23.10.2013
FLUG REVUE

Flicken statt SektionstauschBoeing 787-Reparatur in London beginnt

Der wegen eines Brandschadens seit dem 12. Juli in London-Heathrow gestrandete Dreamliner ET-AOP von Ethiopian Airlines wird repariert. Nach Medienangaben aus Seattle hat Boeing beschlossen, einen maßgeschneiderten Flicken an die Schadensstelle zu setzen.

Boeing 787-8 Ethiopian Airlines

Der parkend durch einen Brand im Notsender beschädigte Dreamliner ET-AOP von Ethiopian Airlines wird durch einen Flicken repariert. Foto und Copyright: Boeing  

 

Die "Seattle Times" berichtete unter Bezugnahme auf Boeing-Mitarbeiter, das Unternehmen habe zur Herstellung des Flickens eigens eine neue Hecksektion in North Charleston produziert, aus der nun die maßgeschneiderte Flickstelle ausgeschnitten werden könne. Außerdem liefere diese Sektion einen Vorrat an Reparaturmaterial für mögliche, künftige Schadensfälle. 

Die von Boeing bislang nicht näher erläuterte Reparatur bestehe, laut Angaben der Zeitung, aus mehreren Abschnitten. Zunächst werde die durch den Brand schwer beschädigte Rumpfhaut im Dachbereich der Kabine auf Höhe der hinteren Türen ausgeschnitten. In dieser rechteckigen Öffnung mit abgerundeten Ecken werde der genau passende Flicken eingebaut. Seine Ränder würden dann mit einer speziellen Siegelmasse verschlossen. Anschließend werde ein weiterer, überlappender Flicken von innen auf die Austauschstelle geklebt. Dabei würden durch Vakuumsäcke fixierte Heizmatten und Spezialklebstoff verwendet. Schließlich müssten noch die Längsträger der Flugzeugstruktur an der Flickstelle komplettiert werden. Dies geschehe ebenfalls unter genau vorgeschriebenen Temperatur- und Druckbedingungen. Die nun favorisierte Lösung sei weniger aufwändig, als die gesamte Hecksektion zu tauschen, alle Leitungen und Kabel zu trennen und dann wieder mit Heckspitze und mittlerem Rumpf zu verbinden. Boeing rechne mit einer Reparaturdauer von fünf Wochen.

Zur Zeit steht das Flugzeug, umgeben von Arbeitsbühnen, unter einem provisorischem Gerüst-Zeltdach auf dem Vorfeld in London-Heathrow. Das komplette Seitenleitwerk der 787-8 ist bereits abgenommen worden. Die komplizierte Reparatur an einer strukturell besonders anspruchsvollen Stelle des Rumpfes wird branchenweit mit großem Interesse verfolgt. Es dürfte sich im Bereich Passagierluftfahrt um die bislang größte Reparatur einer Struktur aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff handeln.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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