03.01.2014
Erschienen in: 03/ 2013 FLUG REVUE

Piloten ignorierten WarnungenSuchoi Superjet: Absturzursache geklärt

Eine Verkettung mehrerer Fehler führte zum Absturz des Suchoi Superjet in Indonesien. So hielt die Flugsicherung den Regionaljet für ein Su-30-Kampfflugzeug und genehmigte eine für den Superjet zu niedrige Flughöhe. Die Maschine flog direkt auf den Salak-Vulkan zu. FLUG REVUE ging in der Märzausgabe 2013 der Absturzursache auf den Grund.

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Der Superjet wurde am 9. August 2009 fertiggestellt und hatte bis zum Absturz knapp 844 Flugstunden und 502 Flugzyklen absolviert. Foto und Copyright: Suchoi  

 

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Der Suchoi Superjet mit der Kennung RA-97004 war am 9. Mai 2012 vom Halim Perdanakusuma International Airport in Jakarta zu einem Vorführflug über West-Java gestartet, dem zweiten an diesem Tag. An Bord befanden sich vier Besatzungsmitglieder und 41 Passagiere. Der Flugplan sah eine Strecke in einer Flughöhe von 10000 Fuß (3048 Metern) über dem Luftraum „Bogor“ vor. Dabei kam es laut dem offiziellen Abschlussbericht des nationalen Transportsicherheits-Komitees Indonesiens bei der Flugvorbe-reitung zu einem Missverständnis zwischen den Piloten und der Flugsicherung. Die Flugsicherung ging davon aus, dass die Strecke des zweiten Flugs mit der des ersten identisch sei. Da mittlerweile die Startrichtung der Bahn geändert worden war, wollte Alexander Jablontsew, SSJ100-Cheftestpilot, eine andere Route fliegen. Die Karten an Bord beinhalteten aber keine näheren Informationen über „Bogor“ und das dort herrschende Gelände.

Der dortige Luftraum unterhalb 6000 Fuß (1829 Meter) gehört zum Trainingsgebiet des Fliegerhorstes Atang Sanjaya, in dem die indonesischen Luft-streitkräfte Übungen durchführen. Der zuständige indonesische Flugplaner gab als Flugzeugtyp „Suchoi Su-30“ ein, da der Superjet nicht in der Datenbank des Systems vorhanden war. Bei der Su-30 handelt es sich um einen Jagdbomber, der sich auch in Indonesien in Dienst befindet. Diese Maßnahme sollte sich als tragisch erweisen. Nach dem Start um 07:20 Uhr UTC (14 Uhr Ortszeit) erreichte der Superjet um 07:26 Uhr UTC die vorgesehene Flughöhe von 10000 Fuß. Zwei Minuten später fragte Jablontsew bei der Flugsicherung in Jakarta nach einer Reduzierung der Flughöhe auf 6000 Fuß. „Die Intention des Piloten … war, Höhe zu verlieren. Die geplante Landebahn war Runway 06. Das Flugzeug war zu diesem Zeitpunkt zu hoch, um einen Anflug zu beginnen. Die Situation war eine andere als beim ersten Flug, bei dem die Landung auf der Runway 24 stattgefunden hatte“, heißt es im Bericht.

Der Fluglotse genehmigte das Sinken in der Annahme, dass es sich um ein Kampfflugzeug mit entsprechender Berechtigung handelte. Wieder zwei Minuten später bat der Copilot, Alexander Kochetkow, um einen Flugkreis nach rechts. Beim ersten Flug führte man eine Schleife nach links durch. Um 07.:30:44 Uhr zeigte der Pilot einem Gast die Geländewarnfunktion des TAWS (Terrain Awareness and Warning System) auf dem EFIS-Bildschirm, wie die Aufzeichnungen von Flugschreiber und Cockpit Voice Recorder belegen. Dieses wäre aber nach Aussage des Piloten zu diesem Zeitpunkt nicht erforderlich gewesen, da zumindest in Flugrichtung kein bergiges Gelände zu sehen war. Der Superjet flog in diesem Moment in Richtung Meer. Der indonesischer Gast im Cockpit sagte: „Ja, es ist flach.“ Gleichzeitig flog der SSJ100 weiter seine Kurve.

Allerdings lenkten Gespräche im Cockpit den Piloten ab, so dass er, ohne es zu merken, seine Schleife verließ. Darauf deutet die Äußerung des Copiloten um 07:31:58 Uhr, nach Beenden des Kreises die Flugsicherung um die Genehmigung zur Rückkehr nach Halim nachsuchen zu wollen. Bereits fünf Sekunden zuvor hatte das Flugzeug die Schleife verlassen, was der Crew offensichtlich nicht aufgefallen war. Zudem diskutierte die Besatzung über die Flugrichtung zurück nach Halim „Die Äußerungen des Copiloten über das richtige Heading … könnten die Piloten abgelenkt haben“, heißt es im Bericht.


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