08.08.2013
FLUG REVUE

50 Jahre Dassault FalconMit den Genen der Kampfflugzeuge: Die Falcon-Jets von Dassault

Der französische Hersteller Dassault hat eine sehr erfolgreiche Familie ziviler Geschäftsreiseflugzeuge geschaffen. In den Genen der Falcon-Jets steckt die DNA der Dassault-Kampfflugzeuge.

Der Gründungsmythos der Familie der Falcon-Business-Jets ist der Erstflug der Falcon 20 am 4. Mai 1963. Die Geschichtsschreibung des Hauses Dassault überliefert, dass kein Geringerer als Charles Lindbergh am Tag des Erstflugs den Prototyp in Bordeaux-Merignac besichtigte und am Abend telegrafierte: „Ich habe den Vogel gefunden!“

Richtig ist, dass der berühmte Atlantiküberquerer, zu der Zeit immerhin 71 Jahre alt, als Berater für die US-amerikanische Fluggesellschaft Pan American tätig war, die sich zu jener Zeit eine Business-Jet-Sparte aufbauen wollte. Und tatsächlich bestellte Pan American zunächst 40 Exemplare des neuartigen zweistrahligen Reiseflugzeugs.
Einige Jahre später erwarb die Fluggesellschaft weitere 120 Flugzeuge.

Zu dem Gründungsmythos gehört auch, dass das französische Produkt für den nordamerikanischen Markt den Namen „Fan Jet Falcon“ erhielt, da man den eigentlichen Namen „Mystère“ für zu schwierig auszusprechen hielt.
Dass das formschöne, effiziente und zuverlässige Geschäftsreiseflugzeug ein großer Erfolg und Ausgangspunkt für eine ganze Familie hochgelobter Business Jets werden sollte, konnte man 1963 bestenfalls ahnen.

Heute wissen wir, dass die Falcon eine Schlüsselrolle bei der Etablierung des Strahlantriebs in der Business Aviation hatte. Dassault hat sich seither immer wieder als Schrittmacher bei der Entwicklung neuer Technologien gezeigt.

Es waren Pioniertage für die Branche, als Dassault das Falcon-20-Projekt ins Leben rief. Ähnliche Konzepte befanden sich allenfalls in der Entwicklung oder im Prototypenstatus, darunter die Lockheed Jet Star, die de Havilland DH 125, der HFB 320 Hansa Jet, der Learjet 23 und der North American Sabreliner.
Dassault hatte die Falcon 20 zunächst für innereuropäische Strecken konzipiert. Die Aussichten des nordamerikanischen Marktes veranlassten die Konstrukteure dann, die Tragflächen zu vergrößern und die Reichweite auf mehr als 2000 Kilometer zu verlängern.
Die Überlegungen zu einem neuartigen zweistrahligen Reiseflugzeug hatten bei Dassault Mitte der 1950er Jahre eingesetzt. Einen neuen Schub erhielt das Projekt durch das Erscheinen des neuen JT12-Strahltriebwerks von Pratt & Whitney. Mit diesem Triebwerk ging der Prototyp an den Start.
Bei der Konstruktion des Reiseflugzeugs nutzten die Dassault-Ingenieure die Erfahrungen, die sie mit den modernen Mystère-, Mirage- und Étendard-Kampfflugzeugen gesammelt hatten.

Die Flugzeuge der ersten Serie erhielten das CF700-2B-Triebwerk von General Electric mit 4200 lbs Leistung. In der Kabine gab es acht bis zehn Passagiersitze. Die Musterzulassung in Frankreich und den USA wurde am 9. Juni 1965 erteilt. Auf dem Höhepunkt des Programms baute Dassault sieben Flugzeuge im Monat. In den USA gewann Dassault bald einige wichtige Großkunden, die das Image des französischen Business Jets weiter beflügelten. So bestellte der FedEx-Gründer Fred Smith 33 Falcon 20, die spezielle Frachttüren erhielten. Das Logistikunternehmen setzte die Flugzeuge zwischen 25 US-amerikanischen Städten ein (und erreichte 2200 Flugstunden pro Flugzeug im Jahr).
Auch zu Spezialmissionen wurde der Business Jet herangezogen: Die US-Küstenwache erwarb 41 Falcon 20G mit stärkeren Garrett-ATF3-Triebwerken. 
Insgesamt entstanden 477 Falcon 20 und 38 Exemplare der Variante Falcon 200. 512 davon wurden an Kunden außerhalb Frankreichs verkauft.

Dassault überzeugte nicht nur Kunden vor allem in Nordamerika, sondern das Traditionsunternehmen tat etwas sehr Vorausschauendes: Dassault gründete eine Produktionsstätte in den USA. Vier große Standorte unterhält Dassault Falcon Jet, das 100-prozentige Tochterunternehmen, heute in den USA: Teterboro, Little Rock, Wilmington und Reno. Das Endmontagewerk in Little Rock, Arkansas, beschäftigt 1800 Mitarbeiter und ist der größte Dassault-Betrieb weltweit.

Auf die Falcon 20 folgten weitere Modelle: die kleinere Falcon 10, die 1970 erstmals flog, und die dreistrahlige Falcon 50, die den Wunsch nach deutlich mehr Reichweite erfüllte. Sie flog erstmals 1976. Bei der Falcon 100, einer Variante der Falcon 10, verwirklichte Dassault eine wegweisende Innovation: Sie war der erste zugelassene Business Jet mit EFIS-Technologie und Farbbildschirmen anstelle elektromechanischer Cockpitinstrumente.
Die Falcon 50 wiederum war das erste zivile Flugzeug mit superkritischen Flächen. Diese Flächen erwiesen sich als derart effizient, dass sie im Wesentlichen unverändert für die späteren Falcon-Modelle 900 und 2000 übernommen wurden.  

Das Ursprungsmuster, die Falcon 20, obwohl es längst nicht mehr gebaut wird, hat nicht aufgehört, Luftfahrtgeschichte zu schreiben. Im Oktober letzten Jahres brachte das  National Research Council of Canada eine Falcon 10 in die Luft, die in 30000 Fuß Höhe für zehn Minuten mit 100-prozentigem Biotreibstoff auf Pflanzenbasis flog.

Die jüngsten Mitglieder der Falcon-2000-Reihe, die 2000S und die 2000LXS, haben erst im März 2013 die EASA-Zulassung erhalten.
Die neue 2000LXS kombiniert, wie die Bezeichnung andeutet, die besten Merkmale der bekannten Falcon 2000LX mit denjenigen der neuen 2000S. So hat das neue, mit Winglets ausgestattete  Familienmitglied eine Reichweite von 4000 nautischen Meilen (7400 km). Zugleich verfügt es über die sehr guten Kurzstart- und -Landeeigenschaften der 2000S. Der Business Jet kann daher schwierige Flughäfen wie London-City und Chicago-Executive anfliegen.
Die LXS besitzt die Vorflügel der 2000S, die ihr eine Startstrecke bei maximaler Abflugmasse von 4675 Fuß und eine Landestrecke von 2300 Fuß ermöglichen. Die Reichweite von 4000 nautischen Meilen erlaubt, mit sechs Passagieren an Bord, Städteverbindungen wie New York - Berlin oder Singapur - Dubai.
Für den Vortrieb sorgen zwei PW308C-Triebwerke von Pratt & Whitney Canada, die laut Dassault besonders emissionsarm sind. Im Cockpit wird serienmäßig das neue EASy-II-System installiert. Auf Wunsch gibt es Synthetic Vision.
Das neue Modell kostet etwa 500000 Dollar mehr als die 2000LX, die sie ablöst. Die Produktion des ersten Jahres sei, sagt Dassault, bereits ausverkauft.



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