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DRF Luftrettung

Berufsporträt Rettungsflieger

So wird man Heli-Pilot beim Rettungsdienst

Mindestens 1000 Stunden Flugerfahrung muss mitbringen, wer vorn rechts im Cockpit eines Rettungshubschraubers Platz nehmen will. Bei dem anspruchsvollen Pilotenjob kommt es nicht darauf an spektakulär zu fliegen, sondern souverän und verantwortungsbewusst.

Die zweimotorigen Rettungshelikopter – in Deutschland sind es vor allem die Muster H135, BK117 und H145 von Eurocopter – gibt es in Gelb, Rot-Weiß oder Orange. Die Farben repräsentieren die drei größten Luftrettungsorganisationen in Deutschland. Gelb steht für die ADAC-Luftrettung, Rot-Weiß für die DRF Luftrettung und Orange für das Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz. In dessen Auftrag fliegen die Piloten der Bundespolizei.

Ein Beruf mit hohem Ansehen

Nahezu überall, wo sich Rettungshubschrauber im Einsatz befinden, sind sie hoch geschätzt; nicht nur, weil Helikopter unter Luftfahrtenthusiasten generell recht beliebt sind, sondern weil auch ihren Piloten ein ganz besonderer Ruf vorauseilt. Rettungshubschrauberpiloten sind souverän, besonnen, verantwortungsbewusst. Der Beruf ist hoch angesehen. Abenteurer, die spektakuläre Showeinlagen fliegen, wird man in einem modernen Rettungshelikopter nicht finden.

Nicht alle Einsatzorte verfügen über geeigente Landeplätze. Oftmals muss die Crew des Rettungshubschraubers (im Bild eine EC135) einen Platz in der Nähe suchen. Foto: DRF-Luftrettung

Sicherheit geht immer vor

Wer den langen Weg ins Cockpit eines Rettungshubschraubers geschafft hat, trägt große Führungsverantwortung und muss oft blitzschnell abwägen zwischen medizinischer Notwendigkeit und der Sicherheit für Team und Patienten. So gehen etwa bei der Auswahl eines sicheren Landeareals die Meinungen von Rettungsarzt und Pilot oft auseinander. Auf der einen Seite steht das Anliegen, so schnell und so dicht wie nur möglich beim Patienten zu landen, auf der anderen Seite steht die Flugsicherheit als oberstes Gebot für den Piloten. Er allein trägt die Verantwortung an Bord, seine Entscheidung ist letztlich bindend.

Dabei gilt es stets Ruhe zu bewahren, auch wenn Eile geboten ist. Die richtigen Prioritäten sind unerlässlich, Panik ist fehl am Platz – auch wenn erst nach dem dritten Vollkreis über der Unfallstelle das sichere Landefeld gefunden ist. Sich souverän durchsetzen und sich auf keine Kompromisse einlassen – das sind Eigenschaften, die ein Rettungshubschrauberpilot unbedingt mitbringen muss.

An manchen Standorten wird auch nachts geflogen - hier erfolgt die Arbeit im Schichtdienst, der sich an den Vorgaben hinsichtlich Flugdienst- und Ruhezeiten orientiert.

So führt der Weg ins Heli-Cockpit

ADAC-Luftrettung und DRF Luftrettung unterhalten in Deutschland derzeit 65 Luftrettungszentren (ADAC: 35, DRF: 30). Bis vor wenigen Jahren rekrutierten beide Organisationen ihren Nachwuchs aus den Reihen ehemaliger Bundeswehr- und Polizeipiloten. Damit war schon bei der Einstellung gewährleistet, dass der Kandidat auch ausreichende Erfahrung im Tiefflug, bei grenzwertigen, kritischen Wetterverhältnissen und bei Landungen in unbekanntem Terrain mitbringen würde.

Heute finden ADAC und DRF ihren Nachwuchs mangels militärischen Angebots auch auf dem freien Markt bei kommerziellen Flugschulen oder Helikopterunternehmen. Der Bedarf liegt derzeit bei jährlich rund zwei Dutzend neuer Piloten, wobei die Unternehmen unterschiedliche Einstiegsbedingungen für ihre Kapitäne und Copiloten haben. So fordert die in München beheimatete ADAC-Luftrettung neben mindestens 1000 Flugstunden als verantwortlicher Pilot (davon mindestens 500 als Copilot in der Luftrettung oder in vergleichbaren Einsatzspektren) auch einen psychologischen Eignungstest durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die DRF Luftrettung (Hauptsitz: Filderstadt) verzichtet auf den DLR-Test, verlangt aber mindestens 1500 Flugstunden, 1000 davon auf Turbinenmustern.

Abwechslung ist als Rettungsflieger garantiert - belastbar sollte man aber auch sein.

Piloten der Bundespolizei

Einen Sonderstatus nehmen die Piloten der Bundespolizei (BPOL) ein, die im Auftrag des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe an zwölf Luftrettungszentren auf orangeroten Helikoptern vom Typ Eurocopter H135 fliegen. Die Einweisung in die Besonderheiten des Rettungsdienstes erfolgt in einem zweiwöchigen Lehrgang. Für Einsätze im Gebirge muss zuvor ausreichende Erfahrung bei Einsatzflügen im Flachland gesammelt werden.

Leben retten als Berufung

Die Bewerbung für die Luftrettung erfolgt auf freiwilliger Basis. Allerdings gilt die Aufgabe als sehr beliebt, weil sie interessant und abwechslungsreich ist, verbunden mit dem guten Gefühl für den Piloten, maßgeblich an der Rettung von Menschenleben beteiligt zu sein. Dies gilt übrigens auch für die Pilotinnen und Piloten von ADAC-Luftrettung und DRF Luftrettung. Die hohe Wahrscheinlichkeit, mit dem eigenen Einsatz ein Leben retten zu können, ist für die meisten Bewerber die entscheidende Motivation.

Von zwölf Standorten in Deutschland operieren die orangenen Rettungshelis des Bundesinnenministeriums (Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz).

Checkliste Rettungshubschrauberpilot

  • Voraussetzung für Kapitäne: ATPL(H) oder CPL(H), mindestens 1000 Flugstunden (ADAC-Luftrettung), mindestens 1500 Flugstunden (DRF Luftrettung), 20 Stunden Nachtflugerfahrung
  • Voraussetzung für Copiloten: mindestens 500 Stunden Gesamtflugerfahrung
  • Eignungsmerkmale: Mehrfachbelastbarkeit, Teamfähigkeit, Führungsverantwortung
  • Verdienst: 3500 bis 7000 Euro monatlich (je nach Status)
  • Einsatzbereitschaft: von 7 Uhr bis Sonnenuntergang; im Sommer drei/vier Tage Dienst, drei/vier Tage frei; im Winter jeweils sieben Tage; für Rettungsstation mit 24-Stunden-Bereitschaft gilt eine gesonderte Schichtdienstregelung (bedingt durch die gesetzliche Vorgabe von Flugdienst- und Ruhezeiten).
  • Wer stellt ein? ADAC-Luftrettung, DRF Luftrettung und Bundespolizei (Polizeidienst)
  • Ausbildung: bei anerkannten Flugschulen (Kosten ab 63.500 Euro). Einige Schulen bieten während der Ausbildung Tests auf Eignung für die Luftrettung an (u. a. DLR); eine Übernahmegarantie gibt es nicht.
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