14.11.2013
FLUG REVUE

Schlechtere Bezahlung im Austausch für StandortsicherungBoeing 777X: Gewerkschaft lehnt neue Vertragsbedingungen ab

Im Tauziehen um die Ansiedlung des künftigen Boeing 777X-Programms hat sich die Flugzeugbau-Gewerkschaft IAM gegen die von Boeing vorgeschlagenen Bedingungen am Standort Everett ausgesprochen. Damit droht eine Verlagerung des Endmontagestandortes.

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Die nächste Generation der Boeing 777 besteht aus den Mitgliedern Boeing 777-8 und Boeing 777-9. Hier gemeinsam mit der Boeing 787-9 und der künftigen Boeing 787-10. Foto und Copyright: Boeing  

 

Eine Zweidrittelmehrheit der Gewerkschaftsmitglieder des für Everett maßgeblichen Unterbezirks 751 der Gewerkschaft "International Association of Machinists" (IAM) habe die von Boeing gemachten Vorschläge am Mittwoch abgelehnt, meldete die Zeitung "Seattle Times". Die von der IAM-Gewerkschaftsführung befürwortete, aber nun von den Mitgliedern abgelehnte, Lösung habe unter anderem Kürzungen bei der Altersversorgung der Bestandsmitarbeiter und wesentlich langsamere Beförderungen für neu eingestellte Mitarbeiter vorgesehen, so die Zeitung. Auch hätten die Gewerkschafter damit das Boeing-Angebot einer noch vor Weihnachten auszuzahlenden "Frühlingsprämie" in Höhe von 10000 Dollar ausgeschlagen. Sie hätten sich im Gegenzug bis 2024 zu einem Streikverzicht verpflichten müssen.

Boeing stellt zur Zeit die Weichen für die nächste Generation der Boeing 777. Die 777X wird, vermutlich noch auf der Dubai Air Show, in den Rang eines Programms erhoben. Der größte Zweistrahler der Welt wird bislang alleine in Everett produziert. Die nächste Generation der 777X soll einen neuen Flügel aus Verbundwerkstoff erhalten und dank neuer Triebwerke, besserer Aerodynamik und leichterer Bauweise noch leistungsfähiger werden. Die Indienststellung ist für das Jahr 2020 vorgesehen.

Die gewerkschaftlich traditionell streng organisierten Flugzeugbauer in Seattle gelten als besonders erfahren und produktiv, aber auch als höher bezahlt und streikfreudig. Wegen niedrigerer Kosten hatte Boeing bereits eine zweite Endmontagelinie der 787 in Charleston angesiedelt. Auch für die 777X werden andere Standorte erwogen. Der Bundesstaat Washington hatte erst am Wochenende Steuererleichterungen in Höhe von 8,7 Mrd. Dollar über 16 Jahre für Boeing beschlossen, falls Boeing das 777X-Programm wieder in Everett ansiedele. 56000 Arbeitsplätze im Bundesstaat hängen vom Luftfahrtsektor ab.

Ray Conner, Chef von Boeing Commercial Airplanes, äußerte sich enttäuscht über das Mitgliedervotum der Gewerkschaft. Man müsse nun den Vorgang noch einmal öffnen und unter Wettbewerbsfähigkeitsgesichtspunkten neu bewerten. Boeing habe auf ein anderes Ergebnis gehofft.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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