Flugzeug unter Strom - so funktioniert das Bordnetz auch im Notfall

Stromnetze an Bord
So wird in einem Flugzeug Strom erzeugt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.10.2026
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So wird in einem Flugzeug Strom erzeugt
Foto: Airbus / C. Brinkmann

Grundsätzlich gibt es für die Stromversorung eines Flugzeugs vier Möglichkeiten. Am Boden kann das Flugzeug sogenannten Bodenstrom ("External Power") über ein Kabel beziehen. Dieser Strom kann von einem fahrbaren Dieselgenerator stammen; an immer mehr Flughäfen gibt es aber mittlerweile Bodenstrom, der aus dem Stromnetz stammt und somit weder für Geräusche noch Abgasemissionen sorgt.

Hilfsturbinen im Heck oder Triebwerke unterm Flügel

Die zweite Möglichkeit, die vor allem am Boden genutzt wird, ist die Hilfsturbine ("Auxiliary Power Unit") im Heck des Flugzeugs. Sie verfügt über einen Generator, der ausreichend Strom erzeugt, um alle Flugzeugsysteme zu versorgen. In der Luft sind die Generatoren an den Triebwerken die Hauptstromquelle. Diese sind in einer Einheit, dem sogenannten IDG ("Integrated Drive Generator"), gemeinsam mit einem variablen Getriebe ("Constant Speed Drive"), zusammengefasst. Der "Constant Speed Drive" sorgt dafür, dass sich der Generator unabhängig von der Drehzahl des Triebwerks immer mit derselben Geschwindigkeit dreht und so immer Wechselstrom mit derselben Frequenz erzeugt. Die Bordnetze nahezu aller Flugzeuge verfügen über 115 Volt Spannung mit 400 Hertz Frequenz. Über Wechselstromleitungen, auch Busse genannt, erfolgt die Hauptverteilung zu jenen Systemen, die viel Energie verbrauchen, beispielsweise die Avionik.

Gregor Schlaeger - Lufthansa Technik AG

Redundanz bringt Sicherheit

Bei zweimotorigen Flugzeugen speisen in der Regel beide Generatoren parallel Strom ins Bordnetz, wobei jeder Generator die ihm zugeordneten Busse mit Strom versorgt. Meistens sind die Generatoren so ausgelegt, dass auch ein einzelner Generator das gesamte Bordnetz versorgen kann und bei einem Ausfall direkt auf den verbleibenden Generator umgeschaltet wird. In diesem Fall werden dann häufig Komfortverbraucher wie die Bordküche abgeschaltet, um die Last auf dem verbleibenden Generator zu reduzieren.

Letzte Rettung: ein fliegendes Windrad

Die vierte und letzte Möglichkeit der Stromerzeugung kommt in Notfällen zum Einsatz: die Staudruckturbine ("Ram Air Turbine"), die beim Verlust aller anderen Generatoren aus dem Flugzeugrumpf klappt und wie ein Windrad aus dem Fahrtwind Strom für die nötigsten elektrischen Geräte erzeugen kann.

Airbus / C. Brinkmann

Integrierte Batterien sorgen für fließende Übergänge

Neben den Wechselstrombussen werden über Gleichrichter auch Gleichstrombusse mit Energie versorgt. Über diese Sekundärverteilung mit einer Spannung von 28 Volt gelangt der Strom an Gleichstromverbraucher, unter anderem die Funkgeräte. Die Gleichstrombusse wiederum sind mit Batterien verbunden, die begrenzt Energie speichern können, beispielsweise um vor dem ersten Flug ohne Bodenstrom die Hilfsturbine starten oder um im Flug notfalls die Zeit bis zum Ausfahren der Staudruckturbine überbrücken zu können. Sämtliche Verbraucher, die an die jeweiligen Busse angeschlossen sind, sind insofern priorisiert, als dass bei Ausfällen in der Stromerzeugung zuerst die Busse mit Komfortverbrauchern abgeschaltet werden und erst danach Busse mit essenziellen Verbrauchern.