05.06.2018
FLUG REVUE

Flugzeugfonds verkauft ErsatzteileZwei Airbus A380 werden zerlegt

Die deutsche Anlagefirma Dr. Peters Group lässt zwei ihrer Leasingrückläufer-Airbus A380-800 zerlegen, um deren Ersatzteile zu vermarkten. Damit hoffen zwei A380-Flugzeugfonds trotz schwacher Leasingnachfrage für das Riesenflugzeug auf ein positives Gesamtergebnis.

Singapore Airlines Airbus A380

A380 von Singapore Airlines. Foto und Copyright: Airbus  

 

Die Dr. Peters Group habe für ihre A380-Fonds "Nr. 129" und "Nr. 130" eine Lösung erarbeitet, die für die Eigenkapitalinvestoren zu einem positiven Ergebnis führen werde, teilte die Dr. Peters Group am Dienstag mit. Nach intensiven Verhandlungen mit verschiedenen Airlines wie British Airways, HiFly und Iran Air habe sich die Dr. Peters Group für einen Komponentenverkauf entschieden und werde diesen ihren Investoren empfehlen.

Die Optionen eines neuen Leasingvertrages für die Flugzeuge hätten aus Sicht der Dr. Peters Group nicht den Anforderungen der Investoren entsprochen, ein respektables Ergebnis erzielen zu können, so das Unternehmen. Auch ein zwischenzeitig in Erwägung gezogener Verkauf der Flugzeuge sei von der Dr. Peters Group geforderten Bedingungen nicht zustande gekommen. Der bisherige Leasingnehmer der Flugzeuge, Singapore Airlines, hatte seine Leasingverträge mit der Dr. Peters Group nach dem Ende der Grundlaufzeit von zehn Jahren nicht verlängert. Mit dem jetzt erarbeiteten Konzept könnten die Investoren über einen Zeitraum von rund zwei Jahren weitere hohe Auszahlungen erwarten, die einschließlich der bisherigen Rückflüsse zu einem "sehr ansehnlichen" Ergebnis führten. Die Auszahlungen sollen ab Anfang 2019 beginnen.

Für den Komponentenverkauf habe die Dr. Peters Group den Weltmarktführer VAS Aero Services gewinnen können, der langjährige Erfahrung, unter anderem für die Hersteller Boeing und Airbus, beim Verkauf von Flugzeugkomponenten habe. Nach der vorläufigen Kalkulation seitens VAS Aero Services könnten die Fondsgesellschaften während des insgesamt zwei Jahre dauernden Vorgangs jeweils allein aus dem Verkauf der Komponenten einen Erlös von rund 45 Millionen US-Dollar erzielen. Grund für diese hohe Bewertung sei vor allem, dass zahlreiche Airlines, die aktuell den A380-800 einsetzen, aufgrund von anstehenden Wartungsintervallen einen hohen Bedarf an einzelnen Ersatzkomponenten hätten.

Daneben sei geplant, den bestehenden Triebwerkleasing-Vertrag mit Rolls Royce oder auch mit einer Airline über den März 2019 hinaus fortzusetzen. Aufgrund der zunehmend steigenden Anzahl von Rolls Royce betriebenen A380, die ihrerseits in den kommenden Jahren gewartet werden müssten, gehe die Dr. Peters Group davon aus, für jede Fondsgesellschaft mindestens die bisherigen Einnahmen von monatlich 480.000 US-Dollar erzielen zu können. Schließlich sei geplant, die Triebwerke Ende 2020 zu verkaufen.

Ausgehend von den genannten Zahlen erwarte die Dr. Peters Group für die Investoren der DS-Fonds 129 und 130 einschließlich der bereits realisierten Währungskursgewinne einen Gesamtrückfluss von 145 Prozent bis 155 Prozent. Darin enthalten sind die bisher bereits geleisteten Rückflüsse von etwa 72 Prozent (DS-Fonds Nr. 129) beziehungsweise 81 Prozent (DS-Fonds Nr. 130) sowie eine vollständige Tilgung der noch bestehenden Restdarlehen. Da absehbar sei, dass die Hauptkomponenten, wie das Fahrwerk oder das Hilfstriebwerk, sehr schnell verkauft werden könnten, rechne die Dr. Peters Group damit, bereits im ersten Quartal 2019 eine erste Auszahlung an die Kunden leisten zu können. 

Anselm Gehling, CEO der Dr. Peters Group, sagte: „Wir sind sicher, dass wir mit diesem Konzept die aktuellen Erwartungen unserer Investoren sehr zufriedenstellen und womöglich sogar übertreffen können. Das war und ist unser Hauptziel. Der Markt für den Flugzeugtyp A380-800 hat sich in den vergangenen Jahren nicht positiv entwickelt. Einige Airlines haben bei Airbus Bestellungen storniert, andere wiederum auf kleinere Langstreckenjets gesetzt. Schließlich hat auch die permanente negative Diskussion über den A380-800 nicht dazu geführt, dass Airlines vermehrt auf diesen Flugzeugtyp gesetzt haben. Vor diesem Hintergrund ist das jetzt erarbeitete Konzept mit einem prognostizierten Gesamterlös von rund 80 Millionen US-Dollar pro Flugzeug eine ausgezeichnete Leistung.“

Über das vorgelegte Konzept sollen die Investoren des DS-Fonds Nr. 129 und des DS-Fonds Nr. 130 am 28. Juni 2018 in einer Gesellschafterversammlung abstimmen. Sollte die Entscheidung positiv ausfallen, würde das Konzept anschließend sofort umgesetzt werden.

Singapore Airlines hatte die Leasingverträge ihrer fünf ältesten A380 nicht verlängert und stattdessen A380-Neuflugzeuge bestellt. Von diesen fünf Leasingrückläufern will HiFly aus Portugal ab dem Sommer 2018 wahrscheinlich zwei Flugzeuge im sogenannten Wetleasing für Drittkunden betreiben.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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