07.12.2016
FLUG REVUE

FLUG REVUE-Reihe: Faszination Drohnen (2)Drohnen im kontrollierten Luftraum

Unbemannte Flugzeuge dürften schon bald den Luftraum bevölkern. Die Briten testen bereits praktisch, wie man Drohnen sicher im kontrollierten Luftraum betreibt.

BAE Systems Jetstream 31 Drohnentest

Diese Jetstream 31 von BAE Systems ist derzeit als "Drohne" im kontrollierten Luftraum unterwegs. Die Piloten an Bord sind nur noch für Start und Landung zuständig, danach übernimmt eine Bodenstation die Kontrolle. Foto und Copyright: BAE Systems  

 

Ab dem Jahr 2020 will Großbritannien unbemannte Drohnen im kontrollierten Luftraum, also dem Bereich der Verkehrsluftfahrt, zulassen. Seit diesem Winter testen die Briten mit einer Jetstream 31 aus dem Bestand von BAE Systems, wie sich diese Flüge praktisch gesehen einbinden lassen. Nur bei Start und Landung werden die beiden Testpiloten an Bord aktiv, der Rest der Testflüge findet autonom statt und wird von einer Bodenstation und mitfliegenden Test-Ingenieuren überwacht. 

Seit diesem Winter pendelt die Jetstream testweise zwischen Warton und Inverness in Schottland. An Bord sind acht Kameras installiert, darunter eine Infrarot-Kamera, um ohne die Nutzung von Radar die Wetterlage im Flugverlauf zu beobachten und als gefährlich erkannten Wolken automatisch auszuweichen. Ein Kollisionswarnsystem beobachtet außerdem den restlichen Flugverkehr und reagiert darauf mit eigenen Ausweichmanövern. Zusätzlich werden fliegende Hindernisse auch rein optisch per Kamera aufgespürt.

Allen Anweisungen der Flugsicherung folgt die Drohne durch Fernsteuerung durch die Bodenstation. Allerdings brauchen deren Befehle jeweils zwei Sekunden, bis sie an Bord eingehen. Schließlich kann die Drohne durch ständige Infrarot-Beobachtung der Bodenoberfläche im Falle von schweren Störungen jederzeit eine geeignete Notlandefläche ermitteln.

BAE Systems Jetstream 31 Kabine beim Drohnentest

An Bord der Jetstream fliegen Test-Ingenieure mit, die das Verhalten der "Drohne" überwachen. Foto und Copyright: BAE Systems  

 

Die Versuche folgen einer vor zehn Jahren begonnenen Testreihe, die sich vor allem mit kleineren Drohnen beschäftigte. Die jüngste Reihe mit einem zweimotorigen Verkehrsflugzeug könnte neben militärischen Anwendungen, etwa dem Betrieb schwerer Militärdrohnen im zivilen Luftraum, auch Erkenntnisse für den zivilen Drohnenbetrieb liefern.

Das EU-Projekt SEASR erwartet im Jahr 2050 bereits einen Anteil von 20 Prozent unbemannten Flugzeugen im kontrollierten Luftraum. Vor allem dürfte es sich um Frachter handeln, aber auch Passagierflugzeuge könnten zu verminderten Besatzungen, etwa Einmanncockpits mit Bodenunterstützung, übergehen.

Weitere Teile unserer Serie "Faszination Drohnen":

1) Drohnen als fliegende Arbeiter
2) Drohnen im kontrollierten Luftraum
3) Drohneneinsatz im Rettungsteam
4) Volocopter VC200 - Die bemannte Drohne aus Deutschland
5) Drohnenschwarm als Werbeträger
6) Erste Drohne im Linienverkehr

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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