11.03.2016
Erschienen in: 01/ 2011 FLUG REVUE

Die Rettungs-RiesenHigh-Tech-Fahrzeuge der Flughafenfeuerwehren

Binnen drei Minuten müssen Feuerwehren mit ihren Spezialfahrzeugen an jedem Ort eines Flughafens sein. Nur bei schnellster Rettung haben die Flugzeuginsassen bei Bränden eine Chance.

Nächtlicher Großalarm bei der Flughafenfeuerwehr. Eine Lautsprecherdurchsage aus der Einsatzzentrale schallt durch die hell erleuchteten Fahrzeughallen: „Es fährt aus: alles!“ In Sekunden stürmen die Feuerwehrleute zu ihren ständig elektrisch vorgewärmten Fahrzeugen, springen in bereitstehende Stiefel und Isolieranzüge, lassen die gewaltigen Motoren an und preschen mit Blaulicht, pfeifenden Turboladern und schwarzen Abgasfahnen in die Dunkelheit. Binnen drei Minuten nach einer Alarmierung müssen die Feuerwehren an jedem Ort des Flughafengeländes sein. Und dies rund um die Uhr und bei jedem Wetter. So verlangen es die weltweiten Vorschriften der ICAO. Je nach Flugzeuggröße und Flugaufkommen legen sie unter anderem auch die Zahl und Art der vorzuhaltenden Lösch- und Rettungsfahrzeuge detailliert fest.

Zu den größten und modernsten Fahrzeugen der Flughafenfeuerwehren gehören die Panther-Flughafenlöschfahrzeuge des österreichischen Herstellers Rosenbauer. Die Österreicher machen mit Feuerwehrausrüstungen über 600 Millionen Euro Jahresumsatz. Zu ihren Kunden gehören weltweit Flughafenfeuerwehren von Paris bis Kuala Lumpur. Den Panther gibt es in einem baukastenartigen System als Ausführung mit zwei, drei und vier Achsen und mit unterschiedlichen Antriebseinheiten, Fahrgestellen und Fahrzeuglängen.

Einer der modernsten Panther „8x8 CA7 HRET SWB“ (SWB: Short Wheelbase – kurzer Radstand) gehört der Flughafenfeuerwehr Leipzig. Er wird von zwei Caterpillar-C15-Dieselmotoren mit 1260 PS (926 kW) Leistung und 15,2 Litern Hubraum angetrieben. Die im Heck montierten Reihensechszylinder erfüllen sogar die Euro-4-Schadstoffnorm.

Der gut zwölf Meter lange, drei Meter breite und vier Meter hohe Gigant kommt auf ein Gesamtgewicht von 52 Tonnen. Trotzdem erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 135 Stundenkilometern, die er auf den gut ausgebauten Flughafenrollwegen und Startbahnen auch ausfahren kann. Mit Hilfe seines automatischen Sechs-Gang-Allison-Getriebes beschleunigt der Panther binnen 25 Sekunden auf 80 Stundenkilometer.

Durch Aufbauten aus Aluminium-Formrohrgerippe und Verkleidungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff wahrt das Fahrzeug einen niedrigen Schwerpunkt. Dadurch kann der voll geländegängige Lkw auch Böschungen mit über 30 Grad Schräglage seitlich befahren, ohne umzukippen. Außerdem verbessert sich das Kurvenfahrverhalten.

Mittels seiner Hinterradlenkung ist das schwere Fahrzeug relativ wendig. Fahrzeugfront und -heck sind abgeschrägt, so dass Bodenwellen, Wasserkanäle, Böschungen oder auch Trümmerteile ohne Aufsetzen direkt durch- beziehungsweise überfahren werden können. Nicht immer enden Bruchlandungen auf befestigten Wegen. Durch vorbereitete „Crash Gates“, breite Ausfahrtore an strategischen Stellen des Flughafenzauns, kann die Flughafenfeuerwehr auch das Flughafenumland schnell erreichen. Dann sind gute Geländefahreigenschaften gefragt.

Zur Brandbekämpfung führt das Fahrzeug 12500 Liter Wasser, 1500 Liter Schaum und 500 Kilogramm Pulver mit. Die 311-PS-Pumpenanlage versorgt Werfer und Schläuche mit bis zu 8000 Litern pro Minute, und dies mit einem Druck von 10 bar. Eine zusätzliche Hochdruck-Pumpenanlage kann 400 Liter pro Minute mit 40 bar Druck befördern.

Der Frontwerfer, unmittelbar vor dem Fahrerhaus für drei Mann Besatzung, kann 1500 Liter Löschmittel pro Minute mit einem Druck von 10 bar ausstoßen. Der eigentliche Clou des Panther ist aber sein bis auf 16 Meter Höhe hydraulisch ausfahrbarer Gelenkarm auf dem Dach. Der „HRET“ (High Reach Extendible Turret - hochreichender, ausfahrbarer Löscharm) ist an der Spitze mit einem „Stinger“ (Stachel) ausgestattet, um die Außenhaut verunglückter Flugzeuge durchstoßen zu können. Mit Hilfe einer Wärmebildkamera kann die Fahrzeugbesatzung Brandherde auch durch dichten Rauch hindurch lokalisieren und mit dem am Stinger montierten RM65-Werfer bis zu 6000 Liter Löschmittel in die Flammen sprühen. Dadurch wird das Feuer schnell und direkt an der Quelle bekämpft, und die Chancen der Insassen steigen, ein durch Rauch und Hitze bald unerträgliches Inferno überleben zu können. Durch Bodensprühdüsen schützt sich das Löschfahrzeug selbst, wenn es brennende Flächen, zum Beispiel Rasenflächen oder Kerosinlachen, durchfährt.

Motorisierte Spezialtreppen, Katastophenmedizin und Riesenabschlepper

Damit die Rettung der Flugzeuginsassen unabhängig von Notrutschen unverzüglich beginnen kann, bedienen sich Flughafenfeuerwehren auch motorisierter Spezialtreppen, die sogenannten Rettungstreppenfahrzeuge. Diese auf Lkw-Fahrgestellen zum Beispiel von Scania, MAN oder Mercedes basierenden Fahrzeuge verfügen hinter dem Fahrerhaus über eine breite Passagiertreppe in der Art einer Vorfeldtreppe. Die Treppe mit großer Rettungsplattform lässt sich in maximal 70 Sekunden flexibel von 3,20 Meter bis 8,50 Meter Höhe ausfahren. Die Höhen der wichtigsten Flugzeugtypen sind eingespeichert und können automatisch abgerufen werden. Nach einem Startabbruch oder einer Bruchlandung kann ein Flugzeugfahrwerk aber auch beschädigt sein und ein Flugzeug tiefer oder schräg liegen. Mit 8,50 Metern Maximalhöhe kann die Rettungstreppe sogar ein A380-Hauptdeck erreichen. Auch die Passagiere der notgelandeten Qantas-A380 in Singapur verließen das Flugzeug über eine solche Rettungstreppe. 1000 Liter Löschwasser und 30 Meter Schlauch führt jede Rettungstreppe auch noch mit. Das gleiche Modell E8000 wird auch in Leipzig, Berlin und München eingesetzt.

Die Münchner Flughafenfeuerwehr zählt mit 192 Planstellen zu den größten in Deutschland. Sie wacht im 24-Stunden-Dienst über das zweitgrößte Drehkreuz des Landes. Zu ihrer Ausrüstung zählen auch eine MAN-Drehleiter 19.414 FAC/4x4  und gleich vier Flugfeldlöschfahrzeuge MAN 38.1000 VFAEG 8x8 mit 13500 Litern Wasser und 1600 Litern Schaummittel. Ihre gigantischen Dachwerfer schaffen bis zu 70 Meter Wurfweite. Die sogenannten Hohlstrahldüsen der Hochleistungswerfer bestehen aus zwei Rohren: Durch das innere Rohr wird das Pulver gepumpt und durch das äußere Rohr das Wasser. Der ummantelnde Wasserstrahl trägt das Pulver weiter und zielgenauer zum Brandherd als bei den klassischen Werfern.

Die größte deutsche Flughafenfeuerwehr befindet sich in Frankfurt. Insgesamt vier Feuerwachen, die neueste nahe der neuen Landebahn Nordwest, sorgen für die Sicherheit des größten deutschen Verkehrsflughafens.

Am 9. Oktober wurde das dortige Gelände der noch nicht eröffneten Landebahn Nordwest für eine Großübung genutzt. Bei der Übung „SOGRO MANV 500“ („Sofortrettung bei Großunfall mit einem Massenanfall von 500 verletzten Personen“) wurde die Kollision zweier Flugzeuge simuliert. Über 500 Darsteller - darunter Soldaten und Schauspielschüler teilweise mit geschminkten martialischen Verletzungen - stellten neben Schaufensterpuppen die neben echten Flugzeugteilen liegenden Opfer dar, die von einem riesigen Aufgebot an Rettungskräften mit 450 Fahrzeugen vom Flughafen und aus der gesamten Region gerettet, versorgt und abtransportiert werden mussten.

Wie in der Katastrophenmedizin üblich, werden die Unfallopfer zunächst nach dem System der Triage gesichtet und in Kategorien der Hilfsbedürftigkeit eingeteilt. Dadurch sollen die begrenzten Kräfte möglichst effizient zur Hilfeleistung eingesetzt werden. Neu bei „SOGRO MANV 500“ waren dazu eingesetzte Armbänder mit RFID-Funkchips (RFID= Radio Frequency Identification), die vom Rettungspersonal mit tragbaren Kleincomputern ausgelesen werden konnten, wodurch sich die Erfassung der Unfallopfer wesentlich beschleunigte. Das Bundesforschungsministerium fördert Verbesserungen im Bereich „SOGRO“ mit insgesamt 3,2 Millionen Euro.

Die Arbeit der Feuerwehr endet aber nicht mit der Rettung. Erst wenn die Startbahnen und Rollwege wieder frei sind, kann der Flughafen zum Regelbetrieb zurückkehren. Deswegen gehören auch riesige Bergefahrzeuge zum Inventar der Flughafenfeuerwehren. Als erste Flughafenfeuerwehr weltweit besitzt die Frankfurter Flughafenfeuerwehr seit April 2010 sogar ein Bergefahrzeug für den Airbus A380. Das 140 Tonnen schwere Gerät, es besteht aus zwei fünfachsigen Doppelfahrzeugen mit Flügelauflagen und einem dreiachsigen Fahrzeug mit Bugauflage, wird mit Hilfe eines Flugzeugschleppers in Position gebracht. Das verunglückte Flugzeug wird zur schonenden Bergung durch Luftkissen angehoben. Der 2,5 Millionen Euro teure Anhänger kann eine A380 abschleppen, selbst wenn ihr Fahrwerk zerstört wurde oder nicht ausgefahren werden konnte. In diesem Fall wird zur Landung ein Schaumteppich ausgelegt, für den ein Beschäumungsfahrzeug zum Einsatz kommt. Diese Fahrzeuge in der Größe von Tanklastzügen können bis zu 40000 Liter Wasser und 5000 Liter Schaummittel befördern und mit bis zu 49 Sprühdüsen an ausklappbaren Trägern 13 Meter breite Landebahnabschnitte in einem einzigen Arbeitsgang beschäumen.

FLUG REVUE Ausgabe 01/2011

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke



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