12.04.2016
Erschienen in: 04/ 2016 FLUG REVUE

Größter Zweistrahler der WeltBoeing 777-300ER für Swiss

Mit der Boeing 777-300ER beginnt für die Schweizer Lufthansa-Tochter eine neue Ära im Langstreckenverkehr. Neun der größten Zweistrahler der Welt übernehmen die globalen Hauptstrecken.

Es dürfte heutzutage die Ausnahme sein, dass die Landung einer gewöhnlichen Boeing 777-300ER, von der schon über 580 weltweit fliegen, Hunderte von Zuschauern am frühen Morgen eines eher unfreundlichen Januartages zum Flughafen lockt. Doch in Zürich-Kloten geschah genau das am 29. Januar, als die erste 777 für Swiss aus Everett kommend nach 10 Stunden und 21 Minuten Flugzeit auf der Landebahn aufsetzte. Der Flug wäre noch etwas kürzer zu bewältigen gewesen, wäre da nicht die Ehrenrunde ums Matterhorn hinzugekommen, eskortiert von zwei F/A-18-Kampfjets der Schweizer Luftwaffe. „Unsere Piloten auf diesem Flug waren vorher bei der Luftwaffe, und dies waren Freunde von ihnen. Daher war die Eskorte Ehrensache“, sagte später Ola Hansson, 777-Flottenchef bei Swiss, gegenüber der FLUG REVUE.

Große Feier

Swiss machte daraus gleich einen großen Feiertag, mit Lokalpolitikern, Ehrengästen sowie gleich drei aktuellen oder ehemaligen Vorstandsvorsitzenden: Christoph Franz, inzwischen in der Pharmaindustrie tätig, Harry Hohmeister, elf Jahre an der Spitze von Swiss und jetzt wieder in der Lufthansa-Chefetage in Frankfurt, sowie seinem Nachfolger Thomas Klühr – allesamt von der Konzernmutter abgeordnete Deutsche. „Das ist ein historischer Tag für die Schweiz und unser erster Schritt in die Zukunft“, pries Harry Hohmeister die Ankunft der ersten von neun bestellten Boeing 777-300ER. Bis August sollen bereits sechs der Zweistrahler ausgeliefert sein und die ersten der 15 vierstrahligen Airbus A340-300 ersetzen. Mit durchschnittlich 14 Jahren sind diese nicht mehr taufrisch und außerdem unwirtschaftlich. An der Seite der 777 werden weiterhin 14 zweistrahlige Airbus A330-300 fliegen, die im Schnitt viereinhalb Jahre alt sind.

In 109 Tagen Produktionszeit ist das neue Swiss-Flaggschiff mit dem Kennzeichen HB-JNA, Werknummer 1363, in Everett entstanden. Die Fluggesellschaft hatte erst Anfang 2013 bestellt, und Flottenchef Ola Hansson erklärt die Hintergründe: „Wir haben sie relativ günstig und relativ schnell bekommen. Die Boeing 787 ist zu klein für uns, und die A350 hätten wir erst 2019 bekommen können. Wir brauchten aber jetzt neue Flugzeuge.“ Zwei weitere 777 werden 2017 an Swiss ausgeliefert, die zunächst letzte 2018, „aber ich hoffe, es werden noch mehr 777“, so Harry Hohmeister.

Stufenplan für den globalen Einsatz

Die neuen Langstreckenjets fliegen bei Swiss unter der Betriebslizenz (AOC) von Swiss Global Air Lines, der früheren Swiss European Air Lines. Unter demselben Dach sind noch 16 Avro RJ100 aktiv sowie die ab Sommer eintreffenden ersten Bombardier-CSeries-Regionaljets. Die gesamte Airbus-Flotte fliegt dagegen unter dem AOC von Swiss International Air Lines.

„Swiss Global hat günstigere Kosten, wie viel günstiger, sagen wir nicht, aber Sie können davon ausgehen, dass wir das nicht nur wegen drei Prozent Ersparnis machen würden“, sagte Harry Hohmeister. Zwei Drittel der bisher 50 ausgebildeten 777-Piloten kommen von Swiss International, insgesamt braucht Swiss 155 Flugkapitäne und Erste Offiziere für ihre 777-Flotte.

Die Kabine der Swiss-777 ist mit 340 Sitzen ausgestattet. Acht Suiten in der First Class verfügen über riesige 32-Zoll-Bildschirme. In der Business Class sind zwölf der 62 Plätze einzelne „Thronsitze“, mit breiten Tischen an beiden Seiten. Die Anordnung variiert zwischen 1-2-2 und 2-2-1 pro Reihe. In der Economy Class mit 270 Sitzen gibt es jetzt eine Selbstbedienungstheke in der mittleren Bordküche, außerdem USB-Schnittstellen und 11-Zoll-Bildschirme an jedem Platz.

Eine wirkliche Neuerung unter großen europäischen Airlines ist die Möglichkeit, bei der Schweizer Fluggesellschaft in der 777 künftig auch das gebührenpflichtige Roaming für die Sprachtelefonie mit dem eigenen Mobiltelefon zu nutzen. Besonders die Mutter Lufthansa hatte sich bisher vehement dagegen ausgesprochen. Swiss will das Telefonieren zunächst für ein Jahr testen, geht aber davon aus, dass es dauerhaft angeboten werden kann.

Nach ersten Personal-Schulungsflügen in Palma de Mallorca und zweiwöchigen Einsätzen auf dem Europa-Streckennetz, unter anderem nach Frankfurt, wechselte der Großraumjet am 21. Februar auf die Strecke nach New York-JFK. Ab Ende März befliegt er die Strecke nach Montreal, um, so Ola Hansson, den Piloten die nötigen ETOPS-Trainingsstunden zu vermitteln. Ab Mitte April folgt der Einsatz auf einer für diese Flugzeuggröße idealen Route, nach Hongkong. Als Nächstes werden Los Angeles, Bangkok, San Francisco und São Paulo bedient. Einen so großen Bahnhof wie in Zürich Ende Januar wird es dann aber vermutlich nicht mehr geben.

FLUG REVUE Ausgabe 04/2016



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