10.07.2017
Erschienen in: 07/ 2017 FLUG REVUE

Europas BranchenrieseAirbus — Weniger verkaufen und mehr bauen?

Airbus kitzelt die Flugzeugproduktion auf immer neue Rekord-höhen. Dafür spricht der sehr hohe Auftragsbestand. Aber was passiert, falls sich die weltweite Nachfrage weiter abkühlt?

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Die Konzernaufträge sind bei der Airbus Group weltweit gleichmäßig verteilt. Foto und Copyright: Airbus  

 

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Der Auftragseingang im ersten Quartal war schwach“, räumte Airbus-Konzernchef Tom Enders Ende April bei der Vorlage der Konzern-Quartalszahlen in Amsterdam ein. „Das war so vorhergesagt. Lassen Sie uns aber nicht vergessen, dass wir noch feste Bestellungen für 6700 Flugzeuge haben, die unsere steigenden Produktionsraten rechtfertigen. Die Programmumsetzung bleibt der Schlüssel für alle Geschäftsfelder“, gab Enders die Richtung vor.

Im ersten Quartal 2017 erhielt Airbus auf Konzernebene Bestellungen im Wert von 3,8 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum noch satte Aufträge im Wert von 7,2 Milliarden Euro gewesen. Immerhin stieg der Konzernumsatz im ersten Quartal 2017 um sieben Prozent, jener der Verkehrsflugzeugsparte Airbus Commercial Aircraft sogar um deutliche 13 Prozent auf konzernweit 13 Milliarden Euro. 136 Airbus-Verkehrsflugzeuge konnten ausgeliefert werden, gegenüber 125 im Vorjahresquartal. Darunter waren alleine 13 Airbus A350 – ein Programm, bei dem die Produktionsrate bis Ende 2018 sogar auf zehn Flugzeuge im Monat steigen soll. Eine Kraftprobe, denn Airbus muss den Einbau der verspätet angelieferten Inneneinrichtung noch nachträglich in Zelthallen auf dem Vorfeld bewerkstelligen. Der Zulieferstrom wird im Hintergrund aber auf die Re-kordrate vorbereitet, die dann ohne Zelthallen auskommt. Spätestens zwei Jahre vor der Auslieferung beginnt die Teileproduktion für ein Verkehrsflugzeug. Deswegen sind jetzt die Teile für 2018 längst bei den Zulieferern bestellt und im Bau.

A320neo Kommt nur langsam in Fahrt

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In Mobile, Alabama, startet Airbus parallel zur A321- nun auch die Endmontage der A320. Foto und Copyright: Airbus  

 

Trotz ihrer noch immer nicht ganz abgestellten Kinderkrankheiten, insbesondere mit den PW-Getriebefan-Triebwerken, wurden auch 26 Airbus A320neo an 14 Kunden ausgeliefert. Außerdem begannen die Flugerprobung des kleinsten Familienmitglieds A319neo, und die erste A321neo wurde ausgeliefert. Die A321neo ist der neue Superstar. Das längste Standardrumpf-Flugzeugmuster von Airbus hat sich vom Exoten der Familie zu deren Flaggschiff gemausert. Mit bis zu 240 Sitzen Passagierkapazität und interkontinentaler Reichweite profitiert das größte Familienmitglied am stärksten von den Leistungsverbesserungen der  neo-Generation. Schon lauert eine Reihe von Niedrigpreis-Airlines darauf, den besonders sparsamen Zweistrahler möglichst bald auf Transatlantikstrecken einzusetzen.

Hier könnte – vielleicht schon in Paris – Boeing, wie von uns berichtet, mit einer gestreckten 737 MAX 10 zum Gegenschlag ansetzen. Ebenfalls werden den Amerikanern Pläne nachgesagt, einen gänzlich neu konstruierten Mittelstrecken-Großraumjet zwischen der 737 MAX und der 787 am Markt platzieren zu wollen, also leicht oberhalb des bislang unangefochtenen Marktsegments der A321neo und unterhalb der A330neo. Mit dem möglichen, auch schon inoffiziell als „Boeing 797“ titulierten Muster könnte sich für Airbus die Frage stellen, ob und wie man selber reagiert. Airbus hätte hier die Option, die A321 mit einem neuen ­Flügel nochmals zu strecken. Schon deuten Maßnahmen zur durchgehenden Digitalisierung der A320-Konstruktionspläne und der testweise Bau eines einteiligen CFK-Flügelkastens in diese Richtung. Unabhängige Marktanalysen sagen, so Airbus, ein weiterhin steigendes Luftverkehrsaufkommen voraus. Deswegen bleibe man bei der Vorhersage, im Gesamtjahr 2017 rund 700 Verkehrsflugzeuge ausliefern zu können.


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Sebastian Steinke


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