12.01.2016
Erschienen in: 01/ 2016 FLUG REVUE

FlugerprobungMitsubishi MRJ fliegt

Mehr als drei Jahre später als ursprünglich geplant hat der Mitsubishi Regional Jet seine Flugerprobung aufgenommen. Bis zur geplanten Indienststellung bei All Nippon Airways bleiben nun nur rund 18 Monate. Weitere Verspätungen wären fatal.

Knapp sieben Jahre nach dem Programmstart des Mitsubishi Regional Jet (MRJ) war es am 11. November so weit: Der Prototyp des ersten in Japan entwickelten und gebauten Jet-Airliners beschleunigte gegen 9:35 Uhr Ortszeit auf der Startbahn des Flughafens Nagoya-Komaki und hob zum lange erwarteten Erstflug ab. Nach dem Start nahm das Flight Test Aircraft 1 (FTA) Kurs auf den Pazifik und drehte dort einige Runden, um die grundlegenden Flugeigenschaften zu testen. Dabei begleiteten den MRJ90 unter anderem eine Kawasaki T-4 und eine Mitsubishi Diamond. Nach rund anderthalb Stunden landete der japanische Hoffnungsträger wieder sicher in Komaki.

Beim Erstflug erreichte die Maschine eine Höhe von rund 4570 Metern und eine Geschwindigkeit von knapp 280 km/h. Fahrwerk und Klappen blieben während des gesamten Fluges ausgefahren. Der Pilot, Kapitän Yoshiyuki Yasumura, sagte nach dem Flug: „Die Leistung des MRJ im Einsatz war viel besser als erwartet. Wir hatten einen deutlich komfortablen Flug.“ Nähere Informationen wollte Mitsubishi zunächst nicht geben. Beim zweiten Flug am 19. November fuhr die Besatzung dann erstmals die Klappen und das Fahrwerk ein.

Den Beginn der Flugerprobung hatten die Japaner mehrfach verschieben müssen. Ursprünglich war der Jungfernflug für das Jahr 2012 vorgesehen, doch Entwurfsänderungen und Fehler bei der Dokumentierung für die Zulassung warfen das Programm zurück. Im April 2012 vertagte Mitsubishi den Erstflug auf das dritte Quartal 2013, und im August 2013 musste das Unternehmen eine weitere Verzögerung bis zum zweiten Quartal 2015 verkünden. Die Indienststellung verspätetete sich damit auf das zweite Quartal 2017. Zu diesem Termin soll der Erstkunde All Nippon Airways den MRJ90 übernehmen. An dieser Zeitplanung änderte auch die jüngste Verschiebung des Erstflugs auf das vierte Quartal 2015 nichts. Allerdings muss Mitsubishi die Flugversuche und die Zulassung nun in 18 statt in 24 Monaten schaffen.

Um dies zu gewährleisten, verlegt Mitsubishi einen großen Teil der Flugerprobung in die USA. Sie erfolgt vom Grant County International Airport im Bundesstaat Washington aus, wo die Wetterbedingungen und die Verfügbarkeit von Lufträumen besser sind als im Großraum Nagoya. Den Beginn der Tests in den USA planen die Japaner für das zweite Quartal 2016. Bereits im August hatte die Mitsubishi Aircraft Company in Seattle in Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen AeroTEC (Aerospace Testing Engineering & Certification) ein Ingenieurzentrum eröffnet, das mit rund 150 Fachleuten unter anderem Flugversuchs-Spezifikationen erstellen und die Testdaten auswerten wird. Die fünf Prototypen des japanischen Regionaljets sollen zusammen 2500 Flugstunden absolvieren. Während die Endmontage der zweiten Maschine (FTA 2) bereits abgeschlossen ist, befinden sich die folgenden Flugzeuge in verschiedenen Phasen der Montage. Der Erstflug von FTA 2 ist für das erste Quartal 2016 vorgesehen.

Derweil hat auch der Bau des ersten MRJ70 begonnen. Die 78-sitzige Variante soll im Zeitplan weiterhin etwa ein Jahr hinter dem MRJ90 angesiedelt sein. Aufträge für das kleinste Mitglied der MRJ-Familie konnte Mitsubishi bis dato indes noch nicht einfahren. Auch die Entscheidung zur Entwicklung einer größeren Version mit 100 Sitzen steht noch aus.

Technische Daten

fr 01-2016 Mitsubishi MRJ (03)

Beim Erstflug des MRJ90 blieb das Fahrwerk ausgefahren. Foto und Copyright: Mitsubishi Aircraft Corporation  

 

Mitsubishi MRJ90

Passagiere:
92
Triebwerk: Pratt & Whitney PW1217G
Leistung: 78,2 kN
Länge: 35,80 m
Spannweite: 29,20 m
Höhe: 10,50 m
Kabinenhöhe: 2,03 m
Kabinenbreite: 2,76 m
max. Startmasse: 39 600 bis 42 800 kg
Reichweite: 1670 bis 3310 km
Erstflug: 2015
Zulassung: 2017
Listenpreis: 42 Mio. Dollar

FLUG REVUE Ausgabe 01/2016

Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


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