24.03.2015
Erschienen in: 11/ 2014 FLUG REVUE

Generationenwechsel bei AirbusA320neo hebt ab

Am 25. September 2014 startete die A320neo in Toulouse zum Erstflug. Für die neue Generation seines Kassenschlagers verspricht Airbus einen bis zu 20 Prozent geringeren Verbrauch. Bei bereits über 3250 Bestellungen sind neue Rekord-Produktionsraten praktisch ein Muss.

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Herrlicher Sonnenschein über Toulouse begrüßte die fünfköpfige Testcrew, als sie sich am Vormittag nach den Briefings auf den Weg zur A320neo mit der Seriennummer 6101 und der passenden Kennung F-WNEO machte. Während Kapitän Philippe Pellerin, sein Co Etienne Miche de Malleray und Flugtestingenieur Jean-Paul Lambert ihre Plätze im Cockpit einnahmen, richteten sich  der Triebwerksspezialist Manfred Birnfeld und Sandra Bour-Schaefer vor den in der Kabine montierten Überwachungsmonitoren ein.

Kurz vor zwölf Uhr setzte sich die erste A320 der neuen Generation dann in Bewegung und rollte zur Bahn 32L in Blagnac. Unter dem Beifall der Zuschauer hob die für den Erstflug 60 Tonnen schwere Maschine überpünktlich etwa eine Minute vor 12:00 Uhr ab und stieg in nordwestlicher Richtung weg. In den folgenden knapp zweieinhalb Stunden arbeitete die Crew, unterstützt von der Mannschaft im Telemetrieraum am Boden, ein umfangreiches Programm ab. So wurde alle Systeme gecheckt und ein beträchtlicher Teil des Flugbereichs bis in Höhen von knapp 8000 Metern eröffnet. „Viel Spaß“ hätten sie gehabt und das Flugzeug sei „sehr vielversprechend“, erklärte Pilot Pellerin nach der Landung um 14:22 Uhr. Das Flugverhalten fühle sich an wie in einer normalen A320, was eine gute Sache sei, ergänzte de Malleray. „Eine Menge Arbeit liegt aber noch vor uns. Aber ich bin zuversichtlich, dass (die pünktliche Zulassung) machbar ist“, blickte Manfred Birnfeld voraus.

Eine reibungslose Einführung der A320neo ist auch notwendig, denn die neue Generation des Bestsellers ist ein Schlüsselprojekt für Airbus. Die bisher 60 Kunden warten schon und haben mit 3257 Bestellungen Vorschusslorbeeren verteilt wie bei noch keinem Verkehrsflugzeugprogramm. Im Rennen mit der Boeing 737 MAX ist Airbus derzeit mit einem Marktanteil von 60 Prozent in der Führungsposition. Dank ihrer gegenüber der 737 MAX größeren Bodenfreiheit kann die A320neo neben dem CFM-International-LEAP-1A auch die im Durchmesser deutlich größeren PurePower-PW1100G-JM-Getriebefan-Triebwerke unter ihren Flügeln tragen. Der Getriebfan verhilft besonders der A321neo zu einer attraktiven Kombination aus hoher Kapazität und guter Wirtschaftlichkeit. Für die gesamte A320-neo-Familie versprechen die Werbeprospekte zwei Tonnen mehr Nutzlast, fast 1000 Kilometer mehr Reichweite und zunächst um 15 Prozent geringere Kraftstoffverbrauchswerte und Schadstoffemissionen.

Bis auf das kleinste Familienmitglied, die A318, will Airbus die gesamte A320-Familie zur neo-Generation aufwerten. Bis zum Jahresende 2015 soll die A320neo zugelassen sein. Für diesen Zulassungsmarathon von rund 3000 Stunden sind nicht weniger als acht Flugzeuge im Einsatz: vier A320neo, zwei A319neo und zwei A321neo, jeweils mit beiden Triebwerksvarianten für die Zulassung der Antriebe. Sechs dieser acht Testflugzeuge werden in Hamburg gebaut. Mit der A320neo, MSN6286, D-AUBA rollte in Hamburg bereits das erste „Development Aircraft“ dieser Reihe aus der Halle. Zwei A320-neo mit PW-Triebwerken, die erste mit schwerer, die zweite mit leichter Flugtestausrüstung, sollen noch in diesem Jahr fliegen. Im Frühjahr 2015 folgt dann die erste A320neo mit CFM-Triebwerken und schwerer Flugtestausrüstung, Mitte 2015 die zweite mit  leichter Flugtestausrüstung.

Die Flugzeuge spulen das komplette Testprogramm ab: Flugerprobung der Handlingeigenschaften, Leistungsmessungen, Triebwerkstests, Hitzetests, Höhentests, Kältetests, Lärmmessungen, ETOPS-Langstreckenflüge und Einmotorenflüge, Kabinentests, sowie Tests des Autopiloten und der modifizierten Flugsteuerungssoftware an Bord. 

Auch bei der verkürzten A319neo und der gestreckten A321neo macht die Variante mit dem PW-Triebwerk den Anfang im Testbetrieb, danach folgt jeweils die CFM-Ausführung. Schon bevor die erste A320neo flog, war Airbus rund 250 Teststunden in der Luft: So wurden Änderungen des Flugverhaltens am mit Sharklets nachgerüsteten A320-Prototyp mit konventionellen Triebwerken untersucht. Außerdem wurde die hintere Verkleidung des neo-Pylonen an einer A380 geprüft und das störungsfreie Funktionieren der Schubumkehr auf einem Teststand bestätigt. 

Im Sommer begann Airbus außerdem eine „Virtual First Flight“-Kampagne im Simulator und bei Bodentests. Die Airbus-Flugtestorganisation muss mit ihren 43 Testpiloten, 58 Flugtestingenieuren, 11 Test Flight Engineers (sie betreuen einzelne Testflugzeuge) und 35 Boden-testingenieuren eine stattliche Flotte betreuen: Neben den bald acht neo-Flugzeugen sind auch andere, wie A380 und A400M, zum Zwecke weiterer Verbesserungen in der Luft, und natürlich muss auch die A350-900 zur A350-1000 weiterentwickelt werden. Im Jahr 2014 sind stolze 22 Flugzeuge bei der Testorganisation von Airbus im Einsatz. 2015 werden es 16 Flugzeuge sein, 2016 sind es 19 Flugzeuge.


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