23.03.2017
FLUG REVUE

Ost-RiesenAntonows größte Frachter

Schwerste Lasten und schlechteste Pisten? Wenn es beim eiligen Frachttransport in Krisengebiete ums Ganze geht, springen Spezialairlines aus der Ukraine und Russland mit ihren Antonow-Frachtern ein. Die bringt so schnell nichts aus der Fassung.

Der Himmel über der staubigen Piste des Flughafens von Gao in Mali füllt sich mit einem tiefen Brummen, noch bevor man die Antonow An-22A sieht. Erst dann erkennt man im Hitzeflimmern den anfliegenden Frachter an seinen vier Landescheinwerfern in den Fahrwerkswülsten und in den Flügelvorderkanten. Sanft setzt der viermotorige Riese, der über eine maximale Startmasse von 250 Tonnen verfügt, mit seinen acht gegenläufigen Propellern auf dem Sandboden nahe des Flusses Niger auf und wirbelt hinter sich eine turmhohe, rötliche Staubwand auf. Wie ein gewaltiger Jeep rollt das größte Turbopropflugzeug der Welt hochbeinig auf der afrikanischen Buckelpiste aus. Springend, nickend und mit imposant federndem Fahrwerk pariert der nun ohne den aerodynamischen Auftrieb seiner Flügel immer träger werdende Gigant Bodenwellen und Erdlöcher und kommt schließlich am Wendekopf der Behelfslandebahn zum Stehen. Mit einseitigem Schub auf dem rechten Triebwerk Nummer vier wendet der 42 Jahre alte Oldie auf seinen 14 Rädern mit tiefem Dröhnen und schrillem Triebwerkspeiffen, bevor ihn das enge Rollmanöver bald in seine eigenen Staubwolke einhüllt. Willkommen in Gao!

Alleine am Gao International Airport landete das größte Propellerflugzeug der Welt, die Antonow An-22A Antei, seit Dezember sieben Mal. Bei Hilfsflügen aus Europa für die UN-Stabilisierungsmission MINUSMA und bei unterstützenden Flügen wurden mit der Ukrainerin UR 09307 von Antonov Airlines bei insgesamt 39 Flügen und in 141 Flugstunden 246 Tonnen Fracht nach Mali gebracht, mehrfach – wie heute beim Flug aus Leipzig – mit Tankstopp in Algier. Die Antonow An-22A ist, wie nur wenige Flugzeugmuster, für die extrem rauen Bedingungen Malis geeignet, denn Staub und aufgewirbelte Erdbrocken werden den meisten Jets und auch modernen Turboprops mit weniger Bodenfreiheit leicht gefährlich. Bei Antonow spottet man, gegen den robusten Sowjet-Oldie seien westliche Transporter nur „Paketfrachter“. In der Tat mieden französische und deutsche Airbus A400M nach ersten Probeflügen wegen der Gefahr von Propellerbeschädigungen Gaos holprige Staubpiste. Laut Antonow könnte keine An-12, C-130 oder Il-76 auf Landepisten dieser Qualität mehr Fracht auf einmal anliefern.

fr 03-2017 Antonow An-Frachter (01)

Spektakuläre Autobahnüberquerung in Leipzig. Foto und Copyright: Uwe Schlossig / Flughafen Halle Leipzig  

 


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