01.06.2016
FLUG REVUE

Dialog mit AirbusGrüne wollen grüner Fliegen

Die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung, Airbus, die Flugsicherung, mehrere Flughafengesellschaften und Gewerkschaften führen seit zwei Jahren Gespräche, um den Luftverkehr „grüner“ zu machen. Neue Technologien, ein einheitlicher EU-Luftraum und neue politische Regeln, aber auch Hilfen für die deutsche Luftfahrtforschung, sind ein Teil der erarbeiteten Vorschläge.

ILA 2016 Dialog Airbus Grüne - Grüner Fliegen

Dialog, um den Luftverkehr „grüner“ zu machen. Foto und Copyright: Steinke  

 

Der grüne Dialog mit Airbus passe für manche nicht ins Weltbild, sagte der Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Ralf Fücks, bei seinem ersten Besuch auf einer ILA. Dabei brauchten die Grünen den Dialog mit der Industrie, wenn sich langfristig etwas verbessern solle. Klimaneutrales Wachstum als Ziel reiche den Grünen nicht mehr aus. Der klassische Grüne Ansatz sei es, Flugreisen zu vermeiden und den Kurzstreckenflugverkehr auf die Bahn zu verlagern.

Fücks räumte ein, dass die eher gebildete und einkommensstarke Wählerschaft der Grünen selbst überdurchschnittlich viel fliege. „Wir haben ein schlechtes Gewissen beim Fliegen.“ Die Flugpreise sollten künftig stärker die „ökologischen“ Kosten des Fliegens abbilden. Dazu wollten die Grünen der Branche strengere politische Ziele setzen. Eine Selbstverwaltung des technischen Fortschritts durch die Branche reiche ihnen nicht.

Airbus-Konzernchef Tom Enders entgegnete, politische Rahmenbedingungen müssten weltweit einheitlich streng geregelt werden, etwa über die UNO-Zivilflugorganisation ICAO, aber nicht national. Die deutschen Airlines litten schon heute unter einseitig strengen Wettbewerbsbedingungen, die dem deutschen Heimatmarkt erkennbar schadeten. Luftfahrtforschung im Hochtechnologiebereich solle dagegen in Deutschland wieder national gefördert werden. Andere Länder täten dies bereits, während Deutschland bei der Wettbewerbsfähigkeit zurückfalle. Airbus stecke schon heute 90 Prozent seiner zivilen Forschungsmittel in die Verbesserung der Öko-Effizienz.

Technologisch wollen beide Seiten Biotreibstoff der nächsten Generation entwickeln lassen, der keinerlei für die Lebensmittelerzeugung nutzbaren Böden oder Wasservorräte verbraucht. Außerdem haben Siemens und Airbus in Ottobrunn ein neues Joint Venture zum Thema elektrisches Fliegen gestartet, in das beide Partner jeweils einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Die größte Ersparnis und Verbesserung der Umweltbilanz könne man aber durch eine Vereinheitlichung des europäischen Luftraums erzeugen, so die Partner. Wie diese seit Jahren angestrebte Vereinheitlichung aber politisch ins Rollen gebracht werden könnte, blieb offen. Beide Seiten wollen ihre Gespräche fortsetzen.

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
CFK-Flügelproduktion mit "aggressiver Rate" Northrop Grumman und Airbus forschen gemeinsam

18.10.2018 - Im Rahmen eines neues Kooperationsprogramms wollen Northrop Grumman und Airbus gemeinsam Flügel- und Strukturteile aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff entwickeln und bauen. … weiter

Größtes Flugzeug der Welt vor dem Erstflug Immer schnellere Rolltests bei Stratolaunch

15.10.2018 - Auf dem Mojave Air and Space Port hat das sechsstrahlige Trägerflugzeug Stratolaunch sein Rolltempo auf 130 km/h gesteigert. Damit tastet sich der Riese immer weiter an seinen Erstflug heran. … weiter

Erster Einsatz des Airbus A350-900 ULR Längster Linienflug der Welt landet in Newark

12.10.2018 - Ein Airbus A350-900 ULR von Singapore Airlines ist am Freitagmittag nach 17,5 Stunden Flugzeit in Newark gelandet. Der neue Zweistrahler kam nonstop aus Singapur. Er eröffnete damit den nun längsten … weiter

Ultralangstreckenflüge Top 10: Die längsten Nonstop-Linienflüge weltweit

12.10.2018 - Einige Interkontinentalflüge verbinden Metropolen, welche weit über 10000 km voneinander entfernt liegen. Welche Airline zurzeit den streckenmäßig längsten Nonstopflug anbietet und welche … weiter

Fraport gibt Anteile ab iCON kauft 30 Prozent des Flughafens Hannover

10.10.2018 - Die Eigentümerstruktur am Hannover Airport ist neu aufgestellt. Die iCON Flughafen GmbH hat die Anteile der Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide an der Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH … weiter


FLUG REVUE 11/2018

FLUG REVUE
11/2018
08.10.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Airbus A380 im Chartereinsatz: Ferienflüge statt Verschrottung
- Breitling-Team: Passagier im Kunstflug-Jet
- Cockpit-Innovationen: Smarte Avionik hilft Piloten
- Diamanten-Airline in Sibirien
- Satellitennavigation: Galileo für die ganze Welt