26.04.2015
Erschienen in: 08/ 2014 FLUG REVUE

Test-QuintettDer Testmarathon des Airbus A350

Fünf Airbus A350 XWB starten von Toulouse aus zu Testflügen. Von Hitze, Kälte und Gewittern bis zu Spritzwassertests und dem Funken sprühendem Schleifen des Hecks auf der Startbahn reicht das 2500 Flugstunden lange „Folterprogramm“.

Das ist sicher nicht die tollste Nachricht“, räumte Airbus-Verkaufsgeschäftsführer John Leahy zur Eröffnung der jährlichen Konferenz „Airbus Innovation Days“ am 11. Juni in Toulouse ein. Wenige Stunden zuvor hatte Emirates einen schon 2007 erteilten Großauftrag für ganze 70 Airbus A350 zugunsten größerer Boeing 777X storniert. Die ersten Kunden hätten bereits angerufen, um die frei gewordenen A350-Lieferpositionen in den Jahren 2019 bis 2023 zu übernehmen, tröstete sich Leahy. Die Abbestellung habe „absolut nichts“ mit den Leistungswerten der A350 zu tun, stellte er auf Nachfrage der FLUG REVUE klar. Airbus rechne in diesem Jahr sogar mit einem steigenden Auftragsbestand der A350, von der aktuell 742 Flugzeuge fest bestellt sind.

Um die aus aller Welt angereisten 150 Luftfahrtjournalisten von der unerfreulichen, aber nicht dramatischen Abbestellung abzulenken, zauberte Airbus schon am nächsten Tag kurzerhand eine ungewöhnliche Attraktion aus dem Ärmel: Die Firma lud zum einstündigen Mitflug in der Test-A350, MSN2, ein. An Bord von MSN2 sieht es, mit 220 Passagiersitzen, Küchen und Toiletten, bereits nach „richtigem“ Verkehrsflugzeug aus. Nur die zahlreichen Temperaturfühler, Sensoren, Schaltkästen und eine Ingenieurstation in der Rumpfmitte verraten das Testflugzeug. Die Airbus-Testpiloten Peter Chandler und Frank Chapman rollten um 10.50 Uhr mit ihren Passagieren um Start. Der beim Abheben mit reduzierter Leistung auffallend niedrige Kabinenlärmpegel lässt sich subjektiv schon fast mit dem der extrem leisen A380 vergleichen, in der einem beim Start das Rollgeräusch des Fahrwerks lauter vorkommt als der Triebwerkslärm. Leise und mühelos kletterte Flug AIB31CF nach dem Start in nördlicher Richtung auf eine Höhe von 9450 Meter (FL 310). Das beim Start 192 Tonnen schwere Flugzeug, davon 30 Tonnen Kerosin, erreichte danach auf Südkurs den Pyrenäen-Hauptkamm, wo, mit vorheriger Zustimmung der Testpiloten, eine Rafale der französischen Luftwaffe eine Abfangübung mit dem Flugzeug durchführte und es kurzzeitig in sicherem Abstand begleitete. Nach einer knappen Stunde setzte die A350 wieder sanft in Toulouse auf. Es war der 31. Flug von MSN2.

Als jüngstes und letztes Mitglied stieß am 20. Juni mit dem Jungfernflug auch MSN5 zur Flotte. Wie MSN2 verfügt sie über eine volle Kabineneinrichtung. Das jüngste Flugzeug im Testbestand ist auch die erste A350 im leicht verbesserten „Batch 2“-Serienstandard. Airbus will MSN5 deswegen auch für Präzisionsmessungen des Kraftstoffverbrauchs nutzen. Außerdem wird MSN5 von Doha, dem Heimatflughafen von A350- Erstbetreiber Qatar Airways, im Sommer Streckenerprobungsflüge durchführen. Auch Besuche anderer A350-Kunden sind geplant. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatte die Testflotte bei rund 500 Flügen schon über 2000 Flugstunden erflogen. Geplant sind 2500 Flugstunden bis zur Zulassung, bei durchschnittlich 80 Flugteststunden pro Flugzeug und Monat kein unlösbar erscheinendes Vorhaben. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das Type Certificate vor dem Ende des dritten Quartals schaffen“, sagt A350-Programmchef Didier Evrard. 70 Prozent der Zulassungsdokumente seien bereits an die EASA übergeben worden. „Ich habe gerade sehr viel damit zu tun, dass der erste Kunde sein Flugzeug ohne Probleme in Dienst stellen kann.“ Das erste Kundenflugzeug, MSN6, hat bereits die Endmontagestation verlassen und ist in die Ausrüstungshalle geschleppt worden. Nun wird bereits MSN7 endmontiert. Von heute zwei Flugzeugen soll die monatliche Produktionsrate bis zum Jahreswechsel auf drei und bis Ende 2015 auf fünf A350 wachsen. Ab Ende 2017 will Airbus dann sogar zehn A350 pro Monat bauen. Besonders für die 213 Airbus- A350-Zulieferer bedeutet dieser ehrgeizige Hochlauf Schwerstarbeit.


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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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