11.10.2017
Erschienen in: 04/ 2015 FLUG REVUE

DesignvielfaltLack und Folien für Flugzeuge

Ein kleines, aber höchst engagiertes Team sorgt bei Lufthansa Technik in Hamburg dafür, dass Flugzeuge nicht nur ordentlich beschriftet, sondern auch fantasievoll lackiert werden.

Als die Boeing 747-8 startete, um die deutsche Fußballnationalmannschaft aus Brasilien heimzuholen, trug sie zwar schon den Aufkleber „Fanhansa“ statt „Lufthansa“, aber das Endspiel stand noch bevor. Nun, wir alle wissen inzwischen, wie die WM ausgegangen ist, und wir alle kennen den „Siegerflieger“ der Lufthansa, aber – was wäre gewesen, wenn? „In der Tat waren wir auch darauf vorbereitet“, schmunzelt Frank Koch von Aviation Graphic Solutions, eben jenem kleinen, engagierten Team bei LHT, „und wir hatten auch für diesen Fall entsprechende Folien an Bord. Dann würde der Jumbo heute mit einem herzlichen ‚Danke, Jungs!‘ durch die Welt fliegen, aber der ‚Siegerflieger‘ ist uns natürlich allen viel lieber.“

Das alles sind jedoch nur die Sahnehäubchen auf der täglichen Routine, die in der sogenannten „technischen Groß- und Kleinbeschriftung“ für Flugzeuge besteht, letztere wiederum wird in solche für den Rumpf und solche für die Kabine unterteilt. „Wir beschriften praktisch alle Flugzeuge unserer Muttergesellschaft“, sagt Frank Koch, und das geschieht in der Regel mit Klebefolien. Nur manchmal, vor allem im VIP-Bereich, wünschen die Kunden die Ausführung im Siebdruck oder gar lackiert. Großbeschriftungen, wie beispielsweise der Schriftzug LUFTHANSA, werden fast immer lackiert, denn sie sind für längere Zeit gedacht.

„Wenn jedoch ein Airbus beispielsweise frisch vom Band zur Flotte stößt, dann ist er schon beim Hersteller komplett beschriftet worden. Erst bei Neulackierungen nach diversen Checks kommen wir wieder ins Spiel.“ Weil aber in Hamburg bereits seit geraumer Zeit nicht mehr lackiert wird, liefern die „Schriftenmaler“ aus Hamburg komplette Foliensets an ihre Kollegen an Paint Shops in aller Welt.

Die verwendeten Spezialfolien gibt es in allen Farben, vor allem aber in normaler Qualität für den Innenraum und in teuren Spezialausführungen für die Außenhaut eines Flugzeuges. „Solch eine Folienbahn können Sie sogar heiß und damit weich machen und sich darauf legen, bis Ihr Körperabdruck beim Erkalten zurückbleibt. Nach nur einem Tag Wartezeit hat die Folie wieder ihren ursprünglichen Zustand eingenommen, ohne irgendwelche Spuren.“

Solche Eigenschaften sind vor allem deshalb wichtig, weil sich ja die Bildfolie oder die Lackierschablone jedem kleinen Vorsprung auf dem Rumpf oder der Seitenflosse anpassen muss, ohne dass das Bild dabei verzerrt wird.

„Apropos Verzerrung“, sagt der erfahrene Schriftenmaler, „oft genug nehmen wir Computerprogramme zu Hilfe, um die optimale Bildwirkung zu erzielen.“ Als beispielsweise im Jahr 2006 die Fußball-WM in Deutschland stattfand, erhielten zahlreiche Lufthansa-Flugzeuge eine „Fußball-Nase“ mit dem damals noch üblichen Design der Bälle. Diese Bälle aber sind rund, während ein Flugzeugradom ogival geformt ist, was letztlich bedeutet, dass man die Fünf- beziehungsweise Sechsecke nicht einfach auf diese Form übertragen konnte. „Eine ziemliche Zirkelei war das“, erinnert sich Koch, „und wenn zum Schluss niemand einen schiefen Eindruck hatte, dann haben wir wohl unseren Job gut gemacht.“

Selbstverständlich sind alle Formen der Sonderbemalung wie bereits erwähnt Sahnehäubchen, aber auch große Herausforderungen für das Hamburger Team. Oft genug kommen die Kunden schon mit ganz konkreten Vorstellungen für die Gestaltung der Bemalung, aber nicht selten müssen ihnen die LHT-Designer auch sagen, dass sich die Idee so nicht umsetzen lässt. „Das Problem besteht einfach darin, dass die beauftragten Agenturen ihre Entwürfe zweidimensional am Computer erstellen. Am Ende muss aber das Bild dreidimensional wirken, Schriftzüge müssen auch zu lesen sein, wenn das Flugzeug gerade gestartet ist; wichtige Bildaussagen dürfen nicht von den Tragflächen verdeckt werden, und, und, und ...“. Frank Koch weiß da von einigen Auseinandersetzungen zu berichten.

„Bei der Gestaltung der Retrojets unseres Mutterkonzerns, ausnahmslos Flugzeuge der A320-Flotte im Lufthansa-Design der fünfziger Jahre, haben wir sogar ein maßstabsgetreues Modell gebaut und damit getestet, ob sich das Design einer frühen Convair Coronado tatsächlich auf eine A320 übertragen lässt. Ganz so einfach ging es dann doch nicht, aber das Ergebnis hat überzeugt: Viele Fans in aller Welt betrachten unseren Entwurf als den schönsten unter allen Retrojets dieser Welt. Ein größeres Lob kann es gar nicht geben!“

Wenn es sich irgendwie ermöglichen lässt, erstellen die Designer ihre Folien nicht nur am Computer und drucken sie an großen Plottern aus, sondern sind auch dabei, wenn die Folien aufgebracht werden. Das betrifft natürlich nicht die „Normalausstattung“ innen und außen, denn da kennen sich die Kollegen in den Lackier- und Ausstattungshallen selbst bestens aus.

Sonderbemalungen aber haben ihre eigenen Gesetze. „Ein Lufthansa-Seitenleitwerk könnten wir auch bekleben“, sagt Koch, denn die Folien sind lichtecht und verblassen sogar bei intensiver Sonnenstrahlung am Äquator oder mit hohem UV-Anteil über den Wolken nicht. Auch die „Fanhansa“-Maschinen sollen bis zur nächsten Fußball-EM so weiterfliegen, was an die Folien schon einige Forderungen stellt. „Für die hauchdünnen Aufkleber haben wir zuletzt einen kleinen Trick“, verrät Frank Koch: „Nach dem Auftragen werden die Kanten mit Klarlack versiegelt, so dass es keine Luftwirbel und Ablösungen geben kann.“ So wird jede Bemalung zu einer fliegenden Visitenkarte des Hamburger Design-Teams.

FLUG REVUE Ausgabe 04/2015

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Matthias Gründer


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