Die australische Armee stellt die ARH-Tiger-Flugoperationen in Darwin ein und zelebrierte den Schritt jüngst mit einem Überflug bei Sonnenuntergang sowie internen Veranstaltungen. Das Verteidigungsministerium ordnet das Tiger-Ende als Meilenstein beim Übergang auf den AH-64E Apache ein.
Als offizielle Gründe für den Wechsel nennt das Ministerium das Erreichen der geplanten Dienstzeit von 20 Jahren sowie ein verändertes Bedrohungsumfeld. Genannt werden moderne Flugabwehrsysteme, Präzisionswaffen und unbemannte Plattformen, denen "Kampfhubschrauber der nächsten Generation" besser begegnen sollen.
Parallel läuft der Aufbau der Apache-Flotte: Sechs AH-64E sind bereits in Australien, insgesamt sind 29 Maschinen vorgesehen. Die vollständige Auslieferung erwartet das Ministerium bis Ende 2029; im Juli 2026 gab es in Townsville erste Live-Fire-Aktivitäten.
Wege nach dem letzten Flug
Bei militärischen Ausmusterungen sind mehrere Pfade grundsätzlich möglich: Weitergabe an andere Nutzer, Verkauf auf dem Exportmarkt, Nutzung als Ersatzteilspender oder die Verschrottung nach Demilitarisierung. Welche Option gewählt wird, hängt typischerweise von Zustand, Restwert, Zulassungs- und Exportauflagen sowie der Ersatzteillage ab.
Für Australien kommt hinzu, dass die Tiger-Flotte als problematisch galt: Die 22 Hubschrauber litten unter verzögerter Einsatzbereitschaft und niedrigen Klarständen. Das kann die Weiterverwendung als flugfähiges System erschweren und macht eine Teileverwertung als "Ersatzteilspender" für andere Tiger-Betreiber zumindest naheliegend.
Eine Abgabe an Dritte ist zudem nicht nur eine logistische, sondern auch eine politische Entscheidung. Schon früher war öffentlich die Idee diskutiert worden, die Tiger an die Ukraine zu geben; belastbare Festlegungen dazu sind aus den vorliegenden offiziellen Angaben jedoch nicht ableitbar.
Präzedenzfall MRH90 im Blick
Wie mit ausgemustertem Gerät verfahren wird, stand in Australien zuletzt beim MRH90 Taipan im Fokus. Nach der vorgezogenen Außerdienststellung der NH90-Variante veranlasste das Verteidigungsministerium die Demilitarisierung und Verschrottung großer Teile der Flotte; so wurden Rümpfe nach der Zerlegung teils im Erdboden vergraben, statt für einen Weiterverkauf aufbereitet zu werden. Das Ministerium nannte Sicherheits-, Export- und Wirtschaftlichkeitsaspekte als Gründe.
Ein solches Vorgehen ist jedoch kein Automatismus und lässt sich nicht direkt auf den ARH Tiger übertragen.





