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Berufe in der Luftfahrt

Die UAV-Piloten der Luftwaffe

In Afghanistan und nun auch in Mali setzt die Luftwaffe das unbemannte Überwachungssystem Heron 1 ein. Dafür müssen Piloten und Sensorbediener ausgebildet werden

Unbemannte Fluggeräte haben zwar keinen Piloten an Bord, angesichts der langen Flugzeiten von militärischen Aufklärungsdrohnen ist der Personalaufwand im Einsatz dennoch hoch. So sind für die drei von der Luftwaffe in Afghanistan verwendeten IAI Heron 1 ständig 14 Piloten, die Air Vehicle Operators, vor Ort; als zweites Einsatzgebiet kam jüngst noch Mali dazu. Das bedeutet also, dass nach wie vor Heron-Crews ausgebildet werden müssen. Für die Aufgabe werden Offiziere des Fliegerischen Diens­tes (Luftfahrzeugführer) und Feldwebel oder Offiziere (Tactical Operators) umgeschult.

Die Ausbildung findet generell beim Hersteller auf dem Flugplatz Ein Shemer in Israel statt. IAI hat an seiner Akademie schon über 80 Piloten und mehr als 50 TacOps für die Bundeswehr geschult. Dazu kamen viele Techniker der Airbus-Tochterfirma ADAS (Airbus DS Air-borne Solutions). Das Trainingsprogramm dauert knapp elf Wochen und gliedert sich in zwei große Abschnitte. Zunächst steht ein intensiver Theoriekurs von etwa vier Wochen an. In dessen Verlauf werden die Schüler mit dem komplexen Aufbau der Kontrollstation und des ferngesteuerten Luftfahrzeuges vertraut gemacht und erlernen die Bedienung der Hard- und Software.

Auf die Theorie folgt die Praxisphase. Für diesen Teil werden Luftfahrzeugführer (RPA-Führer) und Nutzlastbediener (Tactical Operator) voneinander getrennt unterrichtet, sodass das Training optimiert durchgeführt werden kann. Wie in der Fliegerei üblich, beginnt der Abschnitt mit einer Simulatorphase, in der man praktische Erfahrung und Handlungssicherheit im Umgang mit dem Luftfahrzeug und den jeweiligen Sensoren erlangt. Neben der normalen Bedienung erlernt man hier auch das Abhandeln der Notverfahren, die im Betrieb eines Luftfahrzeuges notwendig werden können.

Steuerung per Tastatur

Ein Team aus Pilot und Nutzlastbediener kontrolliert die Heron 1 im Einsatz. Foto und Copyright: Bundeswehr

Hat man das Simulatortraining erfolgreich absolviert, geht es daran, den Heron 1 sicher durch den Luftraum Israels zu steuern und das Erlernte weiter zu festigen und zu vertiefen. Nach 14 erfolgreichen Flügen kommt der finale Checkflug, in dem man einem Fluglehrer zum letzten Mal beweisen muss, dass man den sicheren Umgang mit dem Luftfahrzeug beherrscht.

Das einzige, was der Besatzung jetzt noch fehlt, ist Erfahrung im Hinblick auf die Einsatzerfordernisse. Dazu wird ein einwöchiges Teamtraining absolviert. Dieses wird gemeinsam durchgeführt, um das Zusammenspiel zwischen AVO (Air Vehicle Operator) und TacOp zu trainieren.

Der Pilot steuert das Flugzeug über Tastatur und Trackball, muss aber je nach Mission nicht oft eingreifen, denn der Heron 1 ist grundsätzlich fähig, vollautomatisch zu fliegen, wobei GPS zur Navigation benutzt wird und eine programmierte Route abgeflogen wird. Starts und Landungen erfolgen im normalen Flugbetrieb ausschließlich vollautomatisch. „Es fehlen typische Eindrücke wie in einem Flugzeug, wie Vibrationen, g-Kräfte, Gerüche und Geräusche“, sagen Piloten, die den Heron 1 vom Boden aus steuern. „Aber dafür kann man zum Beispiel mit der Infrarot-Kamera bei Nacht sehen oder mal eben einen Techniker in die Bodenstation rufen.“

„Gar nicht so einfach, sich im dreidimensionalen Raum zurechtzufinden“, beschreibt Hauptmann Johannes Fuchs die Herausforderung. Seine Aufgabe im Team: Er ist Nutzlastbediener. Das bedeutet, dass ihm die Steuerung der Kameras, die Berechnung aller möglichen Daten, aber auch die erste Bewertung der Lage, wie sie der Heron aus großer Höhe sieht, obliegt. Handelt es sich um ein militärisches Fahrzeug oder um ein ziviles? Sind es sechs oder doch eher acht Personen, die dort auf dem Bildschirm zu erkennen sind? Die Videos werden an die Auswerter und bei Bedarf auch an die unterstützten Bodentruppen geliefert, sodass sich ein besseres Lagebild ergibt.

Frisch ausgebildete Heron-1-Crews gehen jedes Jahr mehrfach in den Einsatz. Allerdings sind die Einsatzzeiträume beim „fliegenden Personal“ wesentlich kürzer als beim Rest der Truppe.

FLUG REVUE Ausgabe 01/2017

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