. Der Wind drehte erneut zum Gegenwind, weswegen sich der Auftrieb des Flugzeugs wieder erhöhte und das Hauptfahrwerk erst spät auf der Piste aufsetzte. 1100 Meter nach Beginn der Landebahn ertönte im Cockpit eine automatische Warnung, die die Crew vor einer langen Landung warnte.

Daraufhin entschloss man sich zum Durchstarten, die Nase wurde hochgezogen, und kurz darauf das Fahrwerk und die Klappen eingefahren. Höher als 85 Fuß (26 Meter) kam die Boeing jedoch nicht: Hier bemerkten beide Piloten einen starken Rückgang der Geschwindigkeit auf 130 Knoten (240 km/h), was deutlich unter der Anfluggeschwindigkeit von 150 Knoten (280 km/h) liegt. Das Flugzeug begann zu sinken. Die Schubhebel wurden erst jetzt, 3 Sekunden vor dem Aufschlag, manuell nach vorne bewegt. Erst zwei Sekunden später erhöhte sich die Drehzahl der Triebwerke, zu spät um den erneuten Bodenkontakt mit eingefahrenem Fahrwerk zu verhindern.

Laut Untersuchungsbericht widersprechen sich die Flughandbücher der 777, ob nach einem Bodenkontakt noch ein automatisches Durchstartmanöver durchgeführt werden kann, da das Flugzeug mit diesem Kontakt in den Bodenmodus geht. Normalerweise drücken die Piloten zum Durchstarten die "TOGA"-Knöpfe an den Schubhebeln, woraufhin diese auf Maximalleistung gehen. Gemäß Flughandbuch sind diese Knöpfe am Boden gesperrt, somit hätte der Pilot die Schubhebel zum Steigen von Hand nach vorne schieben müssen. Da dies jedoch erst in 85 Fuß geschah, ist davon auszugehen, dass die Boeing ohne Schub wieder abhob und durch den starken Geschwindigkeitsverlust auch an Höhe verlor.



Weitere interessante Inhalte
Die Riesen der Lüfte Top 10: Die größten Flugzeuge der Welt

09.02.2018 - Schneller, höher, weiter: Die Entwicklung der Luftfahrt ist und war immer von Rekorden geprägt. Eine besondere Rolle nehmen seit jeher Großflugzeuge ein. … weiter

Emirates Engineering Qantas lässt A380 in Dubai lackieren

05.02.2018 - Die australische Fluggesellschaft Qantas hat die Techniksparte von Emirates mit der Neulackierung von A380 betraut. … weiter

Bestseller-Twin Top 10: Die größten Kunden der Boeing 777

30.01.2018 - Boeing plante die 777 als Ergänzung zur Boeing 747. Schon bald entwickelte sich die 777 zum Verkaufsschlager. Welche Airline die meisten Exemplare der „Triple Seven“ in Empfang genommen hat sagt … weiter

Neue Software für 777-Aerodynamiktests Boeing-Algorithmus verkürzt Windkanalzeit

24.01.2018 - Mit Hilfe einer neuen Software verkürzt Boeing die Windkanalstunden, die Flugzeugmodelle zur Vermessung brauchen. Als erstes Flugzeugmuster profitiert die 777-9 von der Software. … weiter

Neue Verkehrsflugzeuge werden teurer Airbus und Boeing erhöhen die Listenpreise

22.01.2018 - Wenige Tage nach Airbus hat auch Boeing neue Listenpreise für die hauseigenen Verkehrsflugzeuge veröffentlicht. Listenpreise geben nur einen groben Anhaltspunkt über die tatsächlich vereinbarten … weiter


FLUG REVUE 03/2018

FLUG REVUE
03/2018
08.02.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- A380 gerettet
- PC-24 zugelassen
- Wüstenparkplätze für alte Jets
- Navy-Teststaffel "Dust Devils"
- Hubschrauber-Triebwerke
- BER weiter verzögert