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Aktionsbündnis für mehr Frauen in technischen Berufen

Erfolgreiche Girl's Days

Mehr Frauen für typische Männerberufe zu begeistern, ist das Ziel des Mädchen-Zukunftstags „Girl‘s Day“, der mittlerweile in 16 Ländern stattfindet. Auch Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt haben gute Erfahrungen mit dieser Veranstaltung gemacht.

In den Hörsälen der Technischen Universitäten ist das Bild immer gleich: 90 Prozent der Studierenden sind Männer. Dieses Bild setzt sich später in den Firmen fort: Technische Berufe sind nach wie vor eine Männerdomäne, sei es in der IT-, der Automobil- oder der Aerospace-Industrie. Um mehr Frauen für technische Berufe zu interessieren, wurde der Girl‘s Day - der Mädchen-Zukunftstag - ins Leben gerufen. Er wird in Deutschland von einem breiten Aktionsbündnis getragen und von Regierungsseite vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)  finanziell unterstützt. Auch der Europäische Sozialfonds fördert die Veranstaltung. Zu den Aktionspartnern gehören die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), die Bundesagentur für Arbeit, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der Bundeselternrat (BER) und die Initiative D21.
In diesem Jahr haben nach Angaben der Koordinationsstelle für den Mädchen-Zukunftstag in Bielefeld mehr als 108.000 Schülerinnen der weiterführenden Schulen an über 9000 Veranstaltungen teilgenommen. Erstmalig wurde der Girl‘s Day in diesem Jahr auch in Ungarn, in Estland und in ganz Italien organisiert. Die Luft- und Raumfahrt ist als Technologiebranche von dem Ungleichgewicht der Geschlechter stark betroffen und beteiligt sich deswegen mit vielen Veranstaltungen in vielen Firmen selbst an dem Tag.


Beispielhaft für das Engagement von Luftfahrtfirmen ist der Girl‘s Day am Flughafen Düsseldorf. Gemeinsam mit den Partnern airberlin, Lufthansa und der Deutschen Flugsicherung hatte der Airport am 25. April 65 Mädchen der Maria-Montessori-Gesamtschule aus Meerbusch eingeladen, damit die jungen Frau einen Einblick in die Männerberufe am Flughafen erhalten.
Der Tag bgeann für die Teilnehmerinnen mit einer gemeinsamen Vorfeld-Rundfahrt, um einen Überblick über die Betriebsabläufe an einem internationalen Verkehrsflughafen zu geben. Danach teilten sich die Teilnehmerinnen in vier Gruppen auf, um die Unternehmen zu besuchen, die sie sich vorher ausgesucht hatten.
Ziel des Tages war es nicht nur, einen theoretischen Einblick zu ermöglichen, sondern auch praktische Erfahrung zu sammeln. In der Ausbildungswerkstatt des Flughafens konnten sie beispielsweise unter Anleitung ihr technisches Geschick unter Beweis stellen, indem sie aus Kupferdraht und Lötzinn ein Flugzeugmodell erstellen durften.
In seiner Werkstatt bildet der Airport nach eigenen Angaben unter anderem Mechatroniker, Elektroniker, und Kfz-Mechatroniker aus, die bei ihrer späteren Tätigkeit Start- und Landebahn, Vorfeldpositionen und Gebäude und Fahrzeuge warten und reparieren.
Bei airberlin und Lufthansa  standen die Besichtigungen der Werften auf dem Plan. Die teil-nehmerinnen hatten die Möglichkeit, ein Flugzeug ganz aus der Nähe zu betrachten und auch in den Frachtraum und das Cockpit zu gehen, um dort den Technikern bei ihrer Arbeit über die Schultern zu schauen. Bei der Airline-Technik erlebten die Schülerinnen, welche Arbeiten an den Flugzeugen bei verschiedenen Wartungsereignissen gemacht werden, damit die Flugzeuge zuverlässig ihren Dienst versehen können. 
Über das Berufsbild und die Ausbildung der Fluglotsin hielt die DFS einen Vortrag und beantwortete Fragen der Teilnehmerinnen. Spielerisch konnten die Mädchen auch einige Aufgaben aus dem Einstellungstest zur Lotsin durchgehen. Dabei erfuhren die Schülerinnen, dass der Düsseldorfer Tower mit 90 Metern Höhe der höchste Tower in Deutschland ist, und dass die dort sitzenden Towerlotsinnen und -lotsen hauptsächlich für die Reglung und die Kontrolle des Flugverkehrs im Bereich des Düsseldorfer Flughafens sowie auf dem Vorfeld verantwortlich sind.

EADS will Frauenanteil erhöhen

Fertigung von integrierten Panelstrukturen bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden. Foto und Copyright: EFW/EADS

Auch die EADS als größter europäischer Aerospace-Konzern engagiert sich in Deutschland im Rahmen des Girl‘s Days. Sie betreute am 25. April rund 600 Schülerinnen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren an verschiedenen Standorten. „Unser Ziel ist ein Anteil weiblicher Mitarbeiter von 20 Prozent im Jahr 2020“, sagte Jörg Kutzim, Personaldirektor bei EADS anlässlich des Mädchen-Zukunftstags. „Daher müssen wir dafür sorgen, dass genügend Mädchen sich für technische Berufe und Studiengänge interessieren. Der Girls‘ Day ist nur eine der vielen Aktionen, die wir zu diesem Zweck unternehmen.“  Direkt an die Teilnehmerinnen gerichtet sagte er: „Wir freuen uns sehr, die Mädchen bei uns begrüßen zu dürfen und hoffen, dass ein paar von ihnen eine technische Laufbahn in Erwägung ziehen, die vielen immer noch als männliche Domäne gilt.“
50 Teilnehmerinnen besichtigten am Airbus-Standort Finkenwerder die Airbus-Montagelinien und trafen mit Azubis und Studenten zusammen, um in Gesprächen und Workshops den Arbeitsplatz Airbus kennenzulernen.
Airbus Stade bot in seinem Programm einen praxisorientierten Workshop an, in dem 45 Schülerinnen Bauteile aus kohlefaserverstärktem Kunststoff herstellten. Der Airbus-Standort Bremen wurde von 200 jungen Menschen besucht. Airbus bietet Praktika an, um die beim Girls‘ Day gewonnenen Eindrücke zu vertiefen. Der Termin des nächsten Girl‘s Day steht auch schon fest: Er findet wegen der Osterferien bereits am 27. März 2014 statt.


Dieser Beitrag ist erstmalig in der FLUG REVUE Ausgabe 7/2013 erschienen.

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