26.07.2015
Erschienen in: 04/ 2013 FLUG REVUE

Gletscherlandung auf RädernBoeing 737 in der Antarktis

Für Forscher des norwegischen Polarinstituts flog PrivatAir erstmals mit einer regulären Boeing 737-700 ins ewige Eis.

Troll Airfield, Antarctica, ICAO-Flughafenkürzel „AT27“. Dies ist eine drei Kilometer lange Piste aus purem, sogenanntem „blauen“, Eis in den weißen Weiten der Antarktis. Rund 235 Kilometer ist die Küste von hier aus entfernt. Jedes Ölfass, jeder Liter Kerosin muss mühsam von dort hierher auf 1230 Meter Höhe geschleppt werden. Seit 1989 unterhält Norwegen hier, am Rande des eisfreien Felsengebirges und damit auf festem Grund, eine kleine Forschungsstation namens Troll. Hier, in einer kleinen Ansammlung von Containern, Zelten und spartanischen Fertighäusern, werden UV-Strahlung und Gletscherveränderungen gemessen und weitere physikalische und biologische Forschungsarbeiten durchgeführt. Wenn bei uns im Norden der Winter herrscht, genießt die Südhalbkugel sommerliche Hochsaison und die Antarktis Flugwetter. Dann schwillt die Zahl der Forscher in Troll von acht im Winter auf über 30 an.

Als Verkehrsmittel dienten bislang rustikale, viermotorige Militärtransporter, wie die Iljuschin Il-76 oder die Lockheed C-130 Hercules mit Skifahrwerk. Sie scheiden vergleichsweise viel Abgas in der sonst völlig unberührten Antarktisluft aus und verbrauchen viel Kerosin, das wegen der langen Transportwege hier unten fast den Literpreis von Champagner kostet. Deshalb war im Auftrag der Norweger in der nun gerade zurückliegenden „Sommersaison“ erstmals eine zweistrahlige Boeing 737-700 in Troll. Der reguläre BBJ von PrivatAir sollte das exotische Ziel wirtschaftlicher und umweltfreundlicher, mit weniger CO2-Ausstoß, bedienen.

Das Flugzeug mit dem Kennzeichen HBIIQ, Baujahr 1999, ist vielen deutschen Lesern sicherlich schon aus seiner Zeit in Düsseldorf bekannt, von wo aus es für PrivatAir seit 2002 und bis August 2009 im Auftrag von Lufthansa mit einer reinen Business-Class-Bestuhlung nach Newark bei New York pendelte. Für den jetzigen Passagierflug dieses zivilen Verkehrsflugzeugs mit Radfahrwerk in die arktische Wildnis waren umfangreiche Vorbereitungen nötig.

„Wir haben uns rund eineinhalb Jahre auf diesen Flug vorbereitet“, erläutert PrivatAir-Kapitän Dennis Kaer, der bei der 737-Premiere am 28. und 29. November 2012 am Steuer saß, im Gespräch mit der FLUG REVUE seine Planungsarbeit. Der Däne Kaer ist bei PrivatAir seit über fünf Jahren auch für die Risikobewertung, Prüfung und Planung von Langstrecken zuständig.


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flugrevue.de/Sebastian Steinke


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