15.12.2015
FLUG REVUE

Neue Software soll Piloten unterstützenDLR testet lärmarme Anflüge auf Frankfurt

Der DLR-Forschungsairbus ATRA soll im Spätsommer 2016 ein neuartiges Assistenzsystem für Piloten testen, dass diese beim besonders lärmarmen Einsatz der Klappen unterstützt.

Airbus A320 DLR ATRA

Der Forschungsairbus A320 ATRA des DLR soll in Frankfurt lärmarme Anflüge erproben. Am Steuer werden dabei auch reguläre Linienpiloten sitzen, um eine neue Assistenzsoftware zu bewerten. Foto und Copyright: DLR  

 

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das hessische Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) planten, voraussichtlich im Spätsommer 2016, ein neues Piloten-Assistenzsystem für lärmoptimierte Anflugverfahren mit dem Forschungsflugzeug Airbus A320 ATRA am Flughafen Frankfurt zu testen, teilte das DLR mit. Außerdem untersuche das DLR in einem weiteren Forschungsprojekt, wie sich der lärmarme, segmentierte Anflug, er führt in Schlangenlinien um besonders dicht besiedelte Gebiete herum, auch in Tageszeiten mit erhöhtem Flugaufkommen durchführen lasse. Beide Projekte würden vom UNH gefördert.

Oft sei es für die Piloten schwierig, während der arbeitsintensiven Anflugphase die optimalen Zeitpunkte zum Ausfahren der Klappen und des Fahrwerks genau so zu wählen, dass ein möglichst großer Teil der Landephase im besonders leisen und treibstoffsparenden Leerlauf stattfinden könne. Hierfür habe das DLR-Institut für Flugsystemtechnik in Braunschweig ein neues Assistenzsystem entwickelt, das den Piloten über ein Display im Cockpit anzeige, an exakt welchen Punkten sie welche Handlung durchführen könnten, um besonders lärmarm anzufliegen. Das System sei bisher schon erfolgreich im Simulator und bei ersten Forschungsflügen ohne umgebenden Flugverkehr getestet worden. Nun gelte es, den Praxistest auch im Hochbetrieb des Frankfurter Flughafens zu bestehen.

Die DLR-Forscher wollten erfahren, wie sich Praxiseinflüsse auf das neue Assistenzsystem auswirkten und wie Berufspiloten auf das System reagierten. Deshalb flögen Piloten verschiedener Airlines im Cockpit des ATRA neben einem DLR-Testpiloten. Die Testflüge seien an drei aufeinanderfolgenden Tagen geplant und würden zuvor mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) und dem Flughafen Frankfurt koordiniert. Vor den eigentlichen Flugtests würden umfassende Versuche im DLR-Forschungssimulator AVES (Air Vehicle Simulator) durchgeführt.

"Frankfurt mit seinem hohen Flugverkehrsaufkommen ist eine ideale Bewährungsprobe für unser neues Assistenzsystem", sagte Projektleiter Dr. Fethi Abdelmoula. "Bei den Tests können wir über die bestehenden Lärmmesstellen im Umfeld des Flughafens sehr gut bestimmen, wie deutlich die Lärmminderung mittels der optimierten Anflugverfahren ausfällt."

Ausweitung lärmentlastender Anflugrouten

DLR Open Descent Profile

So sehen die Piloten im Cockpit die Empfehlungen einer neuen Software für ein besonders lärmarmes Sinkflugprofil mit hohem Leerlaufanteil. Foto und Copyright: DLR  

 

Im zweiten Forschungsprojekt geht es um die Ausweitung lärmentlastender Anflugrouten. "Bei diesen Anflügen drehen die Piloten erst vergleichsweise spät in den direkten Anflug auf die Landebahn ein", erklärt Dr. Bernd Korn vom DLR-Institut für Flugführung. "Das ermöglicht davor eine größere Flexibilität der Routenführung und damit eine Lärmentlastung dichtbesiedelter Gebiete." In den Hochverkehrszeiten ist dieses Anflugverfahren in Frankfurt noch nicht einsetzbar. Denn nach derzeitigen internationalen Regularien dürfen die beiden Parallelbahnen des Flughafens nur mit klassischen ILS-Anflugverfahren unabhängig betrieben werden. Das allerdings ist zwingend notwendig, um ausreichend vielen Flugzeugen eine Landung in den verkehrsreichen Zeiten zu ermöglichen.

Das DLR-Institut für Flugführung hat in mehrjähriger Forschungsarbeit ein Sicherheitskonzept entwickelt, das die lärmentlastende Routenführung auch im nötigen Parallelbahnbetrieb erlaubt und sich dabei auf moderne Navigationstechnologien des Flugzeugs stützt. "Derzeit stimmen wir das Konzept mit Boeing in Seattle ab", sagt Korn, der im Braunschweiger DLR-Institut die Abteilung Pilotenassistenz leitet. "Bisher haben wir da nur positive Rückmeldungen bekommen". Im nächsten Schritt werden weitere Versuche im Validierungszentrum Luftverkehr des DLR in Braunschweig durchgeführt. Anschließend ist geplant, das Konzept der unabhängig segmentierten Parallelanflugverfahren gemeinsam mit Boeing bei der international zuständigen Luftfahrtbehörde ICAO (International Civil Aviation Organization) vorzustellen und es als akzeptierten Standard aufnehmen zu lassen.

Das Umwelt- und Nachbarschaftshaus fördert beide DLR–Projekte mit insgesamt 950.000 Euro, die Projekte werden ein beziehungsweise drei Jahre dauern.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
Innerhalb der kommenden 20 Jahre Airbus sieht Bedarf an fast 40.000 neuen Flugzeugen

06.07.2018 - Laut dem neuen Global Market Forecast von Airbus wächst der Luftverkehr bis 2037 um jährlich 4,4 Prozent. … weiter

Versicherer bewertet deutsche Verkehrsflughäfen Allianz zählt Vorfeld-Schadensfälle

03.07.2018 - Pünktlich zur sommerlichen Ferien-Reisewelle hat der Versicherungskonzern Allianz die vergangenen Schadensmeldungen von deutschen Verkehrsflughäfen analysiert. Vorfeldfahrzeuge sind demnach die … weiter

EU-Forschungsvorhaben Fraunhofer-Institut will CFK-Bugrad entwickeln

14.06.2018 - Flugzeugräder aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) könnten deutliche Gewichtseinsparungen bringen. … weiter

Revolution im Flugzeugbau Airbus Hamburg eröffnet vierte A320-Endmontage

14.06.2018 - Auf der Jagd nach immer höheren Produktionsraten setzt Airbus auf Roboterhilfe. Die am Donnerstag in Finkenwerder eröffnete vierte A320-Endmontagelinie nutzt neueste Technik für noch mehr … weiter

Fabrikneuer Dreamliner trägt deutschen Namen Ethiopian tauft ihr 100. Flugzeug "Frankfurt"

14.06.2018 - Ethiopian Airlines, Afrikas größte Fluggesellschaft, hat am 7. Juni ihr 100. Flugzeug in die aktive Flotte aufgenommen. Die Boeing 787-9 wurde nun auf den Namen „Frankfurt“ getauft. … weiter


FLUG REVUE 08/2018

FLUG REVUE
08/2018
09.07.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Stationen im All: Was kommt nach der ISS?
- Rafale fliegt auf der "Bush"
- Flugzeugbau virtuell: Alles wird digital
- Joon: Der Billigflieger von Air France
- Airbus-Lieferzentrum: Hochbetrieb in Hamburg