09.07.2013
FLUG REVUE

NTSB: Erste Details zur Bruchlandung in San Francisco

Die Chefin der amerikanischen Unfall-Untersuchungsbehörde NTSB, Deborah Hersman, hat erste Details zum Unglück einer Boeing 777-200ER von Asiana Airlines in San Francisco gegeben. Demnach bestätigt sich, dass das Flugzeug im Landeanflug viel zu langsam wurde.

Die geborgenen Fluggdatenschreiber (FDR) und der Cockpit-Stimmrekorder (CVR) seien unter Bewachung von Federal Air Marshalls nach Washington D.C. gebracht worden, wo sich das NTSB-Untersuchungslabor befinde, so Hersman. Beide Geräte lieferten "gute" Daten.

Der CVR habe die letzten beiden Stunden vor dem Unglück aufgezeichnet. Die Crew habe demnach eine Freigabe zur Landung auf der Landebahn 28L gehabt und das Flugzeug mit Landeklappen in der Stellung 30 Grad und ausgefahrenem Fahrwerk zur Landung vorbereitet. Die Besatzung habe keinerlei Systemausfälle, Störungen oder Besonderheiten diskutiert und einen normalen Anflug ausgeführt.

Sieben Sekunden vor dem Aufschlag sei ein Kommando "Geschwindigkeit erhöhen" gegeben worden. Vier Sekunden vor dem Aufschlag sei der "Stickshaker" aktiviert worden. Bei dieser automatischen Warnung vor gefährlich niedriger Geschwindigkeit vibriert das Steuerhorn künstlich und es ertönt ein rasselndes Warngeräusch. 1,5 Sekunden vor dem Aufschlag sei, laut CVR, das Kommando zum Durchstarten gegeben worden.

Der Datenschreiber (FDR) habe die letzten 24 Stunden und damit den gesamten Flug aufgezeichnet. 1400 Parameter seien dokumentiert. Der Sinkfug des mit PW4090-Triebwerken ausgestatteten Flugzeugs sei im Leerlauf erfolgt. Die Triebwerke hätten normal reagiert. Das Flugzeug habe bis zum Unglück insgesamt 36000 Flugstunden und 5000 Flugzyklen absolviert. Die Geschwindigkeit habe deutlich unter der Sollgeschwindigkeit gelegen. Laut vorläufigen NTSB-Angaben lag sie statt bei 254 km/h zeitweise bei nur 191 km/h. Der Aufschlag erfolgte mit 196 km/h. 

NTSB-Chefin Hersman sagte, sie erwarte noch eine Woche lang Untersuchungen am Unglücksort und eine insgesamt 12- bis 18-monatige Untersuchungsdauer. Bei wichtigen Erkenntnissen werde das NTSB auch kurzfristige Bekanntmachungen veröffentlichen.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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