12.06.2017
FLUG REVUE

Elfer-Sitzreihen und kleinere TreppenAirbus will A380-Kabine verdichten

Mit einem ganzen Maßnahmepaket für die Kabine will Airbus die Passagierzahl an Bord der A380 um 80 Passagiere erhöhen, um damit die Betriebskosten pro Sitz zu senken.

Airbus A380 Kabinenkonzept John Leahy

Der Airbus-Geschäftsführer für den Bereich Verkauf, John Leahy, will den Airlines eine deutlich verdichtete A380-Kabine für mehr Profitabilität und Umsatz schmackhaft machen. Foto und Copyright: Steinke  

 

Bei einer Präsentation vor Journalisten am Freitag in Toulouse, an der auch die FLUG REVUE teilnahm, stellte der Airbus-Geschäftsführer für Verkauf, John Leahy, eine Produktentwicklungsstudie vor, die den Einbau von 80 zusätzlichen Sitzen in den Doppelstockriesen ermöglichen würde.

Dazu zählen Änderungen in allen Bereichen der Kabine: Die breite Passagiertreppe zum Oberdeck im Bug würde durch eine kleinere, steile Treppe für Flugbegleiter ersetzt, so dass Kabinenfläche in beiden Etagen gewonnen würde. Auch die Hecktreppe würde verkleinert und auf den rein internen Gebrauch der Flugbegleiter beschränkt.

Das Oberdeck würde künftig vor allem mit Schlafsitzen der Business Class in diagonaler Anordnung 1+2+1 gefüllt, deren Fußende schräg unter die Außenwände reicht. Die bisherigen Staufächer dort würden entfallen. Außerdem erwägt Airbus, das hintere Türpaar im Oberdeck stillzulegen, um weitere Sitze einzubauen. Bei  Business Class-Bestuhlung wäre dies nach Passagierzahl möglich, allerdings wäre die relativ hohe Entfernung zum nächsten Oberdeck-Notausgang, nahe des Flügels, an der Grenze des Erlaubten. Im Bug des Oberdecks, anstelle des heutigen "Treppenhauses" fände eine neue First Class-Küche Platz. Dahinter könnte man optional ein Luxusabteil mit Suiten einbauen.

Das Hauptdeck würde mit Sitzen der Economy und Economy Plus gefüllt. Die Sitzanordnung würde in der regulären Economy auf elf pro Reihe verdichtet. Airbus hat ein Patent angemeldet, nach dem man die beiden äußeren Fenstersitze jeder Reihe leicht höher anordnen würde, um dadurch die äußeren Fluggäste leicht erhöht und dadurch mit etwas mehr Abstand zur Wandrundung zu platzieren. Alle Sitzträger und Stuhlbeine halten künftig den Fußraum frei. Laut Airbus wahrt jeder Passagiersitz, auch bei der neuen Elfer-Bestuhlung, eine Breite von 18 Zoll. Damit sitze man in einer A380 weiterhin bequemer, als in vielen Konkurrenzmodellen.

Die Schlafräume der Piloten im Bug werden mit einem neuen Ruheraum der Flugbegleiter im Unterdeck zusammengelegt. Dort erhalten die Piloten eine separate Zone mit Trennwand. Im Bug des Hauptdecks, direkt hinter dem Cockpit, werden dagegen Toiletten der Economy Plus installiert.

 

Laut Airbus ließen sich folgende Sitze gewinnen:

Elferreihen: 23 Sitze

Zusammengelegter Ruheraum der Besatzung: 3 Sitze

Premium Economy mit Neunerreihen: 11 Sitze

neue Hecktreppe: 14 Sitze

neue Bugtreppe: 20 Sitze

Sitzeinbau anstelle von Türpaar 3 im Oberdeck: 8 Sitze

Entfall der Seitenschränke im Oberdeck: 6 Sitze

 

Interessenten oder mögliche Kunden für die neue Kabinenvariante sind noch nicht bekannt. Die A380 leidet unter einer Auftragsflaute, welche durch moderne Großraum-Zweistrahler erzeugt wird, die fast zu den Kosten einer A380 bei wesentlich niedrigerem wirtschaftlichen Risiko betrieben werden können. Rechnerisch läge die A380 mit verdichteter Bestuhlung wieder vor ihren kleineren Konkurrentinnen. Allerdings befürchten viele Airlines, die bei den Passagieren besonders beliebte A380 nur in der Hauptsaison oder auf wenigen Strecken auslasten zu können.

Airbus reagierte bereits mit einer starken Senkung der Produktionsrate. Während 2016 noch 28 neue A380 ausgeliefert wurden, soll bis 2018 nur noch ein Flugzeug pro Monat "oder weniger" (Airbus) produziert werden.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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