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ILA 2022
DLR zeigt fliegenden Simulator ISTAR Patrick Zwerger

ISTAR - das fliegende Chamäleon des DLR.

Falcon 2000LX in wechselnden Rollen DLR zeigt fliegenden Simulator ISTAR

Einen fliegenden Verwandlungskünstler zeigt das DLR mit seinem Forschungsflugzeug Dassault Falcon 2000LX ISTAR, das ab etwa 2027 die Flugeigenschaften völlig fremder, auch größerer, Jets annehmen kann.

Der 2020 ausgelieferte Business Jet aus Frankreich fliegt zwar derzeit noch in einer relativ herkömmlichen Konfiguration, aber er dient bereits als Forschungsflugzeug. Derzeit regen DLR-Materialforscher die Außenhaut der Zelle mit innen installierten Piezo-Sensoren zum Schwingen an und messen im Flug, wie die Flugzeughaut darauf reagiert. Später erhält das Flugzeug hunderte Sensoren und vermisst bei extremen Testflügen die Ränder seines üblichen Flugbereichs. Für 2023 plant das DLR Tests mit künstlichen Vereisungsprofilen, mit denen eine neuartige Software validiert wird, welche die bisher sehr aufwändige Vereisungszulassung von Verkehrsflugzeugen radikal verbilligen könnte, da sie diesen gesamten Zulassungsteil durch reine Software übernehmen soll. Die neuartige Software wird nicht nur die Eisbildung und deren Auswirkungen vorhersagen, sondern zulassungsreife Daten liefern.

Fliegen mit neuer Identität
Den Ritterschlag für seine ISTAR (In-flight Systems and Technology Airborne Research/ Flugsysteme und Technologieforschung im Flug) plant das DLR aber danach: Nach einer großen Umrüstung soll das Testflugzeug mit neuen Computern ausgestattet werden, die ihm im Flug per Software die veränderten Flugeigenschaften völlig anderer Flugzeuge einspielen. Zur Sicherheit fliegt im Cockpit auf dem linken Sitz immer ein Kommandant, der die normale Falcon-Software nutzt und der jederzeit einspringen kann. Auf dem rechten Sitz nimmt dagegen ein Testpilot Platz, der das zuschaltbare, virtuelle Flugzeug im Flug bedient. Bei etwaigen Störungen kann er das Ruder direkt an seinen konventionell arbeitenden Kollegen zurück übergeben. Die Vorbereitungen für die Konzeption des komplizierten Umbaus, der tief in die Flugzeugsysteme eingreift, laufen derzeit in Zusammenarbeit mit Dassault.

Virtuelle Testflotte
Aus der Passagierkabine leiten zwei DLR-Flugversuchsingenieure alle Testflüge an. Sie sitzen an Computerkonsolen und können das Verhalten des Flugzeugs, beider Piloten und aller Flugzeugsysteme genau überwachen. Die wendige Falcon kann dank ihres relativ großen Geschwindigkeits- und Höhenbandes die Flugeigenschaften zahlreicher Flugzeuge abbilden. Vorteil des virtuellen Fliegens ist, dass man keine ganze Flotte von Testflugzeugen braucht und dass man mit kleinen Flugzeugen die Eigenschaften sehr viel größerer schon vorab testen kann. ISTAR ist ein moderner und stark erweiterter Nachfolger von ATTAS, einem Simulationssystem, das 1985 bis 2012 in einer VFW 614 des DLR installiert war.

Sidestick war gestern
Außerdem will das DLR eine Vielzahl neue Bedienelemente für die Piloten im Cockpit prüfen. Dabei wollten die Abteilungsleiter Katrin Witte und Martin Gestwa bei einem ILA-Besuch der FLUG REVUE an Bord neben Sidesticks, darunter auch mit künstlichem Ruderdruck, keine neue Technologie, bis hin zu Gestensteuerung und "Gedankensteuerung" für die späteren Tests ausschließen. Die zahlreichen Institute des DLR bestückten die Experimente später mit denen dann von ihnen favorisierten Forschungstechnologien, so die Braunschweiger.

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