Deutschland erst einmal nicht dabei
Tiger MkIII für Frankreich und Spanien

Die Rüstungsagentur OCCAR hat im Auftrag der französischen und spanischen Rüstungsgeneraldirektionen einen Auftrag an Airbus Helicopters für die Entwicklung, Produktion und anfängliche Unterstützung des Kampfhubschraubers Tiger MkIII vergeben. Deutschaland ist vorerst nicht dabei.

Airbus Helicopters Tiger Mk III.
Foto: Airbus

Der Vertrag umfasst die Aufrüstung von 42 Maschinen für Frankreich (mit der Möglichkeit, weitere 25 Hubschrauber hinzuzufügen) und 18 für Spanien. Darüber hinaus sieht der Vertrag die Möglichkeit vor, dass sich Deutschland später dem Tiger MkIII-Programm anschließt.

Der Erstflug des ersten Prototyps ist für das Jahr 2025 geplant. Die Erstauslieferung an die französische Generaldirektion für Rüstung (DGA) wird Ende 2029 erfolgen, gefolgt von einer Erstauslieferung an Spanien im Jahr 2030. Die Entwicklungs- und Aufrüstungsarbeiten werden in den Werken von Airbus Helicopters in Albacete (Spanien), Marignane (Frankreich) und Donauwörth (Deutschland) durchgeführt.

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Umfassendes Upgrade

Der Tiger MkIII ist ein umfassendes Upgrade der Systeme des europäischen Kampfhubschraubers. Der neue Standard ermöglicht die Anbindung der Plattform an das digitale Gefechtsfeld, um die Kooperation mit bemannten und unbemannten Systemen zu ermöglichen und taktische Informationen in Echtzeit auszutauschen.

Die Standardkonfiguration des Tiger MkIII umfasst die Integration des Safran Strix NG-Zielgeräts, der Thales FlytX-Avioniksuite, des Topowl DD-Helmvisiers, eines Indra IFF-Upgrades, des Thales GNSS und des Trägheitsnavigationssystems von Safran. Die Kommunikationsausrüstung wird mit den Funk- und Datenverbindungen Contact/Synaps von Thales für die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Flugzeugen aufgerüstet.

Außerdem werden für Spanien Link16- und SATCOM-Funktionen eingebaut. Der spanische Tiger MkIII wird mit einem Gefechtsfeldmanagementsystem und Gegenmaßnahmen von Indra ausgestattet, während der französische Tiger MkIII mit einem Gefechtsfeldmanagementsystem von ATOS und Gegenmaßnahmen von Thales ausgestattet wird.

Das neue Waffenpaket für Frankreich umfasst den MBDA MAST-F (Future Tactical Air-to-Surface Missile) und den Mistral 3 Luft-Luft-Flugkörper. Für Spanien umfassen die neuen Fähigkeiten 70-mm-Lenkraketen und einen neuen Luft-Boden-Lenkflugkörper.

"Das Programm Tiger MkIII wird eine europäische Antwort auf den Bedarf an einem hochmodernen Kampfhubschrauber für die kommenden Jahrzehnte sein. Mit dieser Aufrüstung bleibt der Tiger ein unverzichtbares und modernes Instrument für die europäischen Armeen und stärkt die Verteidigungszusammenarbeit in Europa", sagte Bruno Even, CEO von Airbus Helicopters.

Deutsche Skepsis

Das Verteidigungsministerium in Berlin schrieb in Dezember 2021 zum Tiger MkIII: "Die weitere deutsche Teilhabe am Projekt Tiger MkIII wird ganzheitlich unter Berücksichtigung der damit verbundenen Risiken und der Finanzierbarkeit abgewogen. Als wesentliche Parameter fließen die Gesamtkosten, die Erfüllung technischer Forderungen, die Verfügbarkeit der KH im Zuge der Umrüstung und auch der Zeitpunkt des Abschlusses der Umrüstungsmaßnahmen selbst in die Abwägung ein. Eine abschließende Entscheidung wird in der 20. Legislaturperiode – frühestens Mitte 2022 -, insbesondere unter Berücksichtigung der dann vorliegenden finanziellen Rahmenbedingungen getroffen werden können".

Ein Problem bleibt weiter die Unzufriedenheit des Heeres mit dem Tiger: "Die materielle Einsatzbereitschaft und die verfügbaren Flugstunden des Tiger stagnieren auf einem unzureichenden Niveau. Die ergriffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Einsatzreife, der Vereinheitlichung der Bauzustände, die Maßnahmen zur Reduzierung der Wartungsintensität sowie die eingeleiteten Maßnahmen, um die luftfahrzeugtechnischen Kapazitäten in der Truppe und insbesondere auch bei der systembetreuenden Industrie zu verstärken, werden sich erst mittel- bis langfristig auswirken. ... Zum Erhalt des operativen Einsatzwertes des Waffensystems KH TIGER muss bereits heute an der technischen Weiterentwicklung gearbeitet werden, um insbesondere Obsoleszenzen proaktiv zu beseitigen, die Kernfunktionalitäten auf dem neuesten Stand der Technik zu halten und damit den Anforderungen an moderne Einsatzszenare bei friedenserhaltenden Einsätzen, aber auch im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung, gerecht zu werden".

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