Die Korvette „Oldenburg“ verschoss am 18. Mai in Nordnorwegen erstmals eine Saab RBS15 Mk3 gegen ein Landziel. Bundeswehr / Kröncke

Marine schießt erstmals RBS15 gegen Landziel

Erster Test in Norwegen Marine schießt RBS15 gegen Landziel

Die Marine hat in Norwegen erstmals Anti-Schiff-Raketen vom Typ Saab RBS15 Mk3 auf ein Ziel an Land abgefeuert.

Die Korvette "Oldenburg" erbrachte am 18. Mai den Nachweis, dass "die Marine nun in der Lage ist, mittels einer Präzisionsabstandswaffe gegen Ziele relativ weit hinter der Küste zu wirken", wie der Test Director der Missile Firing Exercise 2022, Fregattenkapitän Nikolaus Hey, erklärt. "Dieser Schritt befähigt die Korvetten nun offiziell dazu, von See aus in einem breiten Landstreifen Ziele zu bekämpfen."

Für solche Einsätze im Operationsraum Küstenvorfeld, also in flachen und engen Gewässern, sind die wendigen Korvetten mit ihrem relativ geringen Tiefgang wie kein anderes Schiff befähigt, so die Marine. Die "Oldenburg" demonstrierte das bei diesem Schießen dadurch, dass sie für den Start der Flugkörper tief in die nordnorwegischen Fjorde hineingefahren war. Aus einer gut verborgenen Position heraus feuerte sie die RBS15 ab.

"Die Gesamtflugstrecke forderte den Lenkflugkörpern verschiedene, ausgesprochen anspruchsvolle Routen sowohl über See als auch über Land ab", erläutert Hey. Die Strecke nutzte die Reichweite des RBS15 von mehr als 200 Kilometern gut aus, die Raketen schlugen auf ihrer Route mehrere Haken und veränderten immer wieder einmal ihre Flughöhe. Das dient grundsätzlich dazu, die genaue Abschussstelle, und damit die Position der Korvette, vor einem möglichen Gegner zu verstecken.

Auch wenn sie sich nicht in einem spezifischen Gefechtsszenario befand, war die Crew für das Abfeuern des RBS15 auf Gefechtsstation gegangen. Das dient einerseits der Sicherheit von Schiff und Besatzung im Fall eines Unfalles, andererseits dem realitätsnahen Einsatz des Waffensystems.

Der tiefe Konturenflug des Lenkflugkörpers RBS15 über Land bedurfte auch im dünn besiedelten Norwegen nördlich des Polarkreises für eine militärische Übung in Friedenszeiten sorgfältiger Vorbereitung. Die Behörden mussten entlang der Flugstrecke eine öffentliche Straße sperren, eine Landstromleitung sichern und einige Wohnhäuser vorsorglich räumen lassen. Hubschrauber flogen die Strecke kurz vor den Schüssen ab, um mit Hilfe einer Wärmebildkamera auch sicherzugehen, dass sich keine Personen im Bereich der Flugstrecke aufhielten. Außerdem war – wie bei auch bei reinen Seezielschießen – das gesamte Seegebiet für den zivilen Schiffs- und Flugverkehr gesperrt.

Der RBS15 Mk3 gehört zur Klasse der schweren Seezielflugkörper, definiert durch das vergleichsweise große Gewicht seines Gefechtskopfs. Er kann damit an Land Ziele wie ortsfeste militärische Infrastruktur zerstören, lässt sich aber auch zum Beispiel gegen mobile Raketenabschussfahrzeuge einsetzen – wenn deren genaue Position bekannt ist. Die Zieldaten liefern in der Regel nicht die eigenen Sensoren der Korvetten, sondern sie stammen aus unterschiedlichen dritten Quellen.

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