20.06.2013
aero.de

Tinseth: Duopol von Boeing und Airbus ist vorbei

Sprichwörtlich mit einem Knall startete am Montag die Paris Air Show 2013 - zum Auftakt des größten Stelldicheins der Branche tobte sich ein Gewitter über Le Bourget aus.

Boeing Marketingchef Randy Tinseth

Boeing Marketingchef Randy Tinseth. Foto und Copyright: Boeing  

 

Gegen Mittag klarte der Pariser Himmel auf und bereitete der verbreitet guten Stimmung auf der Messe auch einen meteorologisch passenden Rahmen. Angesichts einer angehobenen Absatzprognose für die nächsten 20 Jahre war auch Boeing Marketingchef Randy Tinseth bester Laune, als wir ihn zum Interview trafen.

"Die größten Wachstumsmärkte sind Asien, der Nahe Osten und Lateinamerika", sagte Tinseth im Gespräch mit aero.de. "Bezogen auf die Modelle werden Single Aisle-Flugzeuge wie die A320 und 737 die wichtigsten Treiber dieses Wachstums sein."

Auf der letzten Paris Air Show im Jahr 2011 verkaufte Airbus fast im Stundentakt große Stückzahlen der mit neuen Triebwerken aufgefrischten A320neo. Erst im August 2011 zog Boeing mit seiner 737 MAX nach und machte inzwischen bereits etwas Boden auf den Verkaufsvorsprung der Europäer gut.

Vor der Paris Air Show 2013 lag Airbus mit etwa 2.200 Neo-Aufträgen aber immer noch gut 800 Flugzeuge vor der MAX. "Die Schlacht hat aber gerade erst begonnen", sagte Tinseth mit Blick auf die Neo. "Bisher gab es nur gut 3.500 Verkäufe in einem Markt für 25.000 Flugzeuge."

Ihr Brot-und-Butter-Geschäft werden Airbus und Boeing in den nächsten Jahren allerdings nicht mehr allein unter sich ausmachen. "Gar keine Frage, die Zeiten des Duopols von Boeing und Airbus sind vorbei", räumte der Manager ein. Neue Flugzeuge aus Kanada, Brasilien, Russland, Japan und China würden den Wettbewerb verändern. "Das macht uns alle aber nur noch besser."


MAXimalbestuhlung auch für neue 737?
Auch weil sich die nachrückende Konkurrenz vor allem im Segment der 100 bis 150-Sitzer breit macht, beschäftigen sich Airbus und Boeing jetzt verstärkt mit dem Markt darüber. Durch optionale zusätzliche Notausgänge können Kunden der A321neo ihre Flugzeuge mit bis zu 236 Sitzen bestellen. Boeing soll ebenfalls Pläne für eine bis an die Kante bestuhlte 737 MAX in der Schublade haben.

"Günstigflieger wollen möglichst eng bestuhlte Kabinen bestellen", sagte Tinseth. Boeing halte sich bei der Entwicklung der MAX alle Optionen offen.

Am anderen Ende seines Produktspektrums hat Boeing in Paris gerade mit satten 102 Aufträgen im Gepäck den Startschuss für die 787-10 gegeben. Auf den 330-sitzigen Dreamliner dürfte bald die Hälfte aller 787-Bestellungen entfallen, schätzt man bei Boeing. Auch der Programmstart der nächsten 777-Generation, Seattle führt das Projekt als 777X, soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Großraumjets mit zwei Triebwerken seinen nicht nur die Zukunft, sondern auch schon die Gegenwart des interkontinentalen Luftverkehrs, sagte Tinseth. "Wenn wir auf den Widebody-Markt von 8.600 Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren blicken, werden nur 760 Stück davon sehr große Maschinen wie die 747-8 und A380 sein."

Mit der 787 und 777X werde Boeing im Widebody-Markt "eine komplette Produktlinie für die Anforderungen jedes unserer Kunden anbieten", so Tinseth.


Jumbojet 747-8 hat eine Zukunft
Die 747-8 ist dieser Tage hingegen ein Sorgenkind Seattles. Der neue Jumbo verkauft sich schleppend, unlängst hatte Boeing die Jahresproduktion daher um drei auf 21 Flugzeuge gekürzt. Wegen der schlechten Finanzlage einiger Frachterkunden muss Boeing zudem immer wieder eigentlich lieferfähige 747-8 nach der Endmontage auf trockenen Stellplätzen in der Wüste zwischenparken.

Dennoch werde die 747-8 auch weiter Teil der Modellpalette bleiben, bekräftigte Tinseth. "Das ist ein kleiner aber wichtiger Markt." Boeing habe zwischen der 777 und 747-8 genügend Abstand gelassen und stetig weiter in den neuen Jumbo investiert. "Die Flugzeuge, die wir heute ausliefern, sind besser als die, die wir vor zwei Jahren ausgeliefert haben."

Allen Programmen gemein sei die Nachfrage nach möglichst effizienten Flugzeugen. Daher werde es auch auf den Pariser Luftfahrtmessen der nächsten 20 Jahre vor allem um das Thema effizientes Fliegen gehen, sagte Tinseth.

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aero.de / Dennis Dahlenburg


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