Luftfahrzeugprüfer: Lizenz zur Freigabe Airbus Helicopters

Luftfahrzeugprüfer: Lizenz zur Freigabe

Berufe in der Luftfahrt Luftfahrzeugprüfer: Lizenz zur Freigabe

Wer Luftfahrzeugprüfer werden will, braucht einen langen Atem. Warum sich die Anstrengung trotzdem lohnt.

Ob Transponderumrüstung oder Generalüberholung: Nach Abschluss von Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten können Flugzeuge oder Hubschrauber nicht einfach so abheben, sie müssen erst wieder für den Flugbetrieb freigegeben werden. Diese Aufgabe übernehmen Luftfahrzeugprüfer, auf Englisch Certifying Staff. "Im MRO-Bereich [Maintenance, Repair, Overhaul; d. Red.] gilt aus Sicherheitsgründen das Vier-Augen-Prinzip", erklärt Daniel Barwe, Certifiying Technician Avionics im Maintenance-Center Calden von Airbus Helicopters.

Dort sind derzeit rund 80 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 40 in der Werft. Vor Ort gibt es zwölf Docks für Hubschrauber. Zu den Kunden gehören Privatleute und Geschäftskunden, sowie öffentliche Auftraggeber aus ganz Europe. Der Standort soll zukünftig sogar weiter ausgebaut werden.

Verantwortungsvoller Job

Woher seine Leidenschaft für Hubschrauber kommt, kann Barwe gar nicht so richtig erklären. "Ich finde Hubschrauber einfach spannender als Flugzeuge. Sie sind spezieller. Und es ist faszinierend, dass sie überall starten und landen können", sagt der 34-Jährige. Erste Erfahrungen in der Helikopterwartung hat Barwe bereits bei Schülerpraktika in der 9. und 10. Klasse am Heeresflugplatz in Fritzlar gesammelt.

Nach dem Abitur, beruflichen Stationen bei der Bundeswehr und zahlreichen Weiterbildungen ist Barwe heute B2-Prüfer mit Type Ratings für die beiden Hubschraubermuster H135 und H145 von Airbus Helicopters. Kategorie B2 bedeutet, dass er Freigaben nach Instandhaltungsarbeiten an der Avionik, Elektronik und an elektrischen Systemen eines Hubschraubers im Rahmen der Line- und Base-Maintenance erteilen darf (ergänzend dazu sind B1-Prüfer für die Mechanik zuständig). Diesen Sommer, nach drei Jahren Berufserfahrung als B2-Prüfer, wird Barwe Prüfer der nächsthöheren Kategorie C. Das heißt, dass er nach Base-Maintenance-Arbeiten den Helikopter in seiner Gesamtheit freigeben darf, nachdem die einzelnen Instandhaltungstätigkeiten durch die entsprechenden B1-/B2-Prüfer bestätigt wurden.

Airbus Helicopters
Zerlegt und wieder zusammengebaut: Neben der Wartung gehören auch Retrofit-Programme zu den Aufgaben der Mitarbeiter im Maintenance-Center von Airbus Helicopters.

Prüfer tragen eine enorme Verantwortung, das erklärt den langen beruflichen Werdegang. Am Anfang steht eine dreieinhalbjährige Ausbildung als Fluggerätmechaniker oder, wie in Barwes Fall, als Fluggerätelektroniker. Dann folgen mindestens drei Jahre Berufserfahrung in einem lizenzierten Part-145-Betrieb und anschließend ein On-the-Job-Training, bei dem man viele Wartungspunkte unter der Aufsicht eines lizensierten Prüfers des Luftfahrtbundesamts (LBA) durchführen muss.

Testflüge als Teil der Arbeit

Während des On-the-Job Trainings können die Type Ratings für bestimmte Hubschraubertypen erworben werden. Ein entsprechender Kurs für die H135 und H145 beispielsweise dauert vier Wochen und findet in der Training Academy in Donauwörth statt. Zudem müssen noch zehn theoretische Module an der Training Academy in Kassel absolviert werden. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Grundlagen der Elektrik, Elektronik, Digitaltechnik, Werkstoffe und Komponenten, Aerodynamik, Luftfahrtgesetzgebung und Antrieb. Jede Etappe wird durch eine teils theoretische und praktische Prüfung abgeschlossen. Doch auch dann kann sich ein Prüfer nicht entspannt zurücklehnen, denn um das Type Rating aufrechtzuerhalten, muss mindestens alle 100 Tage ein Tag an dem entsprechenden Hubschraubertyp gearbeitet werden.

Airbus Helicopters
Das Maintenance-Center von Airbus Helicopters am Flughafen Kassel-Calden kümmert sich um die Instandhaltung von H120, H135 (Foto), H145, H155 und der H225-Familie.

Doch das lebenslange Lernen lohnt sich. Nicht nur, aber auch, weil man als Prüfer nach größeren Eingriffen am Hubschrauber beim Einfliegen neben dem Piloten sitzt. "Fliegen ist das Geschenk für die eigene Arbeit", sagt Barwe. Solche Testflüge dienen nicht dem eigenen Vergnügen, sondern es müssen bestimmte Protokolle abgearbeitet werden. Beispielsweise checkt der Prüfer, ob der Autopilot, die Funkgeräte sowie VOR- und ILS-Equipment korrekt funktionieren. Wenn Fehler auftauchen, muss am Boden noch einmal nachgearbeitet werden.

Azubis gesucht

"Die Arbeit ist niemals monoton und man wird immer wieder neu herausgefordert", sagt Barwe. Wer nun Lust bekommen hat, beruflich in die Hubschrauberinstandhaltung einzusteigen: Im Maintenance-Center von Airbus Helicopters in Kassel-Calden werden für Herbst vier Auszubildende als Fluggerätmechaniker und -elektroniker Fachrichtung Instandhaltungstechnik gesucht. Voraussetzungen sind ein Realschulabschluss, gute Englischkenntnisse, technisches Verständnis und handwerkliches Geschick. Informationen und Bewerbung unter www.airbus.com/careers.

Interessierte können sich bei Fragen zur Ausbildung per Mail an den Fachausbildungsleiter Tino Becker (tino.becker@airbus.com) wenden. Bei Fragen zur Prüferausbildung hilft Daniel Barwe (daniel.barwe@airbus.com) weiter. Weitere Jobs in der Luftfahrtbranche gibt es im Stellenmarkt von FLUG REVUE.

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