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Berufschancen in den Golfstaaten

Lockruf der Wüste

Sie brauchen Ingenieure, Techniker, Piloten, Verwaltungsleute: Airlines und Luft- und Raumfahrtfirmen am Persischen Golf suchen im Ausland Personal für ihre Expansion. Besonders gute Chancen haben Deutsche.

Selbst 2008 und 2009, als fast überall die Luft- und Raumfahrtunternehmen die Produktion herunterfuhren und Airlines Flugzeuge stilllegten, zog man in den Staaten rund um den Persischen Golf die ehrgeizigen Expansionspläne durch. Vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt die Luft- und Raumfahrt neben dem Tourismus als strategische Schlüssel-industrie für das 21. Jahrhundert. Sie soll die Abhängigkeit vom Ölexport schmälern – und wird entsprechend mit Milliardenbeträgen aufgebaut und protegiert. Folge: Viele aufstrebende Nahost-Carrier und Luftfahrtfirmen suchen – zum Teil händeringend – qualifiziertes Fachpersonal, vor allem im Ausland. Besonders hoch, sagen Fachleute, sei die Nachfrage nach Ingenieuren, Technikern, Piloten sowie Marketing- und Sales-Spezialisten.

Beispiel Dubai Aerospace Enterprise (DAE): Der Konzern will mit seinen Geschäftsfeldern Finanzierung, Ingenieursdienstleistungen, Flughafenbau, Services und Produktion innerhalb von zehn Jahren zum Global Player aufsteigen; der Businessplan sieht Investitionen von 15 Milliarden US-Dollar vor. Die Personaldecke soll von derzeit einigen Tausend auf 30.000 Beschäftige anwachsen. Neue Jobs würden unter anderem in den Bereichen Ingenieurswesen, Produktion, Maintenance, Operations und IT-Dienstleistungen entstehen, teilt das Unternehmen mit. Auch die staatliche Mubadala Development Company aus Abu Dhabi hat sich unter anderem am renommierten schweizerischen Wartungs- und Instandsetzungbetrieb SR Technics beteiligt, hält für ihre Aerospace-Sparte Ausschau nach ausländischen Fachkräften.

Fluggesellschaften in der Region

Auch bei den Fluggesellschaften in der Region haben Qualifizierte mit deutschem Pass gute Jobperspektiven. Etwa bei Qatar Airways, der Airline aus dem Emirat Qatar: „Wir begrüßen es, wenn deutsche Staatsbürger sich bei uns bewerben. Viele sind schon seit etlichen Jahren bei uns, zum Beispiel als Piloten“, heißt es auf Anfrage. Gesucht würden neben Ingenieuren und Flugzeugführern auch Mitarbeiter für Bodendienste, Airport Services, Kundenservice sowie für Sales & Marketing.

Ähnliches gilt für die erst 2003 gegründete Etihad Airways. Zurzeit beschäftigt der aufstrebende Carrier aus dem Emirat Abu Dhabi rund 10.500 Menschen aus 125 Nationen. Bis zum Jahr 2020 soll die Personalstärke weiter ansteigen. „Wir brauchen dafür neue und hervorragend qualifizierte Mitarbeiter“, betont eine Sprecherin. Auch die seit Jahren stark expandierende Emirates rekrutiert praktisch permanent neue Leute – vor allem Cockpit- und Cabin-Crews, außerdem Bodenpersonal für den Flugbetrieb.

Freie Manager-Jobs bei Golf-Carriern werden dem Vernehmen nach sogar explizit über Headhunter für Deutsche ausgeschrieben. Bei etlichen Airlines ist noch echte Aufbauarbeit zu leisten; Fluggesellschaften wie Jazeera Airways (Kuwait), Sama Airlines (Saudi-Arabien) oder Fly Dubai (Dubai) sind Newcomer am Himmel.

Gute Chancen mit richtigem Pass

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Wer als Deutscher eine neue berufliche Herausforderung am Golf annimmt, kann in der Regel nicht nur ein attraktives, im Vergleich zur Heimat meist deutlich höheres Gehalt erwarten. Zudem locken – je nach Standort – massive Steuervorteile oder gar ein steuerfreies Einkommen. Oft übernimmt der Arbeitgeber auch die Sozial- und Krankenversicherung, stellt Auto und Wohnung oder gibt Beihilfen für Schule oder Kindergarten. Arbeitet man bei einer Airline, winken zumeist weitere Vergünstigen. Gulf Air aus Bahrain zum Beispiel gewährt einmal im Jahr einen Freiflug in die Heimat; darüber hinaus gibt es Tickets, auch für Angehörige, zum Discountpreis. „Wenn Sie bei einer Weltklasse-Airline arbeiten, können Sie auch Weltklasse-Privilegien erwarten“, wirbt der Carrier um Personal. Sogar für die chemische Reinigung erhalten Gulf-Air-Beschäftigte Sonderkonditionen.

Klar ist aber auch: Viele, die sich auf das Abenteuer am Golf einlassen, bekommen erst einmal einen Kulturschock. Gearbeitet wird normalerweise sechs Tage in der Woche und in internationalen Teams. Die Arbeitsweise der einheimischen Kollegen ist oft gewöhnungsbedürftig, Gewerkschaften und betriebliche Mitbestimmung sind Fremdworte. Man wohnt zwar zumeist luxuriös, aber abgeschottet in speziellen Siedlungen für Ausländer. Alkohol ist tabu, Frauen zeigen sich meist nur verschleiert in der Öffentlichkeit. Wer eine Leitungsfunktion bekleidet, darf sich nicht wundern, dass seine Mitarbeiter fünfmal am Tag zum Gebet verschwinden. Zudem setzen die hohen Temperaturen verbunden mit einer hohen Luftfeuchtigkeit selbst robusten Naturen zu.

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